Zunächst einmal wünsche ich dem geneigten Leser ein frohes, neues Jahr und freue mich, nach Computerproblemen und den Feiertagen endlich mal wieder Zeit zu finden, etwas zu veröffentlichen.
Grade noch rechtzeitig zum neuen Jahr, zu dem ich ein paar Gedanken loswerden will.
Für viele ist 2014 das große Fußballjahr und auch ich freue mich auf eine WM im fußballverrückten Brasilienund hoffe, daß Deutschland das erste europäische Land wird, das eine Fußball-WM in Südamerika gewinnt. Zeit wäre es ja mal.
Aber viel mehr noch steht dieses Jahr für mich im Zeichen des 100sten Jahrestags des Beginns des 1. Weltkriegs. Durch die Gräuel des Nazi-Regimes tritt dieser Krieg immer ein wenig in den Hintergrund, dabei stellte er die Weichen für die Probleme des 20sten Jahrhunderts, die wir auch heute noch lange nicht alle gelöst haben.
Wer wird bezweifeln, daß ohne den 1. Weltkrieg und die Demütigung Deutschlands im Versailler Diktat der Aufstieg des "Böhmischen Gefreiten" zum Reichskanzler und Diktator unmöglich gewesen wäre? Nur ein derart verunsichertes Volk schmeißt sich an einen Ver-führer und Heiland aus der Höll ran. Vor allem eine Nation, die sich stolz als die der Dichter und Denker bezeichnet.
Doch war der 1. Weltkrieg in meinen Augen viel mehr, als das Vorspiel zu Holocaust und 2. Weltkrieg, er war das zivilisatorisch bedeutendere Ereignis. er markierte das schleichende Ende des Kolonialismus, den rapiden Verfall europäischer Macht, die Geburt der ersten und auch der zweiten Supermacht des 20sten Jahrhunderts.
Betrachtet man die Umstände nur ein wenig, fallen einem Parallelen zu unser heutigen Zeit auf und wir sollen die Erkenntnisse der traumatischen Erfahrungen an der Somme, Verdun und sonstigen Schlachtfeldern als Mahnmal zur Kenntnis nehmen.
Eine sehr einfach nachzuvollziehende Behauptung ist, dass der 1. Weltkrieg ein Zusammenkommen von moderner Technologie des 20sten Jahrhunderts und einer Moral und politischen Einstellung des 19. Jahrhunderts war. Krieg war nicht nur, wie der General von Clausewitz ursprünglich in seinem Buch "Vom Kriege" mahnend schrieb, eine "Fortführung der Politik mit anderen Mitteln", sondern eher eine alltägliche Spielart der Politik mit anderen Mitteln. Es war ein Familiensport, in dem der kleine Wilhelm sich von seiner Tante Victoria, bei der er aufgewachsen war, emanzipieren wollte und der er zeigen wollte, dass auch er, trotz seiner Verkrüppelung ein Weltreich regieren könnte. Der Traum vom "Platz an der Sonne" endete für ihn im Exil, für viele Europäer in Massengräbern.
Weder Politik, noch der Bevölkerung war klar, welche Veränderung die Industrialisierung und die damit einziehenden neuen Technologien bewirken würden. Giftgas, Schienengeschütze, deren Reichweite von der deutschen Grenze bis in die Vororte von Paris trugen und zuletzt gepanzerte Monstren, die die alten Schützengräben einfach genauso überrollten, wie die Soldaten, die sich ihnen in den Weg stellten. Der Kater nach der Großmachtorgie war furchtbar.
Hier sehe ich bereits die erste Parallele zu unserer heutigen Zeit. Unsere Politik - vor allem unsere Politiker stecken noch tief im Denken des 20sten Jahrhunderts fest und begreifen noch gar nicht die Veränderungen, die die postindustrielle Informationsgesellschaft einherbringt. Atomkraft, Gentechnik. Stammzellenforschung und Cloning sind nur ein paar Beispiele, die zeigen, wie weit wir naturwissenschaftlich/technisch sind und wie wenig unsere Ethik damit schritthalten kann. Es reicht einfach nicht mehr, dass man Pazifist wird, nachdem man die Atombombe entwickelt hat, die Maschine, die die Begriffe "Massenmord" und "Kriegsverbrechen" in sich vereint. Was droht uns heute, wenn ein kleiner Fehler bei der Gentechnik gemacht wird, wodurch wir irreparable Erbgutschäden bei Menschen. Tieren oder Nahrungspflanzen auslösen? Was, wenn unsere Fehler erst nach Jahrzehnten sichtbar werden? Welche Krankheiten entschlüpfen dem Labor, weil eine Kleinigkeit schief gelaufen ist? Sind die Fehler so unwahrscheinlich? In einem Wettrennen um die erste Erfindung, um lukrative Patente, in dem Firmen und Wissenschaftler nur zu gern Abkürzungen nehmen, um sich als erster ein Erfindung und damit das Patent zu sichern, ist es verwunderlich, dass nicht längst schon etwas Schlimmes passiert ist. Aber wer weiß, woher kommen AIDS, SARS und andere Erkrankungen, wenn nicht eh schon aus Massentierhaltung, die wir im Stillen trotz der daraus resultierenden Krankheiten und Vergiftungen durch Medikamente in der Nahrung nur zu gern akzeptieren.
Die Regulierungsgewalt liegt in den Händen von Politikern, die immer noch denken, es sei ihre Aufgabe, die Industrie zu schützen, in der Hoffnung, dass diese Jobs schafft und sie nicht en masse wieder abbaut. Eine Prioritätenliste des 20sten Jahrhunderts für Probleme des 21sten.
Wie soll das auch anders sein? Unsere gewählten Volksvertreter tummeln sich auf Technologiemessen, sind aber zumeist mit moderner Technologie, die nicht mit der idotensicheren Bedienung eines iPad daherkommen völlig überfordert. Angela Merkel sprach vom Internet als "Neuland", um ihre katastrophale Inkompetenz zu rechtfertigen. Und bei jedem neuen Amoklauf wird als erstes festgestellt, dass der Täter auf seinem Computer das inzwischen antiquierte Spiel "Counterstrike" hat. Ohne darüber nachzudenken, spricht die CSU dann von "Killerspielen", der wahren Ursache von solchen verbrecherischen Hilfeschreien. Dass es auch daran liegen kann, daß ich außer meinem Firmenrechner und meinem Rechner daheim kaum einen Computer kenne, auf dem Counterstrike nicht installiert ist, kann nicht der Grund sein. Übrigens ist es bei mir nur deswegen nicht installiert, weil ich andere "Killerspiele" bevorzuge. Aber wenn ich in der Art auf ein Problem schaue, komme ich als Politiker bald zu der Erkenntnis, dass das eigentliche Übel in der Welt Sauerstoff ist, denn jeder Kriminelle, den ich kenne, hatte den regelmäßig genutzt.
Das Ergebnis dieser Politik schafft verheerende Folgen und pervertiert auch unser Wirtschaftssystem. Banken, "too big to fail" können sich wie Rüpel auf dem Schulhof verhalten und wenn wir uns die Scherben ansehen, die ihre Horden von zugekoksten Egoisten hinterlassen, wird die Frage nach dem "wer soll das Bezahlen" kalt lächelnd mit dem Steuerzahler beantwortet. Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste. Und niemand tut etwas dagegen, dass immer mehr Konzerngiganten entstehen, die praktisch insovlenzresistent sind. Wenn ich den Widerstand der Briten gegen die Transaktionssteuer anschaue, wünsche ich mir eine V2 nach No. 10 Downing Street!
Unsere Gesellschaften klaffen immer weiter auseinander. Zwischen arm und reich, zwischen gebildet und ungebildet und zwischen solchen, die verstehen, was die NSA macht und solchen, die immer noch glauben, es sei egal, wenn sie ausspioniert würden, sie hätten ja nichts zu verbergen.
Doch abgesehen von der Differenz zwischen der Politik und der Technologie gibt es noch weitere Parallelen zwischen dem jungen letzten Jahrhundert und dem heutigen. 1917 betrat ein Staat die Weltbühne, der sich mit der Monroe-Doktrin Distanz von der Weltpolitik verordnet hat und der sich in seiner Machtausübung auf den eigenen Kontinent bzw. die eigene Hemisphäre beschränkt hat. Ich spreche von den USA. Einem Land geboren aus einer unausgegorenen Idee namens "Freiheit". Unausgegoren deswegen, weil bis heute niemand weiß, was es eigentlich ist. Für die einen ist es wirtschaftliche Unabhängigkeit, für andere, was Janis Joplin sagte:"Freedom is just another word for nothing left to loose" ("Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, nichts mehr zu verlieren zu haben"). Aber es war eine neue Hoffnung, die die internationale Politik bereicherte. Sie war notwendig, nachdem die Modelle Palmerstons, Disraelis und Bismarcks so katastrophal fehlschlugen. "Balance of power" und "Realpolitik" hatten ihre Entladung in Giftgasschlachten und Massengräbern gefunden. Aber noch war die Welt nicht bereit, für die naiven Ideen der Amerikaner, die Diplomatie unter ein Völkerrecht zu stellen. Die Idee, dass Staaten wie Privatpersonen haftbar gemacht werden könnten und daß sich Allianzen nicht mehr um nationale Interessen, sondern um die Aufrechterhaltung internationaler Gesetze bilden würden. Eine moralische Politik. Diese Gedanken wurden vorgetragen und verächtlich zurückgewiesen in Versailles. Erst nach dem 2. Weltkrieg, unter anderem mit Adenauer und deGaulle wurde es opportun zu glauben, dass diese Denkart die einzig fruchtbare sei, auch wenn die beiden sich sicherlich nicht als Verwirklicher des Amerikanischen Traums in der Außenpolitik gesehen haben.
2014 ist die vor 100 Jahren noch aufsteigende Supermacht im rapiden Fall begriffen und hat ihre eigenen Prinzipien spätestens seit Präsident George W. Bush aufgegeben. Und schon erhebt sich im Osten eine neue Supermacht. Ex oriente lux, doch da Licht, das im Osten scheint ist China. In einem Land der Markenpiraterie, der Sklavenarbeit und der Beschneidung der öffentlichen Meinung tue ich mich sehr schwer, ein Loblied auf die neue Ära zu singen, wie ich es zum Thema USA im Jahre 1917 getan habe. Im Westen erlebt "Raison d'etat" eine Renaissance (Was der Staat tut, ist automatisch richtig), im Osten vermischen sich die ekelhaftesten Elemente von Stalinismus und Marktwirtschaft zu einem neuen Lebensgefühl. Und für alle zwischendrin gibt es panem et circensis (Brot und Spiele) in Form von Verdummungsfernsehen.
Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Regierungen ihren gespaltenen Völkern nicht mehr vertrauen und deswegen ihre Macht schleichend der kaum bis gar nicht zu kontrollierenden EU abgeben, die dann im Geheimen mit der amerikanischen Wirtschaft über die Einführung einer Freihandelszone berät. Der verzweifelte Versuch, eine marode Weltmacht zu stützen, denn auch die USA sind für Europa "too big to fail" und sei es nur wegen der Sicherheitsgarantien im NATO-Vertrag. Die Kosten für diese Party der Großkonzerne fallen dann man wieder über die sogenannten "Investitionssicherungen" über Marionettenschiedsgerichte generiert und dem Steuerzahler dann serviert. Sowas würde ich ebenfalls geheim verhandeln, wenn ich könnte. Aber das ist eben nicht der demokratische Weg.
Der 1. Weltkrieg sorgte ebenfalls mit seiner Schwächung der euopäischen Mächte schleichend für die Abschaffung des Kolinalsismus. Auch wenn diese Entwicklung bis in die 60er andauerte, so wurde der Grundstein doch im Krieg und der Wertvernichtung, die daraus resultierte gelegt.
Hier finde ich keine Parallele zur heutigen Zeit, denn selbst im Niedergang breiten sich die USA immer weiter aus. Nicht in der Form, wie es die Kolonialmächte zu tun pflegten, indem sie Landstriche einfach annektierten und sie ausbeuteten, sondern in einer eigenen antikolonialen Art der USA, die sich überall einmischen, "nur" Demokratie verbreiten wollen, sich weigern die Verantwortung für eine Annexion zu übernehmen und stattdessen die Staaten in Chaos zurücklassen und am Ende die Interessen, amerikanischer Ölkonzerne vertreten. Aber genauso, wie die Kosten des 1. Weltkriegs die Europäer an der Fortführung ihres Kolonialismus gehindert haben, so werden die Kosten der Interventionspolitik die ohnehin wirtschaftlich stark angeschlagenen USA trotz der Hilfe der Europäer mittelfristig zum Rückzug zwingen - Zum Guten, wie zum Bösen. Und während das Machtvakuum, welches die Europäer nach dem 2. Weltkrieg hinterlassen haben von der UdSSR und den USA gefüllt wurde, wie man in Korea, Vietnam und dem Mittleren Osten sieht, stellt sich nun die Frage, ob China bereit ist, in die dann klaffende Lücke zu springen.
