Eigentlich sollte ich längst im Bett liegen und pennen. Morgen ist ein Arbeitstag. Aber ich kann ja schlecht einen Blog starten (den eh keiner liest) und dann nichts schreiben!
Am Sonntag ist Bundestagswahl. Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, wen ich wählen soll. Den Wahlkampf der CDU finde ich eine Frechheit und allein dafür gehört sie abgewählt. "Kanzlerin für Deutschland" was ist das denn für ein Slogan? Nicht daß diese Ideenlosigkeit beispiellos wäre: "Hitler über Deutschland" gab es schon und "Willy wählen". Beide hoffentlich nicht die Vorbilder der Union!
Um Mama Merkel aber aus der Schaltzentrale der Macht zu entfernen, müßte man etwas drastisches tun. Damit meine ich Peer Steinbrück bzw. seine SPD zu wählen. In meinem Leben - zumindest post Helmut Schmidt - wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen solchen Schritt überhaupt nur zu erwägen. Aber das zeigt, wie sehr ich Frau Merkel hasse und wie unglaublich beleidigend ich diesen Wahlkampf finde. Aber er ist ein Zeugnis dieser Regierung. Viele Wähler greifen zur CDU, um eine gewisse Stabilität zu erhalten. Anders, als die ständig in kreativem Chaos lebenden "Sozen" weiß man bei der Union, was man hat. Keine Pannen, nichts überraschendes.
Schaue ich mir aber das Kabinett Merkel an, denke ich an Steuererleichterungen für Hoteliers, Ministerrücktritte wegen Schummeleien, zwei unterirdisch schlechte Bundespräsidenten, von denen einer den Job weggeworfen hat, wie die Schürze bei McDonalds, als er ein wenig Kritik einstecken mußte, der andere versucht verzweifelt seinen konservativen Arsch aus dem Knast zu halten.
Nur zu gern würde ich ja den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland der Regierung in die Schuhe schieben, aber was, außer Schlingerkurs haben die denn gemacht? Ein-Aus-Stieg bei der Atomwirtschaft, Prism mitsamt kohlschem Aussitzen des Aufruhrs, ein Eingeständnis, daß das Internet, in dem ich mich nun seit 20 Jahren bewege "für uns alle Neuland" sei. Ich würde gern mehr über die Errungenschaften dieser Regierung sprechen. Egal, ob ich nun den neuen Gesetzen und Maßnahmen zustimme oder nicht. Aber mir fallen keine ein.
Was mir hingegen einfällt ist die systematische Demontage der Glaubwürdigkeit der deutschen Außenpolitik. Aus Libyen halten wir uns fein raus und ernten nur Unverständnis. Als wir merken, wie sehr wir uns mit der Maßnahme isoliert haben, bieten wir weitere Truppen für Afghanistan an, die keiner angefordert hat. Laßt ruhig noch ein paar junge Leute am Hindukush verrecken, damit die Tucke im Außenministerium weitere Fehler machen kann. Fehler wie die deutsche Haltung in der Syrienfrage. Wieder ein Alleingang, wieder ein Zurückrudern in letzter Sekunde! Himmel, wünsche ich mir Joschka Fischer zurück!
Also was tun? FDP wählen, um keine zu radikalen Veränderungen zu machen? Wohl kaum. das einzig Liberale an den Liberalen ist die Wirtschaftspolitik. Keinerlei Grenzen mehr für Gier und nud Ellbogen. Was ist aus den liberalen Idealen geworden? Wie verträgt sich Prism mit freiheitlichen Grundwerten? Wie frei ist man als Kind von Hartz IV-Empfängern in einem Land, in dem der Status der Eltern aussagekräftiger für den Werdegang des Kindes ist, als in so ziemlich jedem anderen Industrieland? Freiheit bedeutet scheinbar bei den Liberalen, die Freiheit, einer Frau Koch-Mehrin ihre Doktorarbeit abzuschreiben. Danke, dann schon lieber die Definition von Janis Joplin!
Die Grünen? Mit denen setze ich mich auseinander, wenn die selbst wissen was sie wollen. Alles, was ich von denen höre ist ein "das können wir uns auch noch leisten". Ja, kein Wunder, wenn die Wählerschaft sich aus Studienräten und anderen Besserverdienern besteht. Nein danke!
Also doch die SPD? Mit einem Kanzlerkandidaten, bei dem ich mir noch nicht mal sicher bin, daß er gewählt werden will? Klar, gibt es eine Menge über Politiker-Diäten zu sagen, wenn man sie mit den Spitzenplätzen der deutschen Wirtschaft vergleicht. Aber muß man mit einer solchen Debatte den Wahlkampf einläuten? Aber der Peer ist ja kein Elitist! Schau nur mal, wie brav er der Süddeutschen den Mittelfinger gezeigt hat! Ein Kerl wie Du und... ne, das kommt mir nicht über die Tastatur!
Außerdem mag man Steinbrück für einen Realisten halten, aber mit jeder Stimme für die Sozen kaufe ich mir auch ein Stück Andrea Nahles ein und das empfinde ich dann als verantwortungslos.
Aber zurück zum Ausgangspunkt: Zu dem, was mein Stimmverhalten beeinflussen könnte: Die Themen! "Kanzlerin für Deutschland" gegen "Das Wir entscheidet".
My ass! Als ob wir keine Probleme hätten!
Wie stellt ihr Euch das weitere Vorgehen in Griechenland vor?
Wie wollt ihr eine neue Banken- und Staatspleite verhindern?
Wie kriegt der Steuerzahler die Kohle wieder, die die letzte gekostet hat?
Wie wollen wir zukünftig die Waage zwischen Freiheit und Sicherheit justieren?
Wie stehen wir zu Industriespionage aus "befreundeten" Ländern?
Wie sichern wir unsere Renten?
Wie bekommen wir besser ausgebildete Angestellte?
Wie fördern wir neue Innovationen?
Wie wollen wir dem größer werden der Schere zwischen Arm und Reich begegnen?
Das alles paßt nicht auf Wahlplakate - und Herr Brüderle: der unausgesprochene Trias:"Keine neuen Schulden, keine Neuen Steuern, keine neuen Ideen" ist auch nicht besser!
Und auch wenn mich nicht, wie Heinrich Heine die Sensucht nach Deutschland plagt, so stimme ich mit ihm überein:"Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht."
Warum ist mir selbst nicht so ganz klar, aber ich sagte ja schon: ich sollte seit Stunden schlafen...
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