Die NSA-Spionage-Affaire nimmt kein Ende. Erschütterungen aller Orten. Obama sagt, er habe das Abhören verboten, als er davon erfahren hat, dass die Bundeskanzlerin Ziel der Überwachung war, nun soll das ganze Programm auf den Prüfstand. Schadensbegrenzung, so meine ich.
Wie ernst kann man die Besserungsversprechen aus Washington nehmen? Wer ist der wirkliche Schuldige? Ist das die Wende in der deutschen Haltung zur amerikanischen Spionagepolitik oder beruhigen sich die Wellen wieder, sobald die Top-Politiker sicher sind oder ist am Ende sogar die Empörung unserer Volksvertreter gespielt, wie es zahlreiche Kommentatoren in Deutschland, wie auch den USA meinen?
Zunächst einmal ist es wichtig zu verstehen, was genau passiert ist - sofer das überhaupt bekannt wurde. Angela Merkels privates Handy wurde abgehört. Ein dienstliches Handy mit spezieller Verschlüsselung, über das auch Staatsgeheimnisse ausgetauscht werden können, sei nicht betroffen. Gleichwohl würden über dieses private Handy Telefonate mit den Parteiorganen geführt werden.
Interessant ist, daß in den Anfängen der Spitzelaffaire der Kanzleramtsminister und weitere hochrangige Vertreter der Union die Verstöße der USA heruntergespielt haben und kritiklos hinnahmen, daß die Abhöraktionen rein der Terrorabwehr galten. Viele Leser warfen Profalla und Konsorten vor, sie seien naiv. Später deckten Journalisten dann auf, daß es zahlreiche geheime und nicht so geheime Verträge und Absprachen gibt, die die Souveränität der Bundesrepublik auf dem Gebiet der Geheimdienste einschränkten. Das ist freilich etwas, das die Regierung sich selbst und noch weniger den Wählern gegenüber eingetehen möchte. Auch schwebt immer wieder im Raum, daß die freie Hand, die unsere Regierung ausländischen Nachrichtendiensten gelassen hat, Anschläge in Deutschland verhindert hätte und daß z.B. die Überführung der "Sauerland-Gruppe" ohne amerikanische Hilfe nicht gelungen wäre.
Es ist also davon auszugehen, daß die Regierung gar nicht wollte, daß die Zustände aufgeklärt wurden, denn sie wollte weiterhin Tips von den US-Behörden erhalten, deren Maßnahmen nach deutschem Recht vollkommen illegal wären.
Unbedarfte Beobachter fügen hier an, daß diese Maßnahmen nicht nur nach deutschem Recht illegal seien, sondern auch nach amerikanischem Recht. Dem ist jedoch meines Wissens nicht so. Die amerikanische Verfassung schützt amerikanische Bürger vor Durchsuchungen und Telefonabhörungen ohne Grund, aber die amerikanische Verfassung gilt weder im deutschen Staatsgebiet, noch für deutsche Bürger. Das Vorgehen der NSA mag also verdammenswürdig sein, verfassungswidrig ist es jedoch nicht!
Auch gegen Artikel 10 des Grundgesetzes verstößt die NSA nicht, denn der Artikel ist ein Abwehrrecht gegen Manßahmen des deutschen Staates. Ob sich hieraus ein Verwertungsverbot für die aus den Abhöraktionen der NSA für deutsche Strafverfolgungsbehörden ableiten läßt, ist Sache eines deutschen Gerichts.
All das sollte der deutschen Regierung bekannt sein und wenn unserer Regierung bekannt war, daß die NSA in Deutschland spioniert, dann finde ich es grob fahrlässig, um nicht zu sagen unendlich dumm, daß sich die Kanzlerin nicht besser dagegen schützt. Nun ist das mit den verschlüsselten Telefonanrufen nicht so einfach, wie man sich das aus diversen Spionagefilmen vorstellt. Es wird nicht einfach ein Knopf gedrückt und schon ist das Telefonat unknackbar verschlüsselt. Zum einen gibt es die unknackbare Verschlüsselung nicht. Das sollten wir spätestens seit "Enigma" im 2. Weltkrieg gelernt haben. Zum anderen reicht es nicht, daß ein Telefon verschlüsselt senden kann. Der Empfänger muß auch zur Entschlüsselung in der Lage sein. Telefoniert also die Kanzlerin mit dem Ortsverband Rhein-Ruhr der CDU, um Unterstützung für einen Gesetzesentwurf zu bekommen, dürfte es unmöglich sein, ein solches Gespräch verschlüsselt zu führen. Hier stellt sich die bislang unbeantwortete Frage: Welche Informationen haben die USA überhaupt vom Kanzlerhandy erhalten?
Einerseits kann man schließen, daß sie das Risiko nicht eingegangen wären, hätten sie keine wertvollen Informationen erhalten. Andererseits deutet die große Zahl der wahllos überwachten Anrufe darauf hin, daß die NSA in der Wahl der Informationen nicht wählerisch ist.
Vielfach wird die Diskussion aber schon weit vor diesen Fragen, die mich beschäftigen in der Presse abgewürgt. Dort interessiert viel mehr die Frage:"Gehen Freunde so miteinander um?"
In meinen Augen verdummt diese Frage die Diskussion. Nur weil Staatsoberhäupter vor laufenden Kameras Scherze miteinander machen, sich auf Vornamensbasis ansprechen und Kohl und Mitterrand Händchenhaltend vor der Presse zeigten, so sollten wir doch den Ausspruch Charles de Gaulles nicht vergessen:"Staaten haben keine Freunde, nur Interessen". Das ist natürlich ein realpolitischer Ansatz, von dem wir über 100 Jahre nach Otto von Bismarck nichts mehr hören möchten. Schon gar nicht, nachdem sich amerikanische Modelle der Außenpolitik durchgesetzt haben, nach denen Diplomatie eher von Moral, denn von politischen Vorteilen getragen werden sollte. Doch auch wenn diese Idee, beginnend bei Präsident Woodrow Wilson bis heute immer wieder aufgegriffen wird - sei es beim Nürnberger Kriegsverbrechertribumal, sei es bei der UN, sei es beim ICC in Den Haag, so sollten wir nicht vergessen, daß sie amerikaner, als Urheber dieser Philosophie sich gleichsam nie ihren Konsequenzen gestellt haben. Die Nürnberger Tribunale waren Siegerjustiz, bei der Richter speziell für einen Fall eingesetzt wurden- Etwas, das in der normalen Gerichtsbarkeit als Willkür bezeichnet wird, die UN hatte immer schon die Hintertür mit dem Veto des Weltsicherheitsrates, bei dem - oh Wunder - die USA eine von 5 Vetomächten stellt und daß die USA den unabhängigen ICC in Den Haag bis heute noch nicht anerkennen, ist ebenfalls bekannt.
Weiß die Regierung Merkel das alles nicht?