Es ist gut, auch mal zurückzuschauen. Es ist gut, die Lektionen zu lernen, die uns die Vergangenheit aufgibt und runde Jahrestage sind dafür immer ein guter Anlaß. Und wem das alles zu negativ ist, der kann sich auf den Sommer und die Fußball-WM freuen. Am Ende würden wir doch alle unsere Bürgerrechte gegen den 4. Stern auf dem DFB-Trikot eintauschen - und wenn das nicht reicht, legen wir noch die 3. Meisterschaft für den FC drauf und dann paßt das schon.
In diesem Sinne, Euch allen ein schönes, gesundes, erfolgreiches und glückliches Jahr 2014 und wenn einer mit dem Spruch ankommt:"Jeder Schuss ein Russ' jeder Stoß ein Franzos'" dann sagt einfach:"Nein Danke"
Ainoths Welt
Mittwoch, 1. Januar 2014
Dienstag, 29. Oktober 2013
Der Spion, der mich liebte
Die NSA-Spionage-Affaire nimmt kein Ende. Erschütterungen aller Orten. Obama sagt, er habe das Abhören verboten, als er davon erfahren hat, dass die Bundeskanzlerin Ziel der Überwachung war, nun soll das ganze Programm auf den Prüfstand. Schadensbegrenzung, so meine ich.
Wie ernst kann man die Besserungsversprechen aus Washington nehmen? Wer ist der wirkliche Schuldige? Ist das die Wende in der deutschen Haltung zur amerikanischen Spionagepolitik oder beruhigen sich die Wellen wieder, sobald die Top-Politiker sicher sind oder ist am Ende sogar die Empörung unserer Volksvertreter gespielt, wie es zahlreiche Kommentatoren in Deutschland, wie auch den USA meinen?
Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, was genau passiert ist - sofer das überhaupt bekannt wurde. Angela Merkels privates Handy wurde abgehört. Ein dienstliches Handy mit spezieller Verschlüsselung, über das auch Staatsgeheimnisse ausgetauscht werden können, sei nicht betroffen. Gleichwohl würden über dieses private Handy Telefonate mit den Parteiorganen geführt werden.
Interessant ist, daß in den Anfängen der Spitzelaffaire der Kanzleramtsminister und weitere hochrangige Vertreter der Union die Verstöße der USA heruntergespielt haben und kritiklos hinnahmen, daß die Abhöraktionen rein der Terrorabwehr galten. Viele Leser warfen Profalla und Konsorten vor, sie seien naiv. Später deckten Journalisten dann auf, daß es zahlreiche geheime und nicht so geheime Verträge und Absprachen gibt, die die Souveränität der Bundesrepublik auf dem Gebiet der Geheimdienste einschränkten. Das ist freilich etwas, das die Regierung sich selbst und noch weniger den Wählern gegenüber eingetehen möchte. Auch schwebt immer wieder im Raum, daß die freie Hand, die unsere Regierung ausländischen Nachrichtendiensten gelassen hat, Anschläge in Deutschland verhindert hätte und daß z.B. die Überführung der "Sauerland-Gruppe" ohne amerikanische Hilfe nicht gelungen wäre.
Es ist also davon auszugehen, daß die Regierung gar nicht wollte, daß die Zustände aufgeklärt wurden, denn sie wollte weiterhin Tips von den US-Behörden erhalten, deren Maßnahmen nach deutschem Recht vollkommen illegal wären.
Unbedarfte Beobachter fügen hier an, daß diese Maßnahmen nicht nur nach deutschem Recht illegal seien, sondern auch nach amerikanischem Recht. Dem ist jedoch meines Wissens nicht so. Die amerikanische Verfassung schützt amerikanische Bürger vor Durchsuchungen und Telefonabhörungen ohne Grund, aber die amerikanische Verfassung gilt weder im deutschen Staatsgebiet, noch für deutsche Bürger. Das Vorgehen der NSA mag also verdammenswürdig sein, verfassungswidrig ist es jedoch nicht!
Auch gegen Artikel 10 des Grundgesetzes verstößt die NSA nicht, denn der Artikel ist ein Abwehrrecht gegen Manßahmen des deutschen Staates. Ob sich hieraus ein Verwertungsverbot für die aus den Abhöraktionen der NSA für deutsche Strafverfolgungsbehörden ableiten läßt, ist Sache eines deutschen Gerichts.
All das sollte der deutschen Regierung bekannt sein und wenn unserer Regierung bekannt war, daß die NSA in Deutschland spioniert, dann finde ich es grob fahrlässig, um nicht zu sagen unendlich dumm, daß sich die Kanzlerin nicht besser dagegen schützt. Nun ist das mit den verschlüsselten Telefonanrufen nicht so einfach, wie man sich das aus diversen Spionagefilmen vorstellt. Es wird nicht einfach ein Knopf gedrückt und schon ist das Telefonat unknackbar verschlüsselt. Zum einen gibt es die unknackbare Verschlüsselung nicht. Das sollten wir spätestens seit "Enigma" im 2. Weltkrieg gelernt haben. Zum anderen reicht es nicht, daß ein Telefon verschlüsselt senden kann. Der Empfänger muß auch zur Entschlüsselung in der Lage sein. Telefoniert also die Kanzlerin mit dem Ortsverband Rhein-Ruhr der CDU, um Unterstützung für einen Gesetzesentwurf zu bekommen, dürfte es unmöglich sein, ein solches Gespräch verschlüsselt zu führen. Hier stellt sich die bislang unbeantwortete Frage: Welche Informationen haben die USA überhaupt vom Kanzlerhandy erhalten?
Einerseits kann man schließen, daß sie das Risiko nicht eingegangen wären, hätten sie keine wertvollen Informationen erhalten. Andererseits deutet die große Zahl der wahllos überwachten Anrufe darauf hin, daß die NSA in der Wahl der Informationen nicht wählerisch ist.
Vielfach wird die Diskussion aber schon weit vor diesen Fragen, die mich beschäftigen in der Presse abgewürgt. Dort interessiert viel mehr die Frage:"Gehen Freunde so miteinander um?"
In meinen Augen verdummt diese Frage die Diskussion. Nur weil Staatsoberhäupter vor laufenden Kameras Scherze miteinander machen, sich auf Vornamensbasis ansprechen und Kohl und Mitterrand Händchenhaltend vor der Presse zeigten, so sollten wir doch den Ausspruch Charles de Gaulles nicht vergessen:"Staaten haben keine Freunde, nur Interessen". Das ist natürlich ein realpolitischer Ansatz, von dem wir über 100 Jahre nach Otto von Bismarck nichts mehr hören möchten. Schon gar nicht, nachdem sich amerikanische Modelle der Außenpolitik durchgesetzt haben, nach denen Diplomatie eher von Moral, denn von politischen Vorteilen getragen werden sollte. Doch auch wenn diese Idee, beginnend bei Präsident Woodrow Wilson bis heute immer wieder aufgegriffen wird - sei es beim Nürnberger Kriegsverbrechertribumal, sei es bei der UN, sei es beim ICC in Den Haag, so sollten wir nicht vergessen, daß sie amerikaner, als Urheber dieser Philosophie sich gleichsam nie ihren Konsequenzen gestellt haben. Die Nürnberger Tribunale waren Siegerjustiz, bei der Richter speziell für einen Fall eingesetzt wurden- Etwas, das in der normalen Gerichtsbarkeit als Willkür bezeichnet wird, die UN hatte immer schon die Hintertür mit dem Veto des Weltsicherheitsrates, bei dem - oh Wunder - die USA eine von 5 Vetomächten stellt und daß die USA den unabhängigen ICC in Den Haag bis heute noch nicht anerkennen, ist ebenfalls bekannt.
Weiß die Regierung Merkel das alles nicht?
Ist die Regierung Merkel, die ausschließlich aus der Nachkriegsgeneration gebildet wurde der Meinung, es handele sich bei den USA um unsere Freunde und Gönner? Gute Argumente bilden die Luftbrücke nach Berlin, Die Stationierung amerikanischer Besatzungstruppen als Schutzmacht während des Kalten Krieges oder auch die prompte Unterstützung der deutschen Einheit durch Präsident Bush sen. Sind wir, die wir die Regierung kritisieren und die uns auf den realpolitischen Ansatz de Gaulles zurückziehen einfach undankbare Meckerer?
Ich denke nicht. Ich bin den USA für vieles dankbar. Nicht nur für die Hilfe während des Kalten Krieges, bei dem man vielfach argumentieren kann, daß sie im ureigensten Interesse der USA war. Berlin war eine Stadt, die mit ihrem 4-Mächtestatus zu einem Viertel den USA gehörte, wodruch die Berlin-Blockade auch vor dem Hintergrund der damaligen Doktrin gegen die kommunistische Ausbreitung ein amerikanisches Problem war. Gleiches gilt für den Aufmarsch in Deutschland, der im Falle eins wirklichen Krieges zwar dazu gehührt hätte, daß das deutsche Staatsgebiet unbewohnbar geworden wäre und kaum ein Deutscher überlebt hätte, aber das die Kampfhandlungen von den USA ferngehalten hätte.
Dennoch bin ich den USA dankbar dafür, daß sie neue Impulse in die europäische Außenpolitik gebracht haben, dafür, daß gefährliche Konstrukte, wie die "Balance of Power" in Frage gestellt wurden und daß erstmalig das Handeln des Staates in einen moralischen Kontext eingebunden wurde.
Meiner Einschätzung nach ist heute die europäische Außenpolitik amerikanisch geworden, während die USA zurückgefunden haben zu der Form der Diplomatie, die uns zwei Weltkriege beschert hat. Kein Wunder, schaut man sich die handelnden Personen an. Bereits Nixons Außenminister und National Security Advisor Henry Kissinger ist ein glühender Verfechter Bismarckscher Regeln.
Man mag es bedauern, dass die USA, grade unter Präsident George W. Bush eine radikale Abkehr von ihren alten Werten betrieben hat, aber da diese Tendenzen bereits seit den späten 60ern bekannt waren, sollten unsere Volksvertreter so langsam kapiert haben, wohin der Hase läuft.
Die Spionagevorwürfe gegen die NSA und die CIA sind auch nichts Neues, schon gar nicht ein Produkt der Enthüllungen des Piraten-Messias Ed Snowden. Bevor die Programme klangvolle Namen wie "Prism" erhalten haben, beschwerten sich schon große deutsche Unternehmen, wie zum Beispiel Siemens darüber, daß die USA massive Wirtschaftsspionage mit Hilfe ihres Überwachungsarrais "Echelon" in Großbritannien betrieben. In den USA wurden Pläne zum Patent eingereicht, bei denen sich die einreichenden Firmen noch nicht mal die Mühe gemacht haben, den Schriftzug "Siemens" von den Bauplänen zu streichen.
Wer ist verantwortlich für den Schutz der deutschen Bürger und der deutschen Wirtschaft? Nun, die Wirtschaft sollte sich zunächst selbst schützen. Ihre IT-Systeme sicherer machen, ihre Geheimhaltung verbessern. "The cost of doing business." Gleichwohl fällt diese Aufgabe aber auch dem Staat zu, der zum Beispiel die Bürger über die Gefahren aufklären sollte und nicht von den Brotkrumen, die vom Tisch der NSA fallen profitieren sollte.
Ich weiß nicht, ob die Entrüstung der Union angesichts der Abhöraktionen gegen die Kanzlerin echt ist oder ob es Augenwischerei ist, die am Ende dazu führen wird, daß man die Kooperation beibehält und lediglich die Spitzen der Regierung besser schützt.
Über folgendes habe ich jedoch keinerlei Zweifel: Die Abhöraktionen der NSA dienen nicht ausschließlich der Terrorabwehr. Sie dienen auch der Verbesserung der eigenen Verhandlungsposition und der Industriespionage. Gegen beides muß unsere Regierung sich selbst und die hiesigen Firmen und Privatpersonen schützen. Ansonsten ist sie mindestens wertlos und vielleicht sogar würde ein solches Verhalten das Widerstandrecht gem. Art. 20 IV auslösen.
Es ist gradezu ein Hohn, wenn der US-Abgeordnete Peter King fordert, die Deutschen sollten wegen der Abhöhraktion "dankbar" sein und darauf hinweist, daß die Anschlagspläne für den 11. September zum Teil in Hamburg geschmiedet wurden. Oder wenn US-Abgeordnete darauf verweisen, daß man in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ohne Abhörmaßnahmen nicht verhindern konnte, daß sich der Nationalsozialismus breit gemacht hätte.
Die schweren Stiefel der Nazis haben weit vor der "Machtergreifung" weltweit Krawall ausgelöst. Um deren Ziele zu erkennen, brauchte man keine Telefonabhörmaßnahmen, sondern es reichte ein Ausflug in ein Buchgeschäft, in dem Man "Mein Kampf" offen kaufen konnte. Aber dagegen etwas zu tun, hätte amerikanischen Wirtschaftsinteressen widersprochen und man hoffte, Deutschland zum Bwollwerk gegen die "Rote Flut" zu machen und war in weiten Teilen dankbar für die Nazis. Das änderte sich auch dann nicht nennenswert, als jüdische Flüchtlinge in die USA in solchen Zahlen strömten, daß viele zurückgewiesen wurden.
Es ist nicht weiter verwunderlich, daß Herr King und andere amerikanische Voksvertreter diese Fakten nicht kennen oder ignorieren. Schließlich liefern sich die Staaten Israel und USA ein Wettrennen, welches der nächste faschistische Staat auf der Welt werden wird. Nur gut, daß beide über Atomwaffen verfügen!
Vielleicht sollte deswegen die NSA statt uns Deutsche zu überwachen, die Lauscher auf den Kongress der USA richten - ach ja, das verbietet ihnen ja deren Verfassung!
Bleibt also nur noch die Frage, ob sich die USA mit ihrer Spionage einen Gefallen tun. Das wird sich in der Reaktion der betroffenen Staaten zeigen. Ist die Entrüstung in Berlin und Paris nur gespielt, haben die USA gewonnen. Sollte sich aber ein ernster Riß im transatlantischen Bündnis dadurch abzeichnen, so seien die USA gewarnt, daß sie ihre Erfolge immer nur im Konzert mit den europäischen Verbündeten errungen haben. Wie es aussieht, wenn sie sich allein in einen Konflikt stürzen, zeigen Korea und Vietnam genau und die Daten aus dem Irak regen auch nicht grade zu Optimismus an.
Ist die NSA, um einen James-Bond-Titel heranzuziehen "der Spion, der mich liebte" oder ist es eine Organisation, die unter dem Deckmäntelchen der der Terrorabwehr Vorteile für die USA auch auf dem Rücken der wichtigsten Verbündeten raffen? Die Zeit, sich diese Frage zu stellen ist vorbei.
Wie ernst kann man die Besserungsversprechen aus Washington nehmen? Wer ist der wirkliche Schuldige? Ist das die Wende in der deutschen Haltung zur amerikanischen Spionagepolitik oder beruhigen sich die Wellen wieder, sobald die Top-Politiker sicher sind oder ist am Ende sogar die Empörung unserer Volksvertreter gespielt, wie es zahlreiche Kommentatoren in Deutschland, wie auch den USA meinen?
Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, was genau passiert ist - sofer das überhaupt bekannt wurde. Angela Merkels privates Handy wurde abgehört. Ein dienstliches Handy mit spezieller Verschlüsselung, über das auch Staatsgeheimnisse ausgetauscht werden können, sei nicht betroffen. Gleichwohl würden über dieses private Handy Telefonate mit den Parteiorganen geführt werden.
Interessant ist, daß in den Anfängen der Spitzelaffaire der Kanzleramtsminister und weitere hochrangige Vertreter der Union die Verstöße der USA heruntergespielt haben und kritiklos hinnahmen, daß die Abhöraktionen rein der Terrorabwehr galten. Viele Leser warfen Profalla und Konsorten vor, sie seien naiv. Später deckten Journalisten dann auf, daß es zahlreiche geheime und nicht so geheime Verträge und Absprachen gibt, die die Souveränität der Bundesrepublik auf dem Gebiet der Geheimdienste einschränkten. Das ist freilich etwas, das die Regierung sich selbst und noch weniger den Wählern gegenüber eingetehen möchte. Auch schwebt immer wieder im Raum, daß die freie Hand, die unsere Regierung ausländischen Nachrichtendiensten gelassen hat, Anschläge in Deutschland verhindert hätte und daß z.B. die Überführung der "Sauerland-Gruppe" ohne amerikanische Hilfe nicht gelungen wäre.
Es ist also davon auszugehen, daß die Regierung gar nicht wollte, daß die Zustände aufgeklärt wurden, denn sie wollte weiterhin Tips von den US-Behörden erhalten, deren Maßnahmen nach deutschem Recht vollkommen illegal wären.
Unbedarfte Beobachter fügen hier an, daß diese Maßnahmen nicht nur nach deutschem Recht illegal seien, sondern auch nach amerikanischem Recht. Dem ist jedoch meines Wissens nicht so. Die amerikanische Verfassung schützt amerikanische Bürger vor Durchsuchungen und Telefonabhörungen ohne Grund, aber die amerikanische Verfassung gilt weder im deutschen Staatsgebiet, noch für deutsche Bürger. Das Vorgehen der NSA mag also verdammenswürdig sein, verfassungswidrig ist es jedoch nicht!
Auch gegen Artikel 10 des Grundgesetzes verstößt die NSA nicht, denn der Artikel ist ein Abwehrrecht gegen Manßahmen des deutschen Staates. Ob sich hieraus ein Verwertungsverbot für die aus den Abhöraktionen der NSA für deutsche Strafverfolgungsbehörden ableiten läßt, ist Sache eines deutschen Gerichts.
All das sollte der deutschen Regierung bekannt sein und wenn unserer Regierung bekannt war, daß die NSA in Deutschland spioniert, dann finde ich es grob fahrlässig, um nicht zu sagen unendlich dumm, daß sich die Kanzlerin nicht besser dagegen schützt. Nun ist das mit den verschlüsselten Telefonanrufen nicht so einfach, wie man sich das aus diversen Spionagefilmen vorstellt. Es wird nicht einfach ein Knopf gedrückt und schon ist das Telefonat unknackbar verschlüsselt. Zum einen gibt es die unknackbare Verschlüsselung nicht. Das sollten wir spätestens seit "Enigma" im 2. Weltkrieg gelernt haben. Zum anderen reicht es nicht, daß ein Telefon verschlüsselt senden kann. Der Empfänger muß auch zur Entschlüsselung in der Lage sein. Telefoniert also die Kanzlerin mit dem Ortsverband Rhein-Ruhr der CDU, um Unterstützung für einen Gesetzesentwurf zu bekommen, dürfte es unmöglich sein, ein solches Gespräch verschlüsselt zu führen. Hier stellt sich die bislang unbeantwortete Frage: Welche Informationen haben die USA überhaupt vom Kanzlerhandy erhalten?
Einerseits kann man schließen, daß sie das Risiko nicht eingegangen wären, hätten sie keine wertvollen Informationen erhalten. Andererseits deutet die große Zahl der wahllos überwachten Anrufe darauf hin, daß die NSA in der Wahl der Informationen nicht wählerisch ist.
Vielfach wird die Diskussion aber schon weit vor diesen Fragen, die mich beschäftigen in der Presse abgewürgt. Dort interessiert viel mehr die Frage:"Gehen Freunde so miteinander um?"
In meinen Augen verdummt diese Frage die Diskussion. Nur weil Staatsoberhäupter vor laufenden Kameras Scherze miteinander machen, sich auf Vornamensbasis ansprechen und Kohl und Mitterrand Händchenhaltend vor der Presse zeigten, so sollten wir doch den Ausspruch Charles de Gaulles nicht vergessen:"Staaten haben keine Freunde, nur Interessen". Das ist natürlich ein realpolitischer Ansatz, von dem wir über 100 Jahre nach Otto von Bismarck nichts mehr hören möchten. Schon gar nicht, nachdem sich amerikanische Modelle der Außenpolitik durchgesetzt haben, nach denen Diplomatie eher von Moral, denn von politischen Vorteilen getragen werden sollte. Doch auch wenn diese Idee, beginnend bei Präsident Woodrow Wilson bis heute immer wieder aufgegriffen wird - sei es beim Nürnberger Kriegsverbrechertribumal, sei es bei der UN, sei es beim ICC in Den Haag, so sollten wir nicht vergessen, daß sie amerikaner, als Urheber dieser Philosophie sich gleichsam nie ihren Konsequenzen gestellt haben. Die Nürnberger Tribunale waren Siegerjustiz, bei der Richter speziell für einen Fall eingesetzt wurden- Etwas, das in der normalen Gerichtsbarkeit als Willkür bezeichnet wird, die UN hatte immer schon die Hintertür mit dem Veto des Weltsicherheitsrates, bei dem - oh Wunder - die USA eine von 5 Vetomächten stellt und daß die USA den unabhängigen ICC in Den Haag bis heute noch nicht anerkennen, ist ebenfalls bekannt.
Weiß die Regierung Merkel das alles nicht?
Ist die Regierung Merkel, die ausschließlich aus der Nachkriegsgeneration gebildet wurde der Meinung, es handele sich bei den USA um unsere Freunde und Gönner? Gute Argumente bilden die Luftbrücke nach Berlin, Die Stationierung amerikanischer Besatzungstruppen als Schutzmacht während des Kalten Krieges oder auch die prompte Unterstützung der deutschen Einheit durch Präsident Bush sen. Sind wir, die wir die Regierung kritisieren und die uns auf den realpolitischen Ansatz de Gaulles zurückziehen einfach undankbare Meckerer?
Ich denke nicht. Ich bin den USA für vieles dankbar. Nicht nur für die Hilfe während des Kalten Krieges, bei dem man vielfach argumentieren kann, daß sie im ureigensten Interesse der USA war. Berlin war eine Stadt, die mit ihrem 4-Mächtestatus zu einem Viertel den USA gehörte, wodruch die Berlin-Blockade auch vor dem Hintergrund der damaligen Doktrin gegen die kommunistische Ausbreitung ein amerikanisches Problem war. Gleiches gilt für den Aufmarsch in Deutschland, der im Falle eins wirklichen Krieges zwar dazu gehührt hätte, daß das deutsche Staatsgebiet unbewohnbar geworden wäre und kaum ein Deutscher überlebt hätte, aber das die Kampfhandlungen von den USA ferngehalten hätte.
Dennoch bin ich den USA dankbar dafür, daß sie neue Impulse in die europäische Außenpolitik gebracht haben, dafür, daß gefährliche Konstrukte, wie die "Balance of Power" in Frage gestellt wurden und daß erstmalig das Handeln des Staates in einen moralischen Kontext eingebunden wurde.
Meiner Einschätzung nach ist heute die europäische Außenpolitik amerikanisch geworden, während die USA zurückgefunden haben zu der Form der Diplomatie, die uns zwei Weltkriege beschert hat. Kein Wunder, schaut man sich die handelnden Personen an. Bereits Nixons Außenminister und National Security Advisor Henry Kissinger ist ein glühender Verfechter Bismarckscher Regeln.
Man mag es bedauern, dass die USA, grade unter Präsident George W. Bush eine radikale Abkehr von ihren alten Werten betrieben hat, aber da diese Tendenzen bereits seit den späten 60ern bekannt waren, sollten unsere Volksvertreter so langsam kapiert haben, wohin der Hase läuft.
Die Spionagevorwürfe gegen die NSA und die CIA sind auch nichts Neues, schon gar nicht ein Produkt der Enthüllungen des Piraten-Messias Ed Snowden. Bevor die Programme klangvolle Namen wie "Prism" erhalten haben, beschwerten sich schon große deutsche Unternehmen, wie zum Beispiel Siemens darüber, daß die USA massive Wirtschaftsspionage mit Hilfe ihres Überwachungsarrais "Echelon" in Großbritannien betrieben. In den USA wurden Pläne zum Patent eingereicht, bei denen sich die einreichenden Firmen noch nicht mal die Mühe gemacht haben, den Schriftzug "Siemens" von den Bauplänen zu streichen.
Wer ist verantwortlich für den Schutz der deutschen Bürger und der deutschen Wirtschaft? Nun, die Wirtschaft sollte sich zunächst selbst schützen. Ihre IT-Systeme sicherer machen, ihre Geheimhaltung verbessern. "The cost of doing business." Gleichwohl fällt diese Aufgabe aber auch dem Staat zu, der zum Beispiel die Bürger über die Gefahren aufklären sollte und nicht von den Brotkrumen, die vom Tisch der NSA fallen profitieren sollte.
Ich weiß nicht, ob die Entrüstung der Union angesichts der Abhöraktionen gegen die Kanzlerin echt ist oder ob es Augenwischerei ist, die am Ende dazu führen wird, daß man die Kooperation beibehält und lediglich die Spitzen der Regierung besser schützt.