Ist die Regierung Merkel, die ausschließlich aus der Nachkriegsgeneration gebildet wurde der Meinung, es handele sich bei den USA um unsere Freunde und Gönner? Gute Argumente bilden die Luftbrücke nach Berlin, Die Stationierung amerikanischer Besatzungstruppen als Schutzmacht während des Kalten Krieges oder auch die prompte Unterstützung der deutschen Einheit durch Präsident Bush sen. Sind wir, die wir die Regierung kritisieren und die uns auf den realpolitischen Ansatz de Gaulles zurückziehen einfach undankbare Meckerer?
Ich denke nicht. Ich bin den USA für vieles dankbar. Nicht nur für die Hilfe während des Kalten Krieges, bei dem man vielfach argumentieren kann, daß sie im ureigensten Interesse der USA war. Berlin war eine Stadt, die mit ihrem 4-Mächtestatus zu einem Viertel den USA gehörte, wodruch die Berlin-Blockade auch vor dem Hintergrund der damaligen Doktrin gegen die kommunistische Ausbreitung ein amerikanisches Problem war. Gleiches gilt für den Aufmarsch in Deutschland, der im Falle eins wirklichen Krieges zwar dazu gehührt hätte, daß das deutsche Staatsgebiet unbewohnbar geworden wäre und kaum ein Deutscher überlebt hätte, aber das die Kampfhandlungen von den USA ferngehalten hätte.
Dennoch bin ich den USA dankbar dafür, daß sie neue Impulse in die europäische Außenpolitik gebracht haben, dafür, daß gefährliche Konstrukte, wie die "Balance of Power" in Frage gestellt wurden und daß erstmalig das Handeln des Staates in einen moralischen Kontext eingebunden wurde.
Meiner Einschätzung nach ist heute die europäische Außenpolitik amerikanisch geworden, während die USA zurückgefunden haben zu der Form der Diplomatie, die uns zwei Weltkriege beschert hat. Kein Wunder, schaut man sich die handelnden Personen an. Bereits Nixons Außenminister und National Security Advisor Henry Kissinger ist ein glühender Verfechter Bismarckscher Regeln.
Man mag es bedauern, dass die USA, grade unter Präsident George W. Bush eine radikale Abkehr von ihren alten Werten betrieben hat, aber da diese Tendenzen bereits seit den späten 60ern bekannt waren, sollten unsere Volksvertreter so langsam kapiert haben, wohin der Hase läuft.
Die Spionagevorwürfe gegen die NSA und die CIA sind auch nichts Neues, schon gar nicht ein Produkt der Enthüllungen des Piraten-Messias Ed Snowden. Bevor die Programme klangvolle Namen wie "Prism" erhalten haben, beschwerten sich schon große deutsche Unternehmen, wie zum Beispiel Siemens darüber, daß die USA massive Wirtschaftsspionage mit Hilfe ihres Überwachungsarrais "Echelon" in Großbritannien betrieben. In den USA wurden Pläne zum Patent eingereicht, bei denen sich die einreichenden Firmen noch nicht mal die Mühe gemacht haben, den Schriftzug "Siemens" von den Bauplänen zu streichen.
Wer ist verantwortlich für den Schutz der deutschen Bürger und der deutschen Wirtschaft? Nun, die Wirtschaft sollte sich zunächst selbst schützen. Ihre IT-Systeme sicherer machen, ihre Geheimhaltung verbessern. "The cost of doing business." Gleichwohl fällt diese Aufgabe aber auch dem Staat zu, der zum Beispiel die Bürger über die Gefahren aufklären sollte und nicht von den Brotkrumen, die vom Tisch der NSA fallen profitieren sollte.
Ich weiß nicht, ob die Entrüstung der Union angesichts der Abhöraktionen gegen die Kanzlerin echt ist oder ob es Augenwischerei ist, die am Ende dazu führen wird, daß man die Kooperation beibehält und lediglich die Spitzen der Regierung besser schützt.
Über folgendes habe ich jedoch keinerlei Zweifel: Die Abhöraktionen der NSA dienen nicht ausschließlich der Terrorabwehr. Sie dienen auch der Verbesserung der eigenen Verhandlungsposition und der Industriespionage. Gegen beides muß unsere Regierung sich selbst und die hiesigen Firmen und Privatpersonen schützen. Ansonsten ist sie mindestens wertlos und vielleicht sogar würde ein solches Verhalten das Widerstandrecht gem. Art. 20 IV auslösen.
Es ist gradezu ein Hohn, wenn der US-Abgeordnete Peter King fordert, die Deutschen sollten wegen der Abhöhraktion "dankbar" sein und darauf hinweist, daß die Anschlagspläne für den 11. September zum Teil in Hamburg geschmiedet wurden. Oder wenn US-Abgeordnete darauf verweisen, daß man in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts ohne Abhörmaßnahmen nicht verhindern konnte, daß sich der Nationalsozialismus breit gemacht hätte.
Die schweren Stiefel der Nazis haben weit vor der "Machtergreifung" weltweit Krawall ausgelöst. Um deren Ziele zu erkennen, brauchte man keine Telefonabhörmaßnahmen, sondern es reichte ein Ausflug in ein Buchgeschäft, in dem Man "Mein Kampf" offen kaufen konnte. Aber dagegen etwas zu tun, hätte amerikanischen Wirtschaftsinteressen widersprochen und man hoffte, Deutschland zum Bwollwerk gegen die "Rote Flut" zu machen und war in weiten Teilen dankbar für die Nazis. Das änderte sich auch dann nicht nennenswert, als jüdische Flüchtlinge in die USA in solchen Zahlen strömten, daß viele zurückgewiesen wurden.
Es ist nicht weiter verwunderlich, daß Herr King und andere amerikanische Voksvertreter diese Fakten nicht kennen oder ignorieren. Schließlich liefern sich die Staaten Israel und USA ein Wettrennen, welches der nächste faschistische Staat auf der Welt werden wird. Nur gut, daß beide über Atomwaffen verfügen!
Vielleicht sollte deswegen die NSA statt uns Deutsche zu überwachen, die Lauscher auf den Kongress der USA richten - ach ja, das verbietet ihnen ja deren Verfassung!
Bleibt also nur noch die Frage, ob sich die USA mit ihrer Spionage einen Gefallen tun. Das wird sich in der Reaktion der betroffenen Staaten zeigen. Ist die Entrüstung in Berlin und Paris nur gespielt, haben die USA gewonnen. Sollte sich aber ein ernster Riß im transatlantischen Bündnis dadurch abzeichnen, so seien die USA gewarnt, daß sie ihre Erfolge immer nur im Konzert mit den europäischen Verbündeten errungen haben. Wie es aussieht, wenn sie sich allein in einen Konflikt stürzen, zeigen Korea und Vietnam genau und die Daten aus dem Irak regen auch nicht grade zu Optimismus an.
Ist die NSA, um einen James-Bond-Titel heranzuziehen "der Spion, der mich liebte" oder ist es eine Organisation, die unter dem Deckmäntelchen der der Terrorabwehr Vorteile für die USA auch auf dem Rücken der wichtigsten Verbündeten raffen? Die Zeit, sich diese Frage zu stellen ist vorbei.
Dienstag, 29. Oktober 2013
Dienstag, 22. Oktober 2013
Lieber Weihnachtsmann....