Über folgendes habe ich jedoch keinerlei Zweifel: Die Abhöraktionen der NSA dienen nicht ausschließlich der Terrorabwehr. Sie dienen auch der Verbesserung der eigenen Verhandlungsposition und der Industriespionage. Gegen beides muß unsere Regierung sich selbst und die hiesigen Firmen und Privatpersonen schützen. Ansonsten ist sie mindestens wertlos und vielleicht sogar würde ein solches Verhalten das Widerstandrecht gem. Art. 20 IV auslösen.
Es ist gradezu ein Hohn, wenn der US-Abgeordnete Peter King fordert, die Deutschen sollten wegen der Abhöhraktion "dankbar" sein und darauf hinweist, daß die Anschlagspläne für den 11. September zum Teil in Hamburg geschmiedet wurden. Oder wenn US-Abgeordnete darauf verweisen, daß man in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ohne Abhörmaßnahmen nicht verhindern konnte, daß sich der Nationalsozialismus breit gemacht hätte.
Die schweren Stiefel der Nazis haben weit vor der "Machtergreifung" weltweit Krawall ausgelöst. Um deren Ziele zu erkennen, brauchte man keine Telefonabhörmaßnahmen, sondern es reichte ein Ausflug in ein Buchgeschäft, in dem Man "Mein Kampf" offen kaufen konnte. Aber dagegen etwas zu tun, hätte amerikanischen Wirtschaftsinteressen widersprochen und man hoffte, Deutschland zum Bwollwerk gegen die "Rote Flut" zu machen und war in weiten Teilen dankbar für die Nazis. Das änderte sich auch dann nicht nennenswert, als jüdische Flüchtlinge in die USA in solchen Zahlen strömten, daß viele zurückgewiesen wurden.
Es ist nicht weiter verwunderlich, daß Herr King und andere amerikanische Voksvertreter diese Fakten nicht kennen oder ignorieren. Schließlich liefern sich die Staaten Israel und USA ein Wettrennen, welches der nächste faschistische Staat auf der Welt werden wird. Nur gut, daß beide über Atomwaffen verfügen!
Vielleicht sollte deswegen die NSA statt uns Deutsche zu überwachen, die Lauscher auf den Kongress der USA richten - ach ja, das verbietet ihnen ja deren Verfassung!
Bleibt also nur noch die Frage, ob sich die USA mit ihrer Spionage einen Gefallen tun. Das wird sich in der Reaktion der betroffenen Staaten zeigen. Ist die Entrüstung in Berlin und Paris nur gespielt, haben die USA gewonnen. Sollte sich aber ein ernster Riß im transatlantischen Bündnis dadurch abzeichnen, so seien die USA gewarnt, daß sie ihre Erfolge immer nur im Konzert mit den europäischen Verbündeten errungen haben. Wie es aussieht, wenn sie sich allein in einen Konflikt stürzen, zeigen Korea und Vietnam genau und die Daten aus dem Irak regen auch nicht grade zu Optimismus an.
Ist die NSA, um einen James-Bond-Titel heranzuziehen "der Spion, der mich liebte" oder ist es eine Organisation, die unter dem Deckmäntelchen der der Terrorabwehr Vorteile für die USA auch auf dem Rücken der wichtigsten Verbündeten raffen? Die Zeit, sich diese Frage zu stellen ist vorbei.
Dienstag, 22. Oktober 2013
Lieber Weihnachtsmann....
21:00 Uhr abends, das Thermometer zeigt immer noch milde 18 Grad an und ich stehe im örtlichen Supermarkt. So manch einer regt sich darüber auf. dass Ende August bereits die Weihnachtsartikel und Ende Januar die Osterhasen von den Regalen locken. Ich nicht! Ich freue mich darüber quasi ganzfährig die unübertroffenen Leckereien der Firma Lindt genießen zu können, die mich immer fetter machen!
Frühlingsmandeln in weißer Schokolade im Winter, Weinachtsmandeln mit feiner Koriandernote in weißer oder brauner Schokolade, mit oder ohne Capuccinogeschmack! Das Weihnachtsmarzipan glasiert mit weißer Schokolade, verziert mit braunen Schokoladenmuster - herrlich! Okay, am Strand würde ich das nicht knabbern wollen, aber hey, bei regnerischem Wetter hier in Köln? Warum nicht!
Doch eins geht mir gewaltig auf den Sack! Zwischen Dominosteinen (mag ich nicht), Spekulatius (finde ich langweilig), Aachener Printen (in Maßen bitte) und schokoladenüberzogenen Lebkuchen (ich mag die glasierten lieber) fehlt mir in allen Supermärkten mein Lieblingsgebäck! Wo zur Hölle, lieber Weihnachtsmann sind die verdammten ZIMTSTERNE?
Alles wurde bereits ausgeliefert, nur die Zimtsterne nicht! Lieber Weihnachtsman - hilfsweise auch Olaf: Was ist hier los? Hat irgendwer rausgefunden, daß die Dinger krebserregende Stoffe enthalten? Verwenden die Zimtsternbäckereien Monsanto-Killer-Haselnüsse? Oder - und das ist meine Haupttheorie - hat man herausgefunden, daß Zimtsterne abhängig machen und Zimtsternproduzenten werden nun mit Class-Action-Suits überzogen, während "Big Zimtstern" (oder heißen die "Big Red") mit Mafia-Methoden zurückschlagen?
Ist der Weihnachtsmann, der sich seit Urzeiten von Coca-Cola sponsoren läßt ein Mitangeklagter oder nur Zeuge? Was wußte er von der Verschwörung?
Ehrlich gesagt sind mir alte Männer, die darauf bestehen, daß sich kleine Kinder auf ihren Schoß setzen immer suspekt gewesen. Wenn die auch noch von einem internationalen Megakonzern ausgestattet und unterstützt werden, wird meine Skepsis nur noch größer.
Vermutlich ist das der Grund, warum ich keine Weihnachtsgeschenke mehr bekomme...
Na gut, lieber Weihnachtsmann, ich gebe auf! Nur bitte schaff die Zimtsterne wieder ins Regal!
Frühlingsmandeln in weißer Schokolade im Winter, Weinachtsmandeln mit feiner Koriandernote in weißer oder brauner Schokolade, mit oder ohne Capuccinogeschmack! Das Weihnachtsmarzipan glasiert mit weißer Schokolade, verziert mit braunen Schokoladenmuster - herrlich! Okay, am Strand würde ich das nicht knabbern wollen, aber hey, bei regnerischem Wetter hier in Köln? Warum nicht!
Doch eins geht mir gewaltig auf den Sack! Zwischen Dominosteinen (mag ich nicht), Spekulatius (finde ich langweilig), Aachener Printen (in Maßen bitte) und schokoladenüberzogenen Lebkuchen (ich mag die glasierten lieber) fehlt mir in allen Supermärkten mein Lieblingsgebäck! Wo zur Hölle, lieber Weihnachtsmann sind die verdammten ZIMTSTERNE?
Alles wurde bereits ausgeliefert, nur die Zimtsterne nicht! Lieber Weihnachtsman - hilfsweise auch Olaf: Was ist hier los? Hat irgendwer rausgefunden, daß die Dinger krebserregende Stoffe enthalten? Verwenden die Zimtsternbäckereien Monsanto-Killer-Haselnüsse? Oder - und das ist meine Haupttheorie - hat man herausgefunden, daß Zimtsterne abhängig machen und Zimtsternproduzenten werden nun mit Class-Action-Suits überzogen, während "Big Zimtstern" (oder heißen die "Big Red") mit Mafia-Methoden zurückschlagen?
Ist der Weihnachtsmann, der sich seit Urzeiten von Coca-Cola sponsoren läßt ein Mitangeklagter oder nur Zeuge? Was wußte er von der Verschwörung?
Ehrlich gesagt sind mir alte Männer, die darauf bestehen, daß sich kleine Kinder auf ihren Schoß setzen immer suspekt gewesen. Wenn die auch noch von einem internationalen Megakonzern ausgestattet und unterstützt werden, wird meine Skepsis nur noch größer.
Vermutlich ist das der Grund, warum ich keine Weihnachtsgeschenke mehr bekomme...
Na gut, lieber Weihnachtsmann, ich gebe auf! Nur bitte schaff die Zimtsterne wieder ins Regal!
Samstag, 19. Oktober 2013
Hör mal, wer da kritisiert...
Man kann viel Kritik an der UN anbringen und bleibt immer noch auf dem Boden des Mainstreams. Es herrscht zum Beispiel Einigkeit darüber, daß die Zusammensetzung der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats eine Weltordnuns widerspiegelt, die es längst nicht mehr gibt.
Man kann das Veto-System kritisieren, welches zu Jahrzehntelangem Stillstand geführt hat, kritisieren.
Man kann kritisieren, daß die Vereinten Nationen so gut wie keine Krise wirklich gelöst bekommen haben, was auch wiederum mit der ideologischen Trennlinien im Weltsicherheitsrat zu tun hat, aber auch mit der drastischen Unter- bis Mißrepräsentation ehemaliger Entwicklungsländer wie z.B. Indien und Brasilien. Während die EU zwei von fünf Veto-Mächten stellt, darunter übrigens nicht die stärkste Volkswirtschaft, Deutschland, sind weder Südamerika, noch Afrika, noch Australien überhaupt vertreten. Selbst das riesige Asien stellt nur China als Vetomacht - wenn man Rußland nicht als asiatischen Staat ansieht.
Die Machtlösigkeit der UN zeigte sich jüngst wieder in Libyen, Ägypten und auch Syrien.
Als Folge dessen kam es am Freitag zu einem ungewöhnlichen Schritt, etwas nie dagewesenem. Saudi Arabien wurde als nicht-ständiges Mitglied in den Sicherheitsrat gewählt und weigert sich, den Sitz einzunehmen. Das hat es bisher nicht gegeben. Ist es ein Fanal zum Ende der UN? Ist es ein berechtigter Protest? Ist es ein kluger Protest?
Ungewöhnlich war es nicht, daß grade Saudi Arabien den Sitz ablehnte. Auch wenn die Saudis in der letzten Zeit wieder aktiver auf der Weltbühne agiert haben und angeblich auch ihre UN-Diplomaten für höhere Aufgaben schulen ließen, so hat die jüngste Machtlosigkeit der UN grade tief in den Wirkungsbereich der Saudis eingeschnitten.
Die Saudis, die Mekka und Medina in ihrem Staatsgebiet beherbergen, sehen sich nach wie vor als Hüter des wahren Islam. Als ihren Hauptgegner machen sie dabei den schiitischen Iran aus. Die Rivalität beider Staaten hat lange Tradition. In der letzten Zeit bemühen sich die Saudis um eine Allianz der sunnitischen Golfstaaten, um den Einfluß des Iran in seine Schranken zu verweisen.
Dabei gilt es, den Druck auf den Iran wegen seines Atomprogramms aufrecht zu erhalten, den Einfluß der Schiiten im Irak klein zu halten und Syrien als Einflußzentrale der Schiiten im Nahen Osten zu bremsen.
Die Saudis sind langjährige Gegner des Assad-Regimes und zeigen sich, zu Recht, verwundert über die lauwarme Haltung des Westens gegen dessen Regime. In Verbindung mit der ungewöhnlichen Zurückhaltung in Ägypeten und Libyen stellen sie das Engagement des Westens und damit der UN zur freien Selbstbestimmung der Völker in Frage.
Wenn wir mal ehrlich sind, hat es dieses ständig zu Propagandazwecken hervorgekramte Recht niemals gegeben. Als Wilson es in seinen 14 Punkten formulierte, hielt es niemanden davon ab, die Vereinigung von Deutschland und einem nicht mehr überlebensfähigen Österreich nach dem ersten Weltkrieg zu verbieten. Volksabstimmungen in annektierten Gebieten gab es nicht. In Korea kümmerte sich niemand darum, was die Koreaner wollten, ebensowenig, wie in Vietnam. Es ging um die Machtverteilung entlang der ideologischen Grenzen der Blöcke.
Und heute überlegt sich der Westen - meiner Ansicht nach nachvollziehbar - ob er eine ägyptische Revolution unterstützen und bewaffnen soll, die am Ende nach dem Tod des Westens schreit.
Aber das sind meine Ansichten und ich bin kein Saudi. Für die zeigt sich eine Doppelmoral des Westens und seiner Erfindung, der UN deutlich. Ist es im nationalen Interesse der Mächte, wird gehandelt, wenn nicht, dann eben nicht. An dieser Doppelmoral will das saudische Königshaus nicht teilhaben. Brav.