21:00 Uhr abends, das Thermometer zeigt immer noch milde 18 Grad an und ich stehe im örtlichen Supermarkt. So manch einer regt sich darüber auf. dass Ende August bereits die Weihnachtsartikel und Ende Januar die Osterhasen von den Regalen locken. Ich nicht! Ich freue mich darüber quasi ganzfährig die unübertroffenen Leckereien der Firma Lindt genießen zu können, die mich immer fetter machen!
Frühlingsmandeln in weißer Schokolade im Winter, Weinachtsmandeln mit feiner Koriandernote in weißer oder brauner Schokolade, mit oder ohne Capuccinogeschmack! Das Weihnachtsmarzipan glasiert mit weißer Schokolade, verziert mit braunen Schokoladenmuster - herrlich! Okay, am Strand würde ich das nicht knabbern wollen, aber hey, bei regnerischem Wetter hier in Köln? Warum nicht!
Doch eins geht mir gewaltig auf den Sack! Zwischen Dominosteinen (mag ich nicht), Spekulatius (finde ich langweilig), Aachener Printen (in Maßen bitte) und schokoladenüberzogenen Lebkuchen (ich mag die glasierten lieber) fehlt mir in allen Supermärkten mein Lieblingsgebäck! Wo zur Hölle, lieber Weihnachtsmann sind die verdammten ZIMTSTERNE?
Alles wurde bereits ausgeliefert, nur die Zimtsterne nicht! Lieber Weihnachtsman - hilfsweise auch Olaf: Was ist hier los? Hat irgendwer rausgefunden, daß die Dinger krebserregende Stoffe enthalten? Verwenden die Zimtsternbäckereien Monsanto-Killer-Haselnüsse? Oder - und das ist meine Haupttheorie - hat man herausgefunden, daß Zimtsterne abhängig machen und Zimtsternproduzenten werden nun mit Class-Action-Suits überzogen, während "Big Zimtstern" (oder heißen die "Big Red") mit Mafia-Methoden zurückschlagen?
Ist der Weihnachtsmann, der sich seit Urzeiten von Coca-Cola sponsoren läßt ein Mitangeklagter oder nur Zeuge? Was wußte er von der Verschwörung?
Ehrlich gesagt sind mir alte Männer, die darauf bestehen, daß sich kleine Kinder auf ihren Schoß setzen immer suspekt gewesen. Wenn die auch noch von einem internationalen Megakonzern ausgestattet und unterstützt werden, wird meine Skepsis nur noch größer.
Vermutlich ist das der Grund, warum ich keine Weihnachtsgeschenke mehr bekomme...
Na gut, lieber Weihnachtsmann, ich gebe auf! Nur bitte schaff die Zimtsterne wieder ins Regal!
Frühlingsmandeln in weißer Schokolade im Winter, Weinachtsmandeln mit feiner Koriandernote in weißer oder brauner Schokolade, mit oder ohne Capuccinogeschmack! Das Weihnachtsmarzipan glasiert mit weißer Schokolade, verziert mit braunen Schokoladenmuster - herrlich! Okay, am Strand würde ich das nicht knabbern wollen, aber hey, bei regnerischem Wetter hier in Köln? Warum nicht!
Doch eins geht mir gewaltig auf den Sack! Zwischen Dominosteinen (mag ich nicht), Spekulatius (finde ich langweilig), Aachener Printen (in Maßen bitte) und schokoladenüberzogenen Lebkuchen (ich mag die glasierten lieber) fehlt mir in allen Supermärkten mein Lieblingsgebäck! Wo zur Hölle, lieber Weihnachtsmann sind die verdammten ZIMTSTERNE?
Alles wurde bereits ausgeliefert, nur die Zimtsterne nicht! Lieber Weihnachtsman - hilfsweise auch Olaf: Was ist hier los? Hat irgendwer rausgefunden, daß die Dinger krebserregende Stoffe enthalten? Verwenden die Zimtsternbäckereien Monsanto-Killer-Haselnüsse? Oder - und das ist meine Haupttheorie - hat man herausgefunden, daß Zimtsterne abhängig machen und Zimtsternproduzenten werden nun mit Class-Action-Suits überzogen, während "Big Zimtstern" (oder heißen die "Big Red") mit Mafia-Methoden zurückschlagen?
Ist der Weihnachtsmann, der sich seit Urzeiten von Coca-Cola sponsoren läßt ein Mitangeklagter oder nur Zeuge? Was wußte er von der Verschwörung?
Ehrlich gesagt sind mir alte Männer, die darauf bestehen, daß sich kleine Kinder auf ihren Schoß setzen immer suspekt gewesen. Wenn die auch noch von einem internationalen Megakonzern ausgestattet und unterstützt werden, wird meine Skepsis nur noch größer.
Vermutlich ist das der Grund, warum ich keine Weihnachtsgeschenke mehr bekomme...
Na gut, lieber Weihnachtsmann, ich gebe auf! Nur bitte schaff die Zimtsterne wieder ins Regal!
Samstag, 19. Oktober 2013
Hör mal, wer da kritisiert...
Man kann viel Kritik an der UN anbringen und bleibt immer noch auf dem Boden des Mainstreams. Es herrscht zum Beispiel Einigkeit darüber, daß die Zusammensetzung der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats eine Weltordnuns widerspiegelt, die es längst nicht mehr gibt.
Man kann das Veto-System kritisieren, welches zu Jahrzehntelangem Stillstand geführt hat, kritisieren.
Man kann kritisieren, daß die Vereinten Nationen so gut wie keine Krise wirklich gelöst bekommen haben, was auch wiederum mit der ideologischen Trennlinien im Weltsicherheitsrat zu tun hat, aber auch mit der drastischen Unter- bis Mißrepräsentation ehemaliger Entwicklungsländer wie z.B. Indien und Brasilien. Während die EU zwei von fünf Veto-Mächten stellt, darunter übrigens nicht die stärkste Volkswirtschaft, Deutschland, sind weder Südamerika, noch Afrika, noch Australien überhaupt vertreten. Selbst das riesige Asien stellt nur China als Vetomacht - wenn man Rußland nicht als asiatischen Staat ansieht.
Die Machtlösigkeit der UN zeigte sich jüngst wieder in Libyen, Ägypten und auch Syrien.
Als Folge dessen kam es am Freitag zu einem ungewöhnlichen Schritt, etwas nie dagewesenem. Saudi Arabien wurde als nicht-ständiges Mitglied in den Sicherheitsrat gewählt und weigert sich, den Sitz einzunehmen. Das hat es bisher nicht gegeben. Ist es ein Fanal zum Ende der UN? Ist es ein berechtigter Protest? Ist es ein kluger Protest?
Ungewöhnlich war es nicht, daß grade Saudi Arabien den Sitz ablehnte. Auch wenn die Saudis in der letzten Zeit wieder aktiver auf der Weltbühne agiert haben und angeblich auch ihre UN-Diplomaten für höhere Aufgaben schulen ließen, so hat die jüngste Machtlosigkeit der UN grade tief in den Wirkungsbereich der Saudis eingeschnitten.
Die Saudis, die Mekka und Medina in ihrem Staatsgebiet beherbergen, sehen sich nach wie vor als Hüter des wahren Islam. Als ihren Hauptgegner machen sie dabei den schiitischen Iran aus. Die Rivalität beider Staaten hat lange Tradition. In der letzten Zeit bemühen sich die Saudis um eine Allianz der sunnitischen Golfstaaten, um den Einfluß des Iran in seine Schranken zu verweisen.
Dabei gilt es, den Druck auf den Iran wegen seines Atomprogramms aufrecht zu erhalten, den Einfluß der Schiiten im Irak klein zu halten und Syrien als Einflußzentrale der Schiiten im Nahen Osten zu bremsen.
Die Saudis sind langjährige Gegner des Assad-Regimes und zeigen sich, zu Recht, verwundert über die lauwarme Haltung des Westens gegen dessen Regime. In Verbindung mit der ungewöhnlichen Zurückhaltung in Ägypeten und Libyen stellen sie das Engagement des Westens und damit der UN zur freien Selbstbestimmung der Völker in Frage.
Wenn wir mal ehrlich sind, hat es dieses ständig zu Propagandazwecken hervorgekramte Recht niemals gegeben. Als Wilson es in seinen 14 Punkten formulierte, hielt es niemanden davon ab, die Vereinigung von Deutschland und einem nicht mehr überlebensfähigen Österreich nach dem ersten Weltkrieg zu verbieten. Volksabstimmungen in annektierten Gebieten gab es nicht. In Korea kümmerte sich niemand darum, was die Koreaner wollten, ebensowenig, wie in Vietnam. Es ging um die Machtverteilung entlang der ideologischen Grenzen der Blöcke.
Und heute überlegt sich der Westen - meiner Ansicht nach nachvollziehbar - ob er eine ägyptische Revolution unterstützen und bewaffnen soll, die am Ende nach dem Tod des Westens schreit.
Aber das sind meine Ansichten und ich bin kein Saudi. Für die zeigt sich eine Doppelmoral des Westens und seiner Erfindung, der UN deutlich. Ist es im nationalen Interesse der Mächte, wird gehandelt, wenn nicht, dann eben nicht. An dieser Doppelmoral will das saudische Königshaus nicht teilhaben. Brav.
Aber exakt an dem Punkt muß ich dann doch mal einhaken. Die Saudis als Vollstrecker der freien Selbstbestimmung der Völker? Lachhaft! Nur wenige Staaten sind so repressiv, wie die Saudis im Umgang mit ihrem eigenen Volk. Würde sich das Regime nicht auf deutsche und amerikanische Waffenlieferungen stützen können, wäre es längst Geschichte. Wo also liegt hier die Doppelmoral?
Doch aus der Sicht der Saudis ist die Kritik natürlich gerechtfertigt. Es kann wohl auch niemand verlangen, dass sie von sich selbst behaupten, ihr Volk zu unterdrücken! Also kehrt man lieber vor anderleuts Haustür und das ist eine der wenigen Dinge, die westliche Staaten und die Saudis gemeinsam haben. Die UN ist da ein prima Ziel. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sie es nicht geschafft, den israelisch-arabischen Konflikt in Palästina zu beenden oder auch nur zu moderieren. In Syrien schickt sie die Botschaft: protestierende Bürger zu erschießen ist in Ordnung, aber wehe, ihr setzt Giftgas ein!
Die Befürchtung der Saudis dürfte sein, daß die Zurückhaltung des Westens in Syrien im Iran als Schwäche angesehen wird, welche dieser zu größeren Zugeständnissen wegen seines Atomprogramms nutzen könnte. Ein atomar bewaffneter Iran ist für dei Saudis genauso eine Horrovorstellung, wie für den Westen und Israel.
Sie mußten also etwas drastisches tun. Was wäre also besser gewesen, als einen historischen Schritt zu vollziehen, den noch keiner vor ihnen getan hat? Auf diese Art und Weise werden die westlichen Medien hellhörig und berichten über die Sorgen der Saudis, die sonst wohl in unseren Breiten ungehört geblieben wären. Mission accomplished. Aber war das klug?
Nunja, hellhörig sind wir geworden. Das zeigt auch der sehr gute Artikel auf cnn.com
http://edition.cnn.com/2013/10/19/opinion/saudi-arabia-security-council-phillips/index.html?hpt=hp_c1
Aber wird es nicht gleichzeitig den Scheinwerfer auf die Doppelmoral der Saudis, von der ich sprach scheinen? Wird es nicht weiterhin das Vorurteil des Westens schüren, islamische Staaten wären prima im Zerstören, aber lausig im Aufbauen?
Hätte man die Öffentlichkeit nicht im Rahmen des Sitzes im Weltsicherheitsrat auf die Mißstaände besser aufmerksam machen können und hätte das nicht den Eindruck erweckt, wenigsten die Saudis übernähmen Verantwortung?
Nun, sie haben sich anders entschieden. Mal schauen, wie sie damit klarkommen, wenn jetzt das UN-Establishment zurückschießt und ihnen die Reife zur Mitarbeit abspricht, denn das kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Man kann das Veto-System kritisieren, welches zu Jahrzehntelangem Stillstand geführt hat, kritisieren.
Man kann kritisieren, daß die Vereinten Nationen so gut wie keine Krise wirklich gelöst bekommen haben, was auch wiederum mit der ideologischen Trennlinien im Weltsicherheitsrat zu tun hat, aber auch mit der drastischen Unter- bis Mißrepräsentation ehemaliger Entwicklungsländer wie z.B. Indien und Brasilien. Während die EU zwei von fünf Veto-Mächten stellt, darunter übrigens nicht die stärkste Volkswirtschaft, Deutschland, sind weder Südamerika, noch Afrika, noch Australien überhaupt vertreten. Selbst das riesige Asien stellt nur China als Vetomacht - wenn man Rußland nicht als asiatischen Staat ansieht.
Die Machtlösigkeit der UN zeigte sich jüngst wieder in Libyen, Ägypten und auch Syrien.
Als Folge dessen kam es am Freitag zu einem ungewöhnlichen Schritt, etwas nie dagewesenem. Saudi Arabien wurde als nicht-ständiges Mitglied in den Sicherheitsrat gewählt und weigert sich, den Sitz einzunehmen. Das hat es bisher nicht gegeben. Ist es ein Fanal zum Ende der UN? Ist es ein berechtigter Protest? Ist es ein kluger Protest?
Ungewöhnlich war es nicht, daß grade Saudi Arabien den Sitz ablehnte. Auch wenn die Saudis in der letzten Zeit wieder aktiver auf der Weltbühne agiert haben und angeblich auch ihre UN-Diplomaten für höhere Aufgaben schulen ließen, so hat die jüngste Machtlosigkeit der UN grade tief in den Wirkungsbereich der Saudis eingeschnitten.
Die Saudis, die Mekka und Medina in ihrem Staatsgebiet beherbergen, sehen sich nach wie vor als Hüter des wahren Islam. Als ihren Hauptgegner machen sie dabei den schiitischen Iran aus. Die Rivalität beider Staaten hat lange Tradition. In der letzten Zeit bemühen sich die Saudis um eine Allianz der sunnitischen Golfstaaten, um den Einfluß des Iran in seine Schranken zu verweisen.