Aber exakt an dem Punkt muß ich dann doch mal einhaken. Die Saudis als Vollstrecker der freien Selbstbestimmung der Völker? Lachhaft! Nur wenige Staaten sind so repressiv, wie die Saudis im Umgang mit ihrem eigenen Volk. Würde sich das Regime nicht auf deutsche und amerikanische Waffenlieferungen stützen können, wäre es längst Geschichte. Wo also liegt hier die Doppelmoral?
Doch aus der Sicht der Saudis ist die Kritik natürlich gerechtfertigt. Es kann wohl auch niemand verlangen, dass sie von sich selbst behaupten, ihr Volk zu unterdrücken! Also kehrt man lieber vor anderleuts Haustür und das ist eine der wenigen Dinge, die westliche Staaten und die Saudis gemeinsam haben. Die UN ist da ein prima Ziel. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sie es nicht geschafft, den israelisch-arabischen Konflikt in Palästina zu beenden oder auch nur zu moderieren. In Syrien schickt sie die Botschaft: protestierende Bürger zu erschießen ist in Ordnung, aber wehe, ihr setzt Giftgas ein!
Die Befürchtung der Saudis dürfte sein, daß die Zurückhaltung des Westens in Syrien im Iran als Schwäche angesehen wird, welche dieser zu größeren Zugeständnissen wegen seines Atomprogramms nutzen könnte. Ein atomar bewaffneter Iran ist für dei Saudis genauso eine Horrovorstellung, wie für den Westen und Israel.
Sie mußten also etwas drastisches tun. Was wäre also besser gewesen, als einen historischen Schritt zu vollziehen, den noch keiner vor ihnen getan hat? Auf diese Art und Weise werden die westlichen Medien hellhörig und berichten über die Sorgen der Saudis, die sonst wohl in unseren Breiten ungehört geblieben wären. Mission accomplished. Aber war das klug?
Nunja, hellhörig sind wir geworden. Das zeigt auch der sehr gute Artikel auf cnn.com
http://edition.cnn.com/2013/10/19/opinion/saudi-arabia-security-council-phillips/index.html?hpt=hp_c1
Aber wird es nicht gleichzeitig den Scheinwerfer auf die Doppelmoral der Saudis, von der ich sprach scheinen? Wird es nicht weiterhin das Vorurteil des Westens schüren, islamische Staaten wären prima im Zerstören, aber lausig im Aufbauen?
Hätte man die Öffentlichkeit nicht im Rahmen des Sitzes im Weltsicherheitsrat auf die Mißstaände besser aufmerksam machen können und hätte das nicht den Eindruck erweckt, wenigsten die Saudis übernähmen Verantwortung?
Nun, sie haben sich anders entschieden. Mal schauen, wie sie damit klarkommen, wenn jetzt das UN-Establishment zurückschießt und ihnen die Reife zur Mitarbeit abspricht, denn das kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Man kann das Veto-System kritisieren, welches zu Jahrzehntelangem Stillstand geführt hat, kritisieren.
Man kann kritisieren, daß die Vereinten Nationen so gut wie keine Krise wirklich gelöst bekommen haben, was auch wiederum mit der ideologischen Trennlinien im Weltsicherheitsrat zu tun hat, aber auch mit der drastischen Unter- bis Mißrepräsentation ehemaliger Entwicklungsländer wie z.B. Indien und Brasilien. Während die EU zwei von fünf Veto-Mächten stellt, darunter übrigens nicht die stärkste Volkswirtschaft, Deutschland, sind weder Südamerika, noch Afrika, noch Australien überhaupt vertreten. Selbst das riesige Asien stellt nur China als Vetomacht - wenn man Rußland nicht als asiatischen Staat ansieht.
Die Machtlösigkeit der UN zeigte sich jüngst wieder in Libyen, Ägypten und auch Syrien.
Als Folge dessen kam es am Freitag zu einem ungewöhnlichen Schritt, etwas nie dagewesenem. Saudi Arabien wurde als nicht-ständiges Mitglied in den Sicherheitsrat gewählt und weigert sich, den Sitz einzunehmen. Das hat es bisher nicht gegeben. Ist es ein Fanal zum Ende der UN? Ist es ein berechtigter Protest? Ist es ein kluger Protest?
Ungewöhnlich war es nicht, daß grade Saudi Arabien den Sitz ablehnte. Auch wenn die Saudis in der letzten Zeit wieder aktiver auf der Weltbühne agiert haben und angeblich auch ihre UN-Diplomaten für höhere Aufgaben schulen ließen, so hat die jüngste Machtlosigkeit der UN grade tief in den Wirkungsbereich der Saudis eingeschnitten.
Die Saudis, die Mekka und Medina in ihrem Staatsgebiet beherbergen, sehen sich nach wie vor als Hüter des wahren Islam. Als ihren Hauptgegner machen sie dabei den schiitischen Iran aus. Die Rivalität beider Staaten hat lange Tradition. In der letzten Zeit bemühen sich die Saudis um eine Allianz der sunnitischen Golfstaaten, um den Einfluß des Iran in seine Schranken zu verweisen.
Dabei gilt es, den Druck auf den Iran wegen seines Atomprogramms aufrecht zu erhalten, den Einfluß der Schiiten im Irak klein zu halten und Syrien als Einflußzentrale der Schiiten im Nahen Osten zu bremsen.
Die Saudis sind langjährige Gegner des Assad-Regimes und zeigen sich, zu Recht, verwundert über die lauwarme Haltung des Westens gegen dessen Regime. In Verbindung mit der ungewöhnlichen Zurückhaltung in Ägypeten und Libyen stellen sie das Engagement des Westens und damit der UN zur freien Selbstbestimmung der Völker in Frage.
Wenn wir mal ehrlich sind, hat es dieses ständig zu Propagandazwecken hervorgekramte Recht niemals gegeben. Als Wilson es in seinen 14 Punkten formulierte, hielt es niemanden davon ab, die Vereinigung von Deutschland und einem nicht mehr überlebensfähigen Österreich nach dem ersten Weltkrieg zu verbieten. Volksabstimmungen in annektierten Gebieten gab es nicht. In Korea kümmerte sich niemand darum, was die Koreaner wollten, ebensowenig, wie in Vietnam. Es ging um die Machtverteilung entlang der ideologischen Grenzen der Blöcke.
Und heute überlegt sich der Westen - meiner Ansicht nach nachvollziehbar - ob er eine ägyptische Revolution unterstützen und bewaffnen soll, die am Ende nach dem Tod des Westens schreit.
Aber das sind meine Ansichten und ich bin kein Saudi. Für die zeigt sich eine Doppelmoral des Westens und seiner Erfindung, der UN deutlich. Ist es im nationalen Interesse der Mächte, wird gehandelt, wenn nicht, dann eben nicht. An dieser Doppelmoral will das saudische Königshaus nicht teilhaben. Brav.
Aber exakt an dem Punkt muß ich dann doch mal einhaken. Die Saudis als Vollstrecker der freien Selbstbestimmung der Völker? Lachhaft! Nur wenige Staaten sind so repressiv, wie die Saudis im Umgang mit ihrem eigenen Volk. Würde sich das Regime nicht auf deutsche und amerikanische Waffenlieferungen stützen können, wäre es längst Geschichte. Wo also liegt hier die Doppelmoral?
Doch aus der Sicht der Saudis ist die Kritik natürlich gerechtfertigt. Es kann wohl auch niemand verlangen, dass sie von sich selbst behaupten, ihr Volk zu unterdrücken! Also kehrt man lieber vor anderleuts Haustür und das ist eine der wenigen Dinge, die westliche Staaten und die Saudis gemeinsam haben. Die UN ist da ein prima Ziel. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sie es nicht geschafft, den israelisch-arabischen Konflikt in Palästina zu beenden oder auch nur zu moderieren. In Syrien schickt sie die Botschaft: protestierende Bürger zu erschießen ist in Ordnung, aber wehe, ihr setzt Giftgas ein!
Die Befürchtung der Saudis dürfte sein, daß die Zurückhaltung des Westens in Syrien im Iran als Schwäche angesehen wird, welche dieser zu größeren Zugeständnissen wegen seines Atomprogramms nutzen könnte. Ein atomar bewaffneter Iran ist für dei Saudis genauso eine Horrovorstellung, wie für den Westen und Israel.
Sie mußten also etwas drastisches tun. Was wäre also besser gewesen, als einen historischen Schritt zu vollziehen, den noch keiner vor ihnen getan hat? Auf diese Art und Weise werden die westlichen Medien hellhörig und berichten über die Sorgen der Saudis, die sonst wohl in unseren Breiten ungehört geblieben wären. Mission accomplished. Aber war das klug?
Nunja, hellhörig sind wir geworden. Das zeigt auch der sehr gute Artikel auf cnn.com
http://edition.cnn.com/2013/10/19/opinion/saudi-arabia-security-council-phillips/index.html?hpt=hp_c1
Aber wird es nicht gleichzeitig den Scheinwerfer auf die Doppelmoral der Saudis, von der ich sprach scheinen? Wird es nicht weiterhin das Vorurteil des Westens schüren, islamische Staaten wären prima im Zerstören, aber lausig im Aufbauen?
Hätte man die Öffentlichkeit nicht im Rahmen des Sitzes im Weltsicherheitsrat auf die Mißstaände besser aufmerksam machen können und hätte das nicht den Eindruck erweckt, wenigsten die Saudis übernähmen Verantwortung?
Nun, sie haben sich anders entschieden. Mal schauen, wie sie damit klarkommen, wenn jetzt das UN-Establishment zurückschießt und ihnen die Reife zur Mitarbeit abspricht, denn das kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Donnerstag, 17. Oktober 2013
Idole
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." Dieses Bonmot stammt wohl von Albert Einstein und immer öfter erkenne ich in mir die gleiche Geisteshaltung.
Vielleicht sollten wir uns weniger fragen, ob der Mensch von grundauf gut oder böse ist und uns vielmehr die Frage stellen, wie dumm die Mehrheit der Menschen wirklich ist. Denn ein weiteres Sprichwort sagt:"Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht." Wie oft schon haben dumme Mitläufer die Gräueltaten von Verbrechern erst wirklich möglich gemacht?
"Richtig!" wird jetzt so manch einer rufen und in ein unendliches Wehklagen über die Verdummung anstimmen, die das Fernsehen grade in den letzten Jahren durchgeführt hat.
Doch die Dummheit der Massen ist viel älter als "Barbara Salesch", "Deutschland sucht den Superstar", "Germanys next Topmodel" oder die Asitalkshows am Mittag. Versteht mich nicht falsch: dass das Fernsehen seinen Bildungsauftrag mit Panem et Circensis bezahlt, macht die Sache nicht besser, aber so manch einer, der sich heute als gebildet geriert und die Nase darüber rümpft, ist selbst ein Vollpfosten bohlenschen Ausmaßes.
Die Tatsache, daß diese Menschen Wahlrecht haben, läßt in mir die gleichen Gefühle aufkommen, wie beim persischen Geheimdienst anläßlich des Schah Besuchs in Deutschland. Einfach mal mit einer langen Holzlatte dreinschlagen.
Ich frage mich allen Ernstes, woher manche Leute ihre Idole haben. Niemand würde auf die Idee kommen, mit einem Hitler-T-Shirt rumzulaufen (Er würde sich auch strafbar machen), selbst das Konterfei Stalins ziert keine Mode mehr. Aber trotzdem laufen Leute mit dem Abbild Che Guevaras herum oder winken mit dem kleinen roten Büchlein, der Mao-Bibel.

Leute, die heute über Drohnenangriffe auf Al-Qaeda-Terroristen jammern, verehren John F. Kennedy. Die Wenigsten der Leute, die sich derartigen Moden unterwerfen, haben eine Ahnung, was sie da genau unterstützen, sie folgen einem Trend.
Wen interessiert schon, daß Mao erheblich mehr Menschen auf dem Gewissen hat, als Hitler und Stalin zusammen? Wen interessiert es, daß das menschenverachtende Rüstungsprogramm Maos dazu führte, daß 1960 die Chinesen nach offiziellen staatlichen Angaben mit 1534,8 Kalorien am Tag, glaubt man anderen Schätzungen chinesischer Offizieller waren es sogar maximal 1200 Kalorien. In Auschwitz haben die Sklavenarbeiter zum Vergleich 1.300-1.700 Kalorien zur Verfügung gehabt. Wozu das führte, weiß jedes Schulkind. Für ca. 70 Millionen Tode in Friedenszeiten soll Mao verantwortlich sein. Dabei sind die Opfer seiner "Menschenwellen"-Strategie z.B. im Koreakrieg noch nicht berücksichtigt. "Menschen haben wir mehr als genug" pflegte er zu sagen.