Dabei gilt es, den Druck auf den Iran wegen seines Atomprogramms aufrecht zu erhalten, den Einfluß der Schiiten im Irak klein zu halten und Syrien als Einflußzentrale der Schiiten im Nahen Osten zu bremsen.
Die Saudis sind langjährige Gegner des Assad-Regimes und zeigen sich, zu Recht, verwundert über die lauwarme Haltung des Westens gegen dessen Regime. In Verbindung mit der ungewöhnlichen Zurückhaltung in Ägypeten und Libyen stellen sie das Engagement des Westens und damit der UN zur freien Selbstbestimmung der Völker in Frage.
Wenn wir mal ehrlich sind, hat es dieses ständig zu Propagandazwecken hervorgekramte Recht niemals gegeben. Als Wilson es in seinen 14 Punkten formulierte, hielt es niemanden davon ab, die Vereinigung von Deutschland und einem nicht mehr überlebensfähigen Österreich nach dem ersten Weltkrieg zu verbieten. Volksabstimmungen in annektierten Gebieten gab es nicht. In Korea kümmerte sich niemand darum, was die Koreaner wollten, ebensowenig, wie in Vietnam. Es ging um die Machtverteilung entlang der ideologischen Grenzen der Blöcke.
Und heute überlegt sich der Westen - meiner Ansicht nach nachvollziehbar - ob er eine ägyptische Revolution unterstützen und bewaffnen soll, die am Ende nach dem Tod des Westens schreit.
Aber das sind meine Ansichten und ich bin kein Saudi. Für die zeigt sich eine Doppelmoral des Westens und seiner Erfindung, der UN deutlich. Ist es im nationalen Interesse der Mächte, wird gehandelt, wenn nicht, dann eben nicht. An dieser Doppelmoral will das saudische Königshaus nicht teilhaben. Brav.
Aber exakt an dem Punkt muß ich dann doch mal einhaken. Die Saudis als Vollstrecker der freien Selbstbestimmung der Völker? Lachhaft! Nur wenige Staaten sind so repressiv, wie die Saudis im Umgang mit ihrem eigenen Volk. Würde sich das Regime nicht auf deutsche und amerikanische Waffenlieferungen stützen können, wäre es längst Geschichte. Wo also liegt hier die Doppelmoral?
Doch aus der Sicht der Saudis ist die Kritik natürlich gerechtfertigt. Es kann wohl auch niemand verlangen, dass sie von sich selbst behaupten, ihr Volk zu unterdrücken! Also kehrt man lieber vor anderleuts Haustür und das ist eine der wenigen Dinge, die westliche Staaten und die Saudis gemeinsam haben. Die UN ist da ein prima Ziel. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sie es nicht geschafft, den israelisch-arabischen Konflikt in Palästina zu beenden oder auch nur zu moderieren. In Syrien schickt sie die Botschaft: protestierende Bürger zu erschießen ist in Ordnung, aber wehe, ihr setzt Giftgas ein!
Die Befürchtung der Saudis dürfte sein, daß die Zurückhaltung des Westens in Syrien im Iran als Schwäche angesehen wird, welche dieser zu größeren Zugeständnissen wegen seines Atomprogramms nutzen könnte. Ein atomar bewaffneter Iran ist für dei Saudis genauso eine Horrovorstellung, wie für den Westen und Israel.
Sie mußten also etwas drastisches tun. Was wäre also besser gewesen, als einen historischen Schritt zu vollziehen, den noch keiner vor ihnen getan hat? Auf diese Art und Weise werden die westlichen Medien hellhörig und berichten über die Sorgen der Saudis, die sonst wohl in unseren Breiten ungehört geblieben wären. Mission accomplished. Aber war das klug?
Nunja, hellhörig sind wir geworden. Das zeigt auch der sehr gute Artikel auf cnn.com
http://edition.cnn.com/2013/10/19/opinion/saudi-arabia-security-council-phillips/index.html?hpt=hp_c1
Aber wird es nicht gleichzeitig den Scheinwerfer auf die Doppelmoral der Saudis, von der ich sprach scheinen? Wird es nicht weiterhin das Vorurteil des Westens schüren, islamische Staaten wären prima im Zerstören, aber lausig im Aufbauen?
Hätte man die Öffentlichkeit nicht im Rahmen des Sitzes im Weltsicherheitsrat auf die Mißstaände besser aufmerksam machen können und hätte das nicht den Eindruck erweckt, wenigsten die Saudis übernähmen Verantwortung?
Nun, sie haben sich anders entschieden. Mal schauen, wie sie damit klarkommen, wenn jetzt das UN-Establishment zurückschießt und ihnen die Reife zur Mitarbeit abspricht, denn das kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Donnerstag, 17. Oktober 2013
Idole
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." Dieses Bonmot stammt wohl von Albert Einstein und immer öfter erkenne ich in mir die gleiche Geisteshaltung.
Vielleicht sollten wir uns weniger fragen, ob der Mensch von grundauf gut oder böse ist und uns vielmehr die Frage stellen, wie dumm die Mehrheit der Menschen wirklich ist. Denn ein weiteres Sprichwort sagt:"Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht." Wie oft schon haben dumme Mitläufer die Gräueltaten von Verbrechern erst wirklich möglich gemacht?
"Richtig!" wird jetzt so manch einer rufen und in ein unendliches Wehklagen über die Verdummung anstimmen, die das Fernsehen grade in den letzten Jahren durchgeführt hat.
Doch die Dummheit der Massen ist viel älter als "Barbara Salesch", "Deutschland sucht den Superstar", "Germanys next Topmodel" oder die Asitalkshows am Mittag. Versteht mich nicht falsch: dass das Fernsehen seinen Bildungsauftrag mit Panem et Circensis bezahlt, macht die Sache nicht besser, aber so manch einer, der sich heute als gebildet geriert und die Nase darüber rümpft, ist selbst ein Vollpfosten bohlenschen Ausmaßes.
Die Tatsache, daß diese Menschen Wahlrecht haben, läßt in mir die gleichen Gefühle aufkommen, wie beim persischen Geheimdienst anläßlich des Schah Besuchs in Deutschland. Einfach mal mit einer langen Holzlatte dreinschlagen.
Ich frage mich allen Ernstes, woher manche Leute ihre Idole haben. Niemand würde auf die Idee kommen, mit einem Hitler-T-Shirt rumzulaufen (Er würde sich auch strafbar machen), selbst das Konterfei Stalins ziert keine Mode mehr. Aber trotzdem laufen Leute mit dem Abbild Che Guevaras herum oder winken mit dem kleinen roten Büchlein, der Mao-Bibel.

Leute, die heute über Drohnenangriffe auf Al-Qaeda-Terroristen jammern, verehren John F. Kennedy. Die Wenigsten der Leute, die sich derartigen Moden unterwerfen, haben eine Ahnung, was sie da genau unterstützen, sie folgen einem Trend.
Wen interessiert schon, daß Mao erheblich mehr Menschen auf dem Gewissen hat, als Hitler und Stalin zusammen? Wen interessiert es, daß das menschenverachtende Rüstungsprogramm Maos dazu führte, daß 1960 die Chinesen nach offiziellen staatlichen Angaben mit 1534,8 Kalorien am Tag, glaubt man anderen Schätzungen chinesischer Offizieller waren es sogar maximal 1200 Kalorien. In Auschwitz haben die Sklavenarbeiter zum Vergleich 1.300-1.700 Kalorien zur Verfügung gehabt. Wozu das führte, weiß jedes Schulkind. Für ca. 70 Millionen Tode in Friedenszeiten soll Mao verantwortlich sein. Dabei sind die Opfer seiner "Menschenwellen"-Strategie z.B. im Koreakrieg noch nicht berücksichtigt. "Menschen haben wir mehr als genug" pflegte er zu sagen.
Dabei war er kein Kommunist, wie man ihn sich vorstellt. Arbeiter und Bauern waren ihm egal und nur ein Mittel zur Machtgewinnung. Verschleißmaterial.
Nun muß man den meisten Leute, die ihre Mao-Bibeln in Kameras halten zugute halten, daß sie sie nicht gelesen haben. Die Provokation des Buches reicht aus.
Hier ein kleiner Tip: Eine Bedienungsanleitung zum Benutzen von Büchern: Man wirft sie nicht ins Feuer, liebe Neonazis, auch wenn das noch so schöne Flammen macht und es reicht, liebe Kommunisten, nicht aus, den Titel in eine Kamera zu halten. Man muß es vorsichtig aufklappen und dann die Buchstaben einzeln entziffern, so daß sie Worte, ganze Sätze und am Ende vollständige Gedanken widerspiegeln!
Na gut, verzichten wir also auf die Mao-Bibel, aber das schicke T-Shirt mit Che Guevara kann ich doch tragen? Ein guter Kommunist, der sich von Castro losgesagt hat und der einfach Berufsrevolutionär war und für die kleinen Leute gestritten hat.
"Berufsrevolutionär" ist eine feine Umschreibung für einen Menschen, der nicht mehr zurecht kommt, wenn es darum geht, etwas aufzubauen, sondern er besser darin ist, Köpfe rollen zu lassen.
Im konkreten Fall haben wir es mit einem Sadisten zu tun, der gern folterte und es sich nicht nehmen ließ, Exekutionen selbst durchzuführen. Das hat er Hitler voraus, der war zu feige, seine eigenen Konzentrationslager zu besuchen. Che lebte in ihnen.
Wer möchte sowas nicht auf seinem T-Shirt haben als echter Menschenfreund!
Bleibt also noch der gute amerikanische Präsident John F. Kenndy. Aber da kann man doch nichts sagen! Der hat uns durch die Kubakrise geführt und uns allen Hoffnung gegeben!
Die Frage, ob, wie Seymore Hersh und andere behaupten, die Mafia seine Wahl ermöglicht hat, können wir getrost außen vor lassen. Sicher ist, daß moderne Regeln der Demokratie nicht wirklich was mit seinem Wahlsieg in einigen Schlüsselregionen zu tun hatten. Schwamm drüber, das war bei früheren US-Präsidenten auch nicht anders.
Unbestritten ist, daß er ein Junkie war, der alles genagelt hat, was nicht bei drei auf den Bäumen war und in etwa so viel von Frauen hielt. Im Gegensatz zu seinem als konservativ geltenden Bruder Robert, hat er sich nie mit Martin Luther King getroffen, verachtete insgeheim sogar die Schwarzen. Seine einzige Gesetzesinitiative war ein Housing Project. Seine Krankenakten, die Ende der 90er ihren Geheimschutz verloren zeichnen ein horrendes Bild vom Musterpräsidenten. Die meiste Zeit war er so unter Schmerzmitteln, die er sich von verschiedenen Ärzten unabhängig voneinander beschafft hatte, nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn zu regieren.
Seinem Tagebuch zufolge haßte der junge "Berliner" Kennedy Deutschland und die Deutschen.
Die Kubakrise könnte man durchaus auch auf die vielen von Kennedy angeordneten Mordversuche der CIA an Castro oder die katastrophale Invasion in der Schweinebucht zurückführen. Aber wer wird schon einen großen Mann mit solchen Kleinigkeiten belasten?
Dumm ist dabei nur, daß auch hier Robert Kennedy die Kastanien aus dem Feuer holte und in letzter Minute eine Einigung mit den Russen erzielt hat, als der Präsident schon aufgeben wollte.
Ich könnte noch eine Menge unschmeichelhaftes über den Vorzeigepräsidenten schreiben und trotzdem haben wir, wie so viele deutsche Städte ein "Kennedy-Ufer" in Köln. Ich habe nicht genug Speichel, um meiner Verachtung dafür ausreichend Ausdruck zu verleihen!
Bleibt also die Frage: Muß man Massenmöder sein, damit man ein Idol der Massen wird? Oder wie schaffen es solche Bestien in Menschengestalt immer noch von Schwachköpfen vergöttert zu werden. Ist das Maß des Menschen wirklich seine Tauglichkeit auf T-Shirts und Postern?
"Der Führer war ne schöne Mann!" hört man heute noch so manche greise Frau flüstern. Ist mir egal, er war ein Arschloch, ein Massenmörder und jemand, der die Welt in Brand gesteckt hat. Was ist denn bitte wichtiger? Für mich letzteres, aber an der Wahlurne entscheiden die Leute, die glauben, der "Führer war ne schöne Mann." Heute richtet sich ihr Augenmerk nicht mehr auf den "Böhmischen Gefreiten", wie ihn Hindenburg abschätzig zu nennen pflegte, sondern auf seine geistigen Brüder, deren Verehrung hierzulande nicht unter Strafe steht. Und mit solchen Leuten soll ich gemeinsam zur Wahlurne schreiten? "Democracy Shtonk" sagt der unsterbliche Charlie Chaplin, der meines Wissens niemanden auf dem Gewissen hat, im "Großen Diktator", um Hitler lächerlich zu machen. Ich nehme das wörtlich und fordere: gebt mir den Kaiser zurück - oder besser noch: gebt mir den Job, denn die Demokratie hat mit solchem Wahlvolk versagt!
Vielleicht sollten wir uns weniger fragen, ob der Mensch von grundauf gut oder böse ist und uns vielmehr die Frage stellen, wie dumm die Mehrheit der Menschen wirklich ist. Denn ein weiteres Sprichwort sagt:"Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht." Wie oft schon haben dumme Mitläufer die Gräueltaten von Verbrechern erst wirklich möglich gemacht?
"Richtig!" wird jetzt so manch einer rufen und in ein unendliches Wehklagen über die Verdummung anstimmen, die das Fernsehen grade in den letzten Jahren durchgeführt hat.
Doch die Dummheit der Massen ist viel älter als "Barbara Salesch", "Deutschland sucht den Superstar", "Germanys next Topmodel" oder die Asitalkshows am Mittag. Versteht mich nicht falsch: dass das Fernsehen seinen Bildungsauftrag mit Panem et Circensis bezahlt, macht die Sache nicht besser, aber so manch einer, der sich heute als gebildet geriert und die Nase darüber rümpft, ist selbst ein Vollpfosten bohlenschen Ausmaßes.