Dabei war er kein Kommunist, wie man ihn sich vorstellt. Arbeiter und Bauern waren ihm egal und nur ein Mittel zur Machtgewinnung. Verschleißmaterial.
Nun muß man den meisten Leute, die ihre Mao-Bibeln in Kameras halten zugute halten, daß sie sie nicht gelesen haben. Die Provokation des Buches reicht aus.
Hier ein kleiner Tip: Eine Bedienungsanleitung zum Benutzen von Büchern: Man wirft sie nicht ins Feuer, liebe Neonazis, auch wenn das noch so schöne Flammen macht und es reicht, liebe Kommunisten, nicht aus, den Titel in eine Kamera zu halten. Man muß es vorsichtig aufklappen und dann die Buchstaben einzeln entziffern, so daß sie Worte, ganze Sätze und am Ende vollständige Gedanken widerspiegeln!
Na gut, verzichten wir also auf die Mao-Bibel, aber das schicke T-Shirt mit Che Guevara kann ich doch tragen? Ein guter Kommunist, der sich von Castro losgesagt hat und der einfach Berufsrevolutionär war und für die kleinen Leute gestritten hat.
"Berufsrevolutionär" ist eine feine Umschreibung für einen Menschen, der nicht mehr zurecht kommt, wenn es darum geht, etwas aufzubauen, sondern er besser darin ist, Köpfe rollen zu lassen.
Im konkreten Fall haben wir es mit einem Sadisten zu tun, der gern folterte und es sich nicht nehmen ließ, Exekutionen selbst durchzuführen. Das hat er Hitler voraus, der war zu feige, seine eigenen Konzentrationslager zu besuchen. Che lebte in ihnen.
Wer möchte sowas nicht auf seinem T-Shirt haben als echter Menschenfreund!
Bleibt also noch der gute amerikanische Präsident John F. Kenndy. Aber da kann man doch nichts sagen! Der hat uns durch die Kubakrise geführt und uns allen Hoffnung gegeben!
Die Frage, ob, wie Seymore Hersh und andere behaupten, die Mafia seine Wahl ermöglicht hat, können wir getrost außen vor lassen. Sicher ist, daß moderne Regeln der Demokratie nicht wirklich was mit seinem Wahlsieg in einigen Schlüsselregionen zu tun hatten. Schwamm drüber, das war bei früheren US-Präsidenten auch nicht anders.
Unbestritten ist, daß er ein Junkie war, der alles genagelt hat, was nicht bei drei auf den Bäumen war und in etwa so viel von Frauen hielt. Im Gegensatz zu seinem als konservativ geltenden Bruder Robert, hat er sich nie mit Martin Luther King getroffen, verachtete insgeheim sogar die Schwarzen. Seine einzige Gesetzesinitiative war ein Housing Project. Seine Krankenakten, die Ende der 90er ihren Geheimschutz verloren zeichnen ein horrendes Bild vom Musterpräsidenten. Die meiste Zeit war er so unter Schmerzmitteln, die er sich von verschiedenen Ärzten unabhängig voneinander beschafft hatte, nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn zu regieren.
Seinem Tagebuch zufolge haßte der junge "Berliner" Kennedy Deutschland und die Deutschen.
Die Kubakrise könnte man durchaus auch auf die vielen von Kennedy angeordneten Mordversuche der CIA an Castro oder die katastrophale Invasion in der Schweinebucht zurückführen. Aber wer wird schon einen großen Mann mit solchen Kleinigkeiten belasten?
Dumm ist dabei nur, daß auch hier Robert Kennedy die Kastanien aus dem Feuer holte und in letzter Minute eine Einigung mit den Russen erzielt hat, als der Präsident schon aufgeben wollte.
Ich könnte noch eine Menge unschmeichelhaftes über den Vorzeigepräsidenten schreiben und trotzdem haben wir, wie so viele deutsche Städte ein "Kennedy-Ufer" in Köln. Ich habe nicht genug Speichel, um meiner Verachtung dafür ausreichend Ausdruck zu verleihen!
Bleibt also die Frage: Muß man Massenmöder sein, damit man ein Idol der Massen wird? Oder wie schaffen es solche Bestien in Menschengestalt immer noch von Schwachköpfen vergöttert zu werden. Ist das Maß des Menschen wirklich seine Tauglichkeit auf T-Shirts und Postern?
"Der Führer war ne schöne Mann!" hört man heute noch so manche greise Frau flüstern. Ist mir egal, er war ein Arschloch, ein Massenmörder und jemand, der die Welt in Brand gesteckt hat. Was ist denn bitte wichtiger? Für mich letzteres, aber an der Wahlurne entscheiden die Leute, die glauben, der "Führer war ne schöne Mann." Heute richtet sich ihr Augenmerk nicht mehr auf den "Böhmischen Gefreiten", wie ihn Hindenburg abschätzig zu nennen pflegte, sondern auf seine geistigen Brüder, deren Verehrung hierzulande nicht unter Strafe steht. Und mit solchen Leuten soll ich gemeinsam zur Wahlurne schreiten? "Democracy Shtonk" sagt der unsterbliche Charlie Chaplin, der meines Wissens niemanden auf dem Gewissen hat, im "Großen Diktator", um Hitler lächerlich zu machen. Ich nehme das wörtlich und fordere: gebt mir den Kaiser zurück - oder besser noch: gebt mir den Job, denn die Demokratie hat mit solchem Wahlvolk versagt!
Vielleicht sollten wir uns weniger fragen, ob der Mensch von grundauf gut oder böse ist und uns vielmehr die Frage stellen, wie dumm die Mehrheit der Menschen wirklich ist. Denn ein weiteres Sprichwort sagt:"Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht." Wie oft schon haben dumme Mitläufer die Gräueltaten von Verbrechern erst wirklich möglich gemacht?
"Richtig!" wird jetzt so manch einer rufen und in ein unendliches Wehklagen über die Verdummung anstimmen, die das Fernsehen grade in den letzten Jahren durchgeführt hat.
Doch die Dummheit der Massen ist viel älter als "Barbara Salesch", "Deutschland sucht den Superstar", "Germanys next Topmodel" oder die Asitalkshows am Mittag. Versteht mich nicht falsch: dass das Fernsehen seinen Bildungsauftrag mit Panem et Circensis bezahlt, macht die Sache nicht besser, aber so manch einer, der sich heute als gebildet geriert und die Nase darüber rümpft, ist selbst ein Vollpfosten bohlenschen Ausmaßes.
Die Tatsache, daß diese Menschen Wahlrecht haben, läßt in mir die gleichen Gefühle aufkommen, wie beim persischen Geheimdienst anläßlich des Schah Besuchs in Deutschland. Einfach mal mit einer langen Holzlatte dreinschlagen.
Ich frage mich allen Ernstes, woher manche Leute ihre Idole haben. Niemand würde auf die Idee kommen, mit einem Hitler-T-Shirt rumzulaufen (Er würde sich auch strafbar machen), selbst das Konterfei Stalins ziert keine Mode mehr. Aber trotzdem laufen Leute mit dem Abbild Che Guevaras herum oder winken mit dem kleinen roten Büchlein, der Mao-Bibel.

Leute, die heute über Drohnenangriffe auf Al-Qaeda-Terroristen jammern, verehren John F. Kennedy. Die Wenigsten der Leute, die sich derartigen Moden unterwerfen, haben eine Ahnung, was sie da genau unterstützen, sie folgen einem Trend.
Wen interessiert schon, daß Mao erheblich mehr Menschen auf dem Gewissen hat, als Hitler und Stalin zusammen? Wen interessiert es, daß das menschenverachtende Rüstungsprogramm Maos dazu führte, daß 1960 die Chinesen nach offiziellen staatlichen Angaben mit 1534,8 Kalorien am Tag, glaubt man anderen Schätzungen chinesischer Offizieller waren es sogar maximal 1200 Kalorien. In Auschwitz haben die Sklavenarbeiter zum Vergleich 1.300-1.700 Kalorien zur Verfügung gehabt. Wozu das führte, weiß jedes Schulkind. Für ca. 70 Millionen Tode in Friedenszeiten soll Mao verantwortlich sein. Dabei sind die Opfer seiner "Menschenwellen"-Strategie z.B. im Koreakrieg noch nicht berücksichtigt. "Menschen haben wir mehr als genug" pflegte er zu sagen.
Dabei war er kein Kommunist, wie man ihn sich vorstellt. Arbeiter und Bauern waren ihm egal und nur ein Mittel zur Machtgewinnung. Verschleißmaterial.
Nun muß man den meisten Leute, die ihre Mao-Bibeln in Kameras halten zugute halten, daß sie sie nicht gelesen haben. Die Provokation des Buches reicht aus.
Hier ein kleiner Tip: Eine Bedienungsanleitung zum Benutzen von Büchern: Man wirft sie nicht ins Feuer, liebe Neonazis, auch wenn das noch so schöne Flammen macht und es reicht, liebe Kommunisten, nicht aus, den Titel in eine Kamera zu halten. Man muß es vorsichtig aufklappen und dann die Buchstaben einzeln entziffern, so daß sie Worte, ganze Sätze und am Ende vollständige Gedanken widerspiegeln!
Na gut, verzichten wir also auf die Mao-Bibel, aber das schicke T-Shirt mit Che Guevara kann ich doch tragen? Ein guter Kommunist, der sich von Castro losgesagt hat und der einfach Berufsrevolutionär war und für die kleinen Leute gestritten hat.
"Berufsrevolutionär" ist eine feine Umschreibung für einen Menschen, der nicht mehr zurecht kommt, wenn es darum geht, etwas aufzubauen, sondern er besser darin ist, Köpfe rollen zu lassen.
Im konkreten Fall haben wir es mit einem Sadisten zu tun, der gern folterte und es sich nicht nehmen ließ, Exekutionen selbst durchzuführen. Das hat er Hitler voraus, der war zu feige, seine eigenen Konzentrationslager zu besuchen. Che lebte in ihnen.
Wer möchte sowas nicht auf seinem T-Shirt haben als echter Menschenfreund!
Bleibt also noch der gute amerikanische Präsident John F. Kenndy. Aber da kann man doch nichts sagen! Der hat uns durch die Kubakrise geführt und uns allen Hoffnung gegeben!
Die Frage, ob, wie Seymore Hersh und andere behaupten, die Mafia seine Wahl ermöglicht hat, können wir getrost außen vor lassen. Sicher ist, daß moderne Regeln der Demokratie nicht wirklich was mit seinem Wahlsieg in einigen Schlüsselregionen zu tun hatten. Schwamm drüber, das war bei früheren US-Präsidenten auch nicht anders.
Unbestritten ist, daß er ein Junkie war, der alles genagelt hat, was nicht bei drei auf den Bäumen war und in etwa so viel von Frauen hielt. Im Gegensatz zu seinem als konservativ geltenden Bruder Robert, hat er sich nie mit Martin Luther King getroffen, verachtete insgeheim sogar die Schwarzen. Seine einzige Gesetzesinitiative war ein Housing Project. Seine Krankenakten, die Ende der 90er ihren Geheimschutz verloren zeichnen ein horrendes Bild vom Musterpräsidenten. Die meiste Zeit war er so unter Schmerzmitteln, die er sich von verschiedenen Ärzten unabhängig voneinander beschafft hatte, nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn zu regieren.
Seinem Tagebuch zufolge haßte der junge "Berliner" Kennedy Deutschland und die Deutschen.
Die Kubakrise könnte man durchaus auch auf die vielen von Kennedy angeordneten Mordversuche der CIA an Castro oder die katastrophale Invasion in der Schweinebucht zurückführen. Aber wer wird schon einen großen Mann mit solchen Kleinigkeiten belasten?
Dumm ist dabei nur, daß auch hier Robert Kennedy die Kastanien aus dem Feuer holte und in letzter Minute eine Einigung mit den Russen erzielt hat, als der Präsident schon aufgeben wollte.
Ich könnte noch eine Menge unschmeichelhaftes über den Vorzeigepräsidenten schreiben und trotzdem haben wir, wie so viele deutsche Städte ein "Kennedy-Ufer" in Köln. Ich habe nicht genug Speichel, um meiner Verachtung dafür ausreichend Ausdruck zu verleihen!
Bleibt also die Frage: Muß man Massenmöder sein, damit man ein Idol der Massen wird? Oder wie schaffen es solche Bestien in Menschengestalt immer noch von Schwachköpfen vergöttert zu werden. Ist das Maß des Menschen wirklich seine Tauglichkeit auf T-Shirts und Postern?