Die Tatsache, daß diese Menschen Wahlrecht haben, läßt in mir die gleichen Gefühle aufkommen, wie beim persischen Geheimdienst anläßlich des Schah Besuchs in Deutschland. Einfach mal mit einer langen Holzlatte dreinschlagen.
Ich frage mich allen Ernstes, woher manche Leute ihre Idole haben. Niemand würde auf die Idee kommen, mit einem Hitler-T-Shirt rumzulaufen (Er würde sich auch strafbar machen), selbst das Konterfei Stalins ziert keine Mode mehr. Aber trotzdem laufen Leute mit dem Abbild Che Guevaras herum oder winken mit dem kleinen roten Büchlein, der Mao-Bibel.

Leute, die heute über Drohnenangriffe auf Al-Qaeda-Terroristen jammern, verehren John F. Kennedy. Die Wenigsten der Leute, die sich derartigen Moden unterwerfen, haben eine Ahnung, was sie da genau unterstützen, sie folgen einem Trend.
Wen interessiert schon, daß Mao erheblich mehr Menschen auf dem Gewissen hat, als Hitler und Stalin zusammen? Wen interessiert es, daß das menschenverachtende Rüstungsprogramm Maos dazu führte, daß 1960 die Chinesen nach offiziellen staatlichen Angaben mit 1534,8 Kalorien am Tag, glaubt man anderen Schätzungen chinesischer Offizieller waren es sogar maximal 1200 Kalorien. In Auschwitz haben die Sklavenarbeiter zum Vergleich 1.300-1.700 Kalorien zur Verfügung gehabt. Wozu das führte, weiß jedes Schulkind. Für ca. 70 Millionen Tode in Friedenszeiten soll Mao verantwortlich sein. Dabei sind die Opfer seiner "Menschenwellen"-Strategie z.B. im Koreakrieg noch nicht berücksichtigt. "Menschen haben wir mehr als genug" pflegte er zu sagen.
Dabei war er kein Kommunist, wie man ihn sich vorstellt. Arbeiter und Bauern waren ihm egal und nur ein Mittel zur Machtgewinnung. Verschleißmaterial.
Nun muß man den meisten Leute, die ihre Mao-Bibeln in Kameras halten zugute halten, daß sie sie nicht gelesen haben. Die Provokation des Buches reicht aus.
Hier ein kleiner Tip: Eine Bedienungsanleitung zum Benutzen von Büchern: Man wirft sie nicht ins Feuer, liebe Neonazis, auch wenn das noch so schöne Flammen macht und es reicht, liebe Kommunisten, nicht aus, den Titel in eine Kamera zu halten. Man muß es vorsichtig aufklappen und dann die Buchstaben einzeln entziffern, so daß sie Worte, ganze Sätze und am Ende vollständige Gedanken widerspiegeln!
Na gut, verzichten wir also auf die Mao-Bibel, aber das schicke T-Shirt mit Che Guevara kann ich doch tragen? Ein guter Kommunist, der sich von Castro losgesagt hat und der einfach Berufsrevolutionär war und für die kleinen Leute gestritten hat.
"Berufsrevolutionär" ist eine feine Umschreibung für einen Menschen, der nicht mehr zurecht kommt, wenn es darum geht, etwas aufzubauen, sondern er besser darin ist, Köpfe rollen zu lassen.
Im konkreten Fall haben wir es mit einem Sadisten zu tun, der gern folterte und es sich nicht nehmen ließ, Exekutionen selbst durchzuführen. Das hat er Hitler voraus, der war zu feige, seine eigenen Konzentrationslager zu besuchen. Che lebte in ihnen.
Wer möchte sowas nicht auf seinem T-Shirt haben als echter Menschenfreund!
Bleibt also noch der gute amerikanische Präsident John F. Kenndy. Aber da kann man doch nichts sagen! Der hat uns durch die Kubakrise geführt und uns allen Hoffnung gegeben!
Die Frage, ob, wie Seymore Hersh und andere behaupten, die Mafia seine Wahl ermöglicht hat, können wir getrost außen vor lassen. Sicher ist, daß moderne Regeln der Demokratie nicht wirklich was mit seinem Wahlsieg in einigen Schlüsselregionen zu tun hatten. Schwamm drüber, das war bei früheren US-Präsidenten auch nicht anders.
Unbestritten ist, daß er ein Junkie war, der alles genagelt hat, was nicht bei drei auf den Bäumen war und in etwa so viel von Frauen hielt. Im Gegensatz zu seinem als konservativ geltenden Bruder Robert, hat er sich nie mit Martin Luther King getroffen, verachtete insgeheim sogar die Schwarzen. Seine einzige Gesetzesinitiative war ein Housing Project. Seine Krankenakten, die Ende der 90er ihren Geheimschutz verloren zeichnen ein horrendes Bild vom Musterpräsidenten. Die meiste Zeit war er so unter Schmerzmitteln, die er sich von verschiedenen Ärzten unabhängig voneinander beschafft hatte, nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn zu regieren.
Seinem Tagebuch zufolge haßte der junge "Berliner" Kennedy Deutschland und die Deutschen.
Die Kubakrise könnte man durchaus auch auf die vielen von Kennedy angeordneten Mordversuche der CIA an Castro oder die katastrophale Invasion in der Schweinebucht zurückführen. Aber wer wird schon einen großen Mann mit solchen Kleinigkeiten belasten?
Dumm ist dabei nur, daß auch hier Robert Kennedy die Kastanien aus dem Feuer holte und in letzter Minute eine Einigung mit den Russen erzielt hat, als der Präsident schon aufgeben wollte.
Ich könnte noch eine Menge unschmeichelhaftes über den Vorzeigepräsidenten schreiben und trotzdem haben wir, wie so viele deutsche Städte ein "Kennedy-Ufer" in Köln. Ich habe nicht genug Speichel, um meiner Verachtung dafür ausreichend Ausdruck zu verleihen!
Bleibt also die Frage: Muß man Massenmöder sein, damit man ein Idol der Massen wird? Oder wie schaffen es solche Bestien in Menschengestalt immer noch von Schwachköpfen vergöttert zu werden. Ist das Maß des Menschen wirklich seine Tauglichkeit auf T-Shirts und Postern?
"Der Führer war ne schöne Mann!" hört man heute noch so manche greise Frau flüstern. Ist mir egal, er war ein Arschloch, ein Massenmörder und jemand, der die Welt in Brand gesteckt hat. Was ist denn bitte wichtiger? Für mich letzteres, aber an der Wahlurne entscheiden die Leute, die glauben, der "Führer war ne schöne Mann." Heute richtet sich ihr Augenmerk nicht mehr auf den "Böhmischen Gefreiten", wie ihn Hindenburg abschätzig zu nennen pflegte, sondern auf seine geistigen Brüder, deren Verehrung hierzulande nicht unter Strafe steht. Und mit solchen Leuten soll ich gemeinsam zur Wahlurne schreiten? "Democracy Shtonk" sagt der unsterbliche Charlie Chaplin, der meines Wissens niemanden auf dem Gewissen hat, im "Großen Diktator", um Hitler lächerlich zu machen. Ich nehme das wörtlich und fordere: gebt mir den Kaiser zurück - oder besser noch: gebt mir den Job, denn die Demokratie hat mit solchem Wahlvolk versagt!