"Der Führer war ne schöne Mann!" hört man heute noch so manche greise Frau flüstern. Ist mir egal, er war ein Arschloch, ein Massenmörder und jemand, der die Welt in Brand gesteckt hat. Was ist denn bitte wichtiger? Für mich letzteres, aber an der Wahlurne entscheiden die Leute, die glauben, der "Führer war ne schöne Mann." Heute richtet sich ihr Augenmerk nicht mehr auf den "Böhmischen Gefreiten", wie ihn Hindenburg abschätzig zu nennen pflegte, sondern auf seine geistigen Brüder, deren Verehrung hierzulande nicht unter Strafe steht. Und mit solchen Leuten soll ich gemeinsam zur Wahlurne schreiten? "Democracy Shtonk" sagt der unsterbliche Charlie Chaplin, der meines Wissens niemanden auf dem Gewissen hat, im "Großen Diktator", um Hitler lächerlich zu machen. Ich nehme das wörtlich und fordere: gebt mir den Kaiser zurück - oder besser noch: gebt mir den Job, denn die Demokratie hat mit solchem Wahlvolk versagt!
Montag, 14. Oktober 2013
In-Diez-ienprozess
Freundschaft ist eine merkwüridge Sache. Für mich war sie die meiste Zeit meines Lebens das Wichtigste überhaupt. Das liegt natürlich auch daran, dass ich nach dem Tod meiner Mutter praktisch ohne Familie aufgewachsen bin. Ich habe mir meine Familie selbst ausgesucht - oder sie mich.
Ich bin sehr stolz sowohl auf die Länge, als auch die Intensität meiner Freundschaften, aber trotzdem verstehe ich immer noch nicht ihre vollständige Mechanik. Bei vielen Freunden weiß ich gar nicht mehr, wie alles angefangen hat. Ich weiß auch nicht, ob das wichtig ist.
An eine Geschichte kann ich mich aber noch gut erinnern. Sie beginnt im Jahre 83 oder 84 auf einem Bahnsteig mit einem Jungen, dessen brauner Lederaktenkoffer sich öffnet wodurch der Inhalt - ausschließlich Cola-Dosen - über den Bahnsteig rollen. Ein Bild perfekter Hilflosigkeit.
Wir waren auf dem Weg zu unserer Klassenfahrt nach Diez an der Lahn. Schwerlich der Nabel der Welt, aber 13jährige, die in eine Jugendherberge auf einer Burg fahren, sind leicht zufriedenzustellen. Der Klassenverbund war noch recht neu, zwei Klassen wurden in der 7. Klasse nach der Wahl der zweiten Fremdsprache neu zusammengestellt. Ich gehörte der Lateinklasse an.
Auf die Klassenfahrt hatte ich mich sehr gefreut, im Vorfeld war alles geplant gewesen. Ich würde auf ein Zimmer mit Volker, einem Freund aus der Grundschule, Schu, meinem langjährig besten Freund sowie Boris und Matthias, zwei noch recht neuen Freunden, der aus der Klasse kamen, mit der wir zusammengelegt wurden, gehen.
Rennen fand ich damals bereits unschicklich, außerdem war ja alles abgesprochen. Also trottete ich langsam in Richtung des Zimmers, das meine Freunde bereits besetzt hatten. Eigentlich wollte ich meine Sachen jetzt auf das verbliebene Bett werfen, doch da hatte sich bereits der Meier breit gemacht. Ihm waren unsere Absprachen egal und er sah es nicht ein, seinen Platz in dem Zimmer zu räumen. Unserem massigen Mathelehrer, der auch für seinen Körper die Kugel als Idealform auserkoren hatte, war das ebenfalls Latte. "Das Zimmer ist belegt, da hinten ist noch eins frei." Mit diesen Worten landete ich in dem Zimmer der Übriggebliebenen. Derjenigen, die nicht vorher geplant hatten und derjenigen, die, nunja, nicht sonderlich beliebt waren.
Zu Beginn war ich kreuzunglücklich, aber es stellte sich schon sehr bald als ein Glücksgriff raus. In diesem Zimmer lagen neben zwei Außenseitern auch der Junge mit dem Aktenkoffer und Ansgar, ein sportverrückter Wirrkopf mit fantastischem Sinn für Humor und ein späterer langjähriger Freund und Weggefährte. Bei dem Jungen mit dem Aktenkoffer handelte es sich um Hendrik, einem Freund, der mich unter anderem in meinem Musikgeschmack entscheidend geprägt hat.
Ich weiß nicht, wie es in dem anderen Zimmer war, obwohl wir viel mit den Jungs dort unternommen hatten, aber wir hatten jedenfalls eine Menge Spaß in unserem Zimmer!
Der Rest der Klassenfahrt ist Stoff für Mythen. Die Geschichte einer bösen Prinzessin, deren Untertanen die Schnauze voll von ihr hatten, der Spaltung der Klasse an "Gefühlen und Problemen", die Erkenntnisse, dass Jungs nicht weinen und dass der Meier Frank heißt und nicht "Juut", vor allem aber, daß die linken Ideale von globaler Freundschaft bereits in einer Klasse pubertierender Kids an einem Telefonzirkel scheitern.
Über all das könnte man seitenweise schreiben, aber die Essenz dieser Klassenfahrt war die Konstituierung meines ersten langjährigen Freundeskreises - ohne Regeln, festgelegte Telefonzirkel und erzwungenes "ich bin okay, Du bist okay". Wir brauchten niemanden künstlich zu integrieren, wir mochten uns einfach so. Unser Credo war eher:"Ich bin okay, und Du kannst schauen, wo der Pfeffer wächst." Es funktionierte und wir konnnten uns auch immer aufeinander verlassen.
Wir blieben alle noch lange befreundet. Weit über die Schulzeit, über die Uni hinaus, teilweise bis zum heutigen Tage. Wir haben uns nicht ständig gesehen und sind derzeit über die Republik verteilt. Aber immer, wenn wir zusammenkommen, ist es, als wären wir nie getrennt gewesen. Es sind immer noch die alten Geschichten, Zitate und Kabbeleien.
So habe ich mich heute abend auch wahnsinnig gefreut, mit Boris und Hendrik gemeinsam was trinken zu gehen. Hendrik hatte ich ca. 20 Jahre nicht mehr gesehen und es gab eine Menge aufzuholen und der eine Abend reichte sicher nicht aus. Aber es ist faszinierend, dass man nach so langer Zeit immer noch eine Menge zu erzählen und so viel gemeinsam zu lachen hat.
Ich bin stolz auf meine Freunde. Nicht deswegen, weil sie (fast?) alle klüger sind als ich. Nicht deswegen, weil es interessante Personen sind, sondern schlicht und ergreifend deswegen, weil man auch noch nach dreißig Jahren immer noch gemeinsam Spaß haben kann, auch wenn sich so viel im Leben geändert hat.
Sicher ist der eine oder andere auf dem Weg zurückgeblieben, so manche Freundschaft ist auch eingeschlafen. Aber daß es überhaupt Menschen schaffen, so lange beisammen zu bleiben, ist schon ein Verdienst, das so manche Ehe nicht schafft.
In diesem Sinne kann nur empfehlen, seine Freundschaften zu pflegen. sie gehören zu den wenigen Dingen im Leben, die mit der Zeit besser werden. Ich jedenfalls bin dankbar für meine Freunde. Ob sie aus der Zeit in Diez stammen oder ob sie später in mein Leben getreten sind.
Und so beschließe ich den Abend mit einem passenden Zitat:"Noch 'ne Runde Schampus und für die Nutten noch'n Eierlikör!"
(Ansgar, Volker, Ulrike, ich, Schu auf Boris' und
Annettes Hochzeit)
Ich bin sehr stolz sowohl auf die Länge, als auch die Intensität meiner Freundschaften, aber trotzdem verstehe ich immer noch nicht ihre vollständige Mechanik. Bei vielen Freunden weiß ich gar nicht mehr, wie alles angefangen hat. Ich weiß auch nicht, ob das wichtig ist.
An eine Geschichte kann ich mich aber noch gut erinnern. Sie beginnt im Jahre 83 oder 84 auf einem Bahnsteig mit einem Jungen, dessen brauner Lederaktenkoffer sich öffnet wodurch der Inhalt - ausschließlich Cola-Dosen - über den Bahnsteig rollen. Ein Bild perfekter Hilflosigkeit.
Wir waren auf dem Weg zu unserer Klassenfahrt nach Diez an der Lahn. Schwerlich der Nabel der Welt, aber 13jährige, die in eine Jugendherberge auf einer Burg fahren, sind leicht zufriedenzustellen. Der Klassenverbund war noch recht neu, zwei Klassen wurden in der 7. Klasse nach der Wahl der zweiten Fremdsprache neu zusammengestellt. Ich gehörte der Lateinklasse an.
Auf die Klassenfahrt hatte ich mich sehr gefreut, im Vorfeld war alles geplant gewesen. Ich würde auf ein Zimmer mit Volker, einem Freund aus der Grundschule, Schu, meinem langjährig besten Freund sowie Boris und Matthias, zwei noch recht neuen Freunden, der aus der Klasse kamen, mit der wir zusammengelegt wurden, gehen.
Rennen fand ich damals bereits unschicklich, außerdem war ja alles abgesprochen. Also trottete ich langsam in Richtung des Zimmers, das meine Freunde bereits besetzt hatten. Eigentlich wollte ich meine Sachen jetzt auf das verbliebene Bett werfen, doch da hatte sich bereits der Meier breit gemacht. Ihm waren unsere Absprachen egal und er sah es nicht ein, seinen Platz in dem Zimmer zu räumen. Unserem massigen Mathelehrer, der auch für seinen Körper die Kugel als Idealform auserkoren hatte, war das ebenfalls Latte. "Das Zimmer ist belegt, da hinten ist noch eins frei." Mit diesen Worten landete ich in dem Zimmer der Übriggebliebenen. Derjenigen, die nicht vorher geplant hatten und derjenigen, die, nunja, nicht sonderlich beliebt waren.
Zu Beginn war ich kreuzunglücklich, aber es stellte sich schon sehr bald als ein Glücksgriff raus. In diesem Zimmer lagen neben zwei Außenseitern auch der Junge mit dem Aktenkoffer und Ansgar, ein sportverrückter Wirrkopf mit fantastischem Sinn für Humor und ein späterer langjähriger Freund und Weggefährte. Bei dem Jungen mit dem Aktenkoffer handelte es sich um Hendrik, einem Freund, der mich unter anderem in meinem Musikgeschmack entscheidend geprägt hat.
Ich weiß nicht, wie es in dem anderen Zimmer war, obwohl wir viel mit den Jungs dort unternommen hatten, aber wir hatten jedenfalls eine Menge Spaß in unserem Zimmer!
Der Rest der Klassenfahrt ist Stoff für Mythen. Die Geschichte einer bösen Prinzessin, deren Untertanen die Schnauze voll von ihr hatten, der Spaltung der Klasse an "Gefühlen und Problemen", die Erkenntnisse, dass Jungs nicht weinen und dass der Meier Frank heißt und nicht "Juut", vor allem aber, daß die linken Ideale von globaler Freundschaft bereits in einer Klasse pubertierender Kids an einem Telefonzirkel scheitern.
Über all das könnte man seitenweise schreiben, aber die Essenz dieser Klassenfahrt war die Konstituierung meines ersten langjährigen Freundeskreises - ohne Regeln, festgelegte Telefonzirkel und erzwungenes "ich bin okay, Du bist okay". Wir brauchten niemanden künstlich zu integrieren, wir mochten uns einfach so. Unser Credo war eher:"Ich bin okay, und Du kannst schauen, wo der Pfeffer wächst." Es funktionierte und wir konnnten uns auch immer aufeinander verlassen.
Wir blieben alle noch lange befreundet. Weit über die Schulzeit, über die Uni hinaus, teilweise bis zum heutigen Tage. Wir haben uns nicht ständig gesehen und sind derzeit über die Republik verteilt. Aber immer, wenn wir zusammenkommen, ist es, als wären wir nie getrennt gewesen. Es sind immer noch die alten Geschichten, Zitate und Kabbeleien.
So habe ich mich heute abend auch wahnsinnig gefreut, mit Boris und Hendrik gemeinsam was trinken zu gehen. Hendrik hatte ich ca. 20 Jahre nicht mehr gesehen und es gab eine Menge aufzuholen und der eine Abend reichte sicher nicht aus. Aber es ist faszinierend, dass man nach so langer Zeit immer noch eine Menge zu erzählen und so viel gemeinsam zu lachen hat.
Ich bin stolz auf meine Freunde. Nicht deswegen, weil sie (fast?) alle klüger sind als ich. Nicht deswegen, weil es interessante Personen sind, sondern schlicht und ergreifend deswegen, weil man auch noch nach dreißig Jahren immer noch gemeinsam Spaß haben kann, auch wenn sich so viel im Leben geändert hat.
Sicher ist der eine oder andere auf dem Weg zurückgeblieben, so manche Freundschaft ist auch eingeschlafen. Aber daß es überhaupt Menschen schaffen, so lange beisammen zu bleiben, ist schon ein Verdienst, das so manche Ehe nicht schafft.
In diesem Sinne kann nur empfehlen, seine Freundschaften zu pflegen. sie gehören zu den wenigen Dingen im Leben, die mit der Zeit besser werden. Ich jedenfalls bin dankbar für meine Freunde. Ob sie aus der Zeit in Diez stammen oder ob sie später in mein Leben getreten sind.
Und so beschließe ich den Abend mit einem passenden Zitat:"Noch 'ne Runde Schampus und für die Nutten noch'n Eierlikör!"
(Ansgar, Volker, Ulrike, ich, Schu auf Boris' und
Annettes Hochzeit)
Samstag, 12. Oktober 2013
Just my imagination
Nachdem ich heute aufgewacht bin, weil jemand um Mitternacht an meiner Tür geläutet hat, konnte ich nicht mehr einschlafen. Entertainment war gefragt, also schob ich die BluRay des ersten Teils der "Hobbit"-Verfilmung rein und schaute mir den Rest des Films an, den ich gestern bereits zu sehen begonnen hatte. Der Film ist aufwendig, schnell, bunt, alles, was man möchte. Aber da ich ihn zum zweiten Mal gesehen habe, auch relativ langweilig.
Für diejeningen, die mich nicht kennen, ich schaue Filme gern häufiger. Die Serie "The West Wing" habe ich bestimmt schon 10 Mal gesehen, ohne dass sie mir langweilig wurde. Aber nicht nur beim "Hobbit", auch bei anderen Actionspektakeln, Blockbustern und wie man sie sonst nennen mag, stellt sich einfach recht schnell eine Sättigung bei mir ein.
Das erinnert mich an meine Jugend in den 80ern, als die alten Leute sagten, moderne Filme hätten zu viele "Special Effects" und zu wenig Story. Damals konnte ich sie, wie die meisten Menschen meiner Altersklasse nicht verstehen. Ich liebte "Raiders of the lost ark" und alle anderen Indiana Jones Filme. Heute erscheinen sie mir ebenfalls langweilig - auch wenn ich sie aus sentimentalen Gründen immer noch irgendwie mag.
Nach dem Action-Spektakel gab ich dann meiner Sehnsucht der letzten Tage nach und schaute einen eher leisen Film. "High Fidelity" wollte ich seit Tagen immer mal wieder anschauen. Es ist die Verfilmung eines Nick Hornby Romans. Die Bücher von Hornby, soweit ich sie gelesen habe, laufen alle nach dem gleichen Strickmuster ab. Junge hat eine Jugendobsession, die ihn am Erwachsenwerden hindert. Frau läuft weg, er merkt, wie wichtig sie ihm ist und er durchläuft binnen kurzer Zeit den Erwachsenwerdungsprozess, ohne seine Obsession, die Triebfeder seines Lebens, ganz zu verlieren. In "Fever Pitch" ist es Fußball, in "High Fidelity" ist es Musik. Ich mag Hornbys Geschichten, denn sie geben mir Hoffnung.
An "High Fidelity" erinnere ich mich am besten, weil ich den Film mehrfach gesehen habe. Er erinnert mich ein wenig an meine große Liebe, auch wenn sie nicht wie im Film ein Happy End gefunden hat. Auch kann ich mich mit den musikalischen Snobs der Geschichte sehr gut identifizieren.
Ich habe es geliebt, Mixtapes zu erstellen und ich habe diese Kunst mit religiöser Hingebung betrieben. "Die eigenen Gefühle mit der Poesie eines anderen ausdrücken" nennt John Cusack es in dem Film. Ich glaube, das trifft es ins Schwarze. Ich erinnere mich an gewagte Experimente, wie die Eröffnung mit Beethoven, um dann mit Punkrock, Soul oder Funk weiterzumachen. Den Seitenwechsel zum Beispiel mit George Dukes "The War Fugue Interlude" einzuleiten oder den Beweis zu erbringen, daß sich Edith Piaf und die Sex Pistols oder Sinatra und George Clinton vertragen. Heute mache ich Playlists für iTunes in wenigen Minuten. Kein langes Experimentieren mehr mit dem Plattenspieler, damit die Pause zwischen den Songs nicht zu groß ist, kein Vorhören, ob die beiden Lieder, die einander folgen passen. Aber auch keine Platzprobleme mehr.
Die Obsession ist vorüber. I settle for less. Das soll kein Plädoyer "früher war alles besser" sein.Natürlich könnte ich immer noch meine Playlists mit der gleichen Hingabe erstellen, aber irgendwas ist anders. Vielleicht ist auch einfach die Hingabe geschrumpft. Wer hat heute noch Zeit für sowas?
Ein schönes Beispiel für diese Obsession war das Lied "Just my imagination". Zum ersten Mal hörte ich es auf einem Prince-Bootleg (That's right! Sue me motherfucker!) von einer Aftershow-Party. Ich fand, es sei das schönste Lied aller Zeiten und ich wollte es in einer vernünftigen Version haben. Mir war schon klar, daß es kein originäres Prince-Lied war, also ging ich (pre Internet) auf die Suche. Falls jemand die "Married with children"-Folge kennt, in der Al Bundy ein Lied ("Anna (Go with him)" btw. auch auf dem Beatles Album "Please Please me" vertreten) sucht, weiß, was ich mit "Suche" meine. Die ersten kleinere Erfolge waren deprimierend! Während der Bundeswehrzeit hörte ich eine Version der "Rolling Stones" im Radio, die jedwedes Leben aus dem Song geprügelt hat. Ich mag die Stones, doch deren Version von "Just my imagination" ist das musikalische Äquivalent zu Auschwitz. Jahre später wurde mein Gemüt dann aber beruhigt, als ich es neben zahllosen anderen großartigen Klassikern auf einem "Temptations" -Sampler fand. Auch wenn Princes Version mit dem endlosen Gitarrenintro immer noch einen besonderen Platz in meinem Herzen hat, haben die Temptations natürlich dem Song das Leben wiedergegeben, das Jagger und Konsorten ihm rausgeprügelt hatten.
Uns so geht mir jedes Mal wieder das Herz auf, wenn am Ende von "High Fidelity" Jack Black Marvin Gayes "Let's get it on" singt, obwohl es weit außerhalb seiner Liga ist.
Ich schätze, John Miles hat mir in seiner Schnulze "Music" aus dem Herzen gesprochen, als er sang:"Music was my first love and it will be my last".
Was nun Prince angeht, möchte ich mich für die schönen Jugenderfahrungen bedanken, auf denen mich seine Musik begleitet hat und dafür daß er das "Black Album" doch noch veröffentlicht hat, sowie das Lied "Old friends 4sale", welches ich über alles liebe. Ich gebe die Hoffnung ja nicht auf, dass er irgendwann mal wieder etwas Großartiges veröffentlicht.
Für diejeningen, die mich nicht kennen, ich schaue Filme gern häufiger. Die Serie "The West Wing" habe ich bestimmt schon 10 Mal gesehen, ohne dass sie mir langweilig wurde. Aber nicht nur beim "Hobbit", auch bei anderen Actionspektakeln, Blockbustern und wie man sie sonst nennen mag, stellt sich einfach recht schnell eine Sättigung bei mir ein.
Das erinnert mich an meine Jugend in den 80ern, als die alten Leute sagten, moderne Filme hätten zu viele "Special Effects" und zu wenig Story. Damals konnte ich sie, wie die meisten Menschen meiner Altersklasse nicht verstehen. Ich liebte "Raiders of the lost ark" und alle anderen Indiana Jones Filme. Heute erscheinen sie mir ebenfalls langweilig - auch wenn ich sie aus sentimentalen Gründen immer noch irgendwie mag.
Nach dem Action-Spektakel gab ich dann meiner Sehnsucht der letzten Tage nach und schaute einen eher leisen Film. "High Fidelity" wollte ich seit Tagen immer mal wieder anschauen. Es ist die Verfilmung eines Nick Hornby Romans. Die Bücher von Hornby, soweit ich sie gelesen habe, laufen alle nach dem gleichen Strickmuster ab. Junge hat eine Jugendobsession, die ihn am Erwachsenwerden hindert. Frau läuft weg, er merkt, wie wichtig sie ihm ist und er durchläuft binnen kurzer Zeit den Erwachsenwerdungsprozess, ohne seine Obsession, die Triebfeder seines Lebens, ganz zu verlieren. In "Fever Pitch" ist es Fußball, in "High Fidelity" ist es Musik. Ich mag Hornbys Geschichten, denn sie geben mir Hoffnung.
An "High Fidelity" erinnere ich mich am besten, weil ich den Film mehrfach gesehen habe. Er erinnert mich ein wenig an meine große Liebe, auch wenn sie nicht wie im Film ein Happy End gefunden hat. Auch kann ich mich mit den musikalischen Snobs der Geschichte sehr gut identifizieren.
Ich habe es geliebt, Mixtapes zu erstellen und ich habe diese Kunst mit religiöser Hingebung betrieben. "Die eigenen Gefühle mit der Poesie eines anderen ausdrücken" nennt John Cusack es in dem Film. Ich glaube, das trifft es ins Schwarze. Ich erinnere mich an gewagte Experimente, wie die Eröffnung mit Beethoven, um dann mit Punkrock, Soul oder Funk weiterzumachen. Den Seitenwechsel zum Beispiel mit George Dukes "The War Fugue Interlude" einzuleiten oder den Beweis zu erbringen, daß sich Edith Piaf und die Sex Pistols oder Sinatra und George Clinton vertragen. Heute mache ich Playlists für iTunes in wenigen Minuten. Kein langes Experimentieren mehr mit dem Plattenspieler, damit die Pause zwischen den Songs nicht zu groß ist, kein Vorhören, ob die beiden Lieder, die einander folgen passen. Aber auch keine Platzprobleme mehr.
Die Obsession ist vorüber. I settle for less. Das soll kein Plädoyer "früher war alles besser" sein.Natürlich könnte ich immer noch meine Playlists mit der gleichen Hingabe erstellen, aber irgendwas ist anders. Vielleicht ist auch einfach die Hingabe geschrumpft. Wer hat heute noch Zeit für sowas?
Ein schönes Beispiel für diese Obsession war das Lied "Just my imagination". Zum ersten Mal hörte ich es auf einem Prince-Bootleg (That's right! Sue me motherfucker!) von einer Aftershow-Party. Ich fand, es sei das schönste Lied aller Zeiten und ich wollte es in einer vernünftigen Version haben. Mir war schon klar, daß es kein originäres Prince-Lied war, also ging ich (pre Internet) auf die Suche. Falls jemand die "Married with children"-Folge kennt, in der Al Bundy ein Lied ("Anna (Go with him)" btw. auch auf dem Beatles Album "Please Please me" vertreten) sucht, weiß, was ich mit "Suche" meine. Die ersten kleinere Erfolge waren deprimierend! Während der Bundeswehrzeit hörte ich eine Version der "Rolling Stones" im Radio, die jedwedes Leben aus dem Song geprügelt hat. Ich mag die Stones, doch deren Version von "Just my imagination" ist das musikalische Äquivalent zu Auschwitz. Jahre später wurde mein Gemüt dann aber beruhigt, als ich es neben zahllosen anderen großartigen Klassikern auf einem "Temptations" -Sampler fand. Auch wenn Princes Version mit dem endlosen Gitarrenintro immer noch einen besonderen Platz in meinem Herzen hat, haben die Temptations natürlich dem Song das Leben wiedergegeben, das Jagger und Konsorten ihm rausgeprügelt hatten.
Uns so geht mir jedes Mal wieder das Herz auf, wenn am Ende von "High Fidelity" Jack Black Marvin Gayes "Let's get it on" singt, obwohl es weit außerhalb seiner Liga ist.
Ich schätze, John Miles hat mir in seiner Schnulze "Music" aus dem Herzen gesprochen, als er sang:"Music was my first love and it will be my last".
Was nun Prince angeht, möchte ich mich für die schönen Jugenderfahrungen bedanken, auf denen mich seine Musik begleitet hat und dafür daß er das "Black Album" doch noch veröffentlicht hat, sowie das Lied "Old friends 4sale", welches ich über alles liebe. Ich gebe die Hoffnung ja nicht auf, dass er irgendwann mal wieder etwas Großartiges veröffentlicht.
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