Montag, 14. Oktober 2013
In-Diez-ienprozess
Freundschaft ist eine merkwüridge Sache. Für mich war sie die meiste Zeit meines Lebens das Wichtigste überhaupt. Das liegt natürlich auch daran, dass ich nach dem Tod meiner Mutter praktisch ohne Familie aufgewachsen bin. Ich habe mir meine Familie selbst ausgesucht - oder sie mich.
Ich bin sehr stolz sowohl auf die Länge, als auch die Intensität meiner Freundschaften, aber trotzdem verstehe ich immer noch nicht ihre vollständige Mechanik. Bei vielen Freunden weiß ich gar nicht mehr, wie alles angefangen hat. Ich weiß auch nicht, ob das wichtig ist.
An eine Geschichte kann ich mich aber noch gut erinnern. Sie beginnt im Jahre 83 oder 84 auf einem Bahnsteig mit einem Jungen, dessen brauner Lederaktenkoffer sich öffnet wodurch der Inhalt - ausschließlich Cola-Dosen - über den Bahnsteig rollen. Ein Bild perfekter Hilflosigkeit.
Wir waren auf dem Weg zu unserer Klassenfahrt nach Diez an der Lahn. Schwerlich der Nabel der Welt, aber 13jährige, die in eine Jugendherberge auf einer Burg fahren, sind leicht zufriedenzustellen. Der Klassenverbund war noch recht neu, zwei Klassen wurden in der 7. Klasse nach der Wahl der zweiten Fremdsprache neu zusammengestellt. Ich gehörte der Lateinklasse an.
Auf die Klassenfahrt hatte ich mich sehr gefreut, im Vorfeld war alles geplant gewesen. Ich würde auf ein Zimmer mit Volker, einem Freund aus der Grundschule, Schu, meinem langjährig besten Freund sowie Boris und Matthias, zwei noch recht neuen Freunden, der aus der Klasse kamen, mit der wir zusammengelegt wurden, gehen.
Rennen fand ich damals bereits unschicklich, außerdem war ja alles abgesprochen. Also trottete ich langsam in Richtung des Zimmers, das meine Freunde bereits besetzt hatten. Eigentlich wollte ich meine Sachen jetzt auf das verbliebene Bett werfen, doch da hatte sich bereits der Meier breit gemacht. Ihm waren unsere Absprachen egal und er sah es nicht ein, seinen Platz in dem Zimmer zu räumen. Unserem massigen Mathelehrer, der auch für seinen Körper die Kugel als Idealform auserkoren hatte, war das ebenfalls Latte. "Das Zimmer ist belegt, da hinten ist noch eins frei." Mit diesen Worten landete ich in dem Zimmer der Übriggebliebenen. Derjenigen, die nicht vorher geplant hatten und derjenigen, die, nunja, nicht sonderlich beliebt waren.
Zu Beginn war ich kreuzunglücklich, aber es stellte sich schon sehr bald als ein Glücksgriff raus. In diesem Zimmer lagen neben zwei Außenseitern auch der Junge mit dem Aktenkoffer und Ansgar, ein sportverrückter Wirrkopf mit fantastischem Sinn für Humor und ein späterer langjähriger Freund und Weggefährte. Bei dem Jungen mit dem Aktenkoffer handelte es sich um Hendrik, einem Freund, der mich unter anderem in meinem Musikgeschmack entscheidend geprägt hat.
Ich weiß nicht, wie es in dem anderen Zimmer war, obwohl wir viel mit den Jungs dort unternommen hatten, aber wir hatten jedenfalls eine Menge Spaß in unserem Zimmer!
Der Rest der Klassenfahrt ist Stoff für Mythen. Die Geschichte einer bösen Prinzessin, deren Untertanen die Schnauze voll von ihr hatten, der Spaltung der Klasse an "Gefühlen und Problemen", die Erkenntnisse, dass Jungs nicht weinen und dass der Meier Frank heißt und nicht "Juut", vor allem aber, daß die linken Ideale von globaler Freundschaft bereits in einer Klasse pubertierender Kids an einem Telefonzirkel scheitern.
Über all das könnte man seitenweise schreiben, aber die Essenz dieser Klassenfahrt war die Konstituierung meines ersten langjährigen Freundeskreises - ohne Regeln, festgelegte Telefonzirkel und erzwungenes "ich bin okay, Du bist okay". Wir brauchten niemanden künstlich zu integrieren, wir mochten uns einfach so. Unser Credo war eher:"Ich bin okay, und Du kannst schauen, wo der Pfeffer wächst." Es funktionierte und wir konnnten uns auch immer aufeinander verlassen.
Wir blieben alle noch lange befreundet. Weit über die Schulzeit, über die Uni hinaus, teilweise bis zum heutigen Tage. Wir haben uns nicht ständig gesehen und sind derzeit über die Republik verteilt. Aber immer, wenn wir zusammenkommen, ist es, als wären wir nie getrennt gewesen. Es sind immer noch die alten Geschichten, Zitate und Kabbeleien.
So habe ich mich heute abend auch wahnsinnig gefreut, mit Boris und Hendrik gemeinsam was trinken zu gehen. Hendrik hatte ich ca. 20 Jahre nicht mehr gesehen und es gab eine Menge aufzuholen und der eine Abend reichte sicher nicht aus. Aber es ist faszinierend, dass man nach so langer Zeit immer noch eine Menge zu erzählen und so viel gemeinsam zu lachen hat.
Ich bin stolz auf meine Freunde. Nicht deswegen, weil sie (fast?) alle klüger sind als ich. Nicht deswegen, weil es interessante Personen sind, sondern schlicht und ergreifend deswegen, weil man auch noch nach dreißig Jahren immer noch gemeinsam Spaß haben kann, auch wenn sich so viel im Leben geändert hat.
Sicher ist der eine oder andere auf dem Weg zurückgeblieben, so manche Freundschaft ist auch eingeschlafen. Aber daß es überhaupt Menschen schaffen, so lange beisammen zu bleiben, ist schon ein Verdienst, das so manche Ehe nicht schafft.
In diesem Sinne kann nur empfehlen, seine Freundschaften zu pflegen. sie gehören zu den wenigen Dingen im Leben, die mit der Zeit besser werden. Ich jedenfalls bin dankbar für meine Freunde. Ob sie aus der Zeit in Diez stammen oder ob sie später in mein Leben getreten sind.
Und so beschließe ich den Abend mit einem passenden Zitat:"Noch 'ne Runde Schampus und für die Nutten noch'n Eierlikör!"
(Ansgar, Volker, Ulrike, ich, Schu auf Boris' und
Annettes Hochzeit)
Ich bin sehr stolz sowohl auf die Länge, als auch die Intensität meiner Freundschaften, aber trotzdem verstehe ich immer noch nicht ihre vollständige Mechanik. Bei vielen Freunden weiß ich gar nicht mehr, wie alles angefangen hat. Ich weiß auch nicht, ob das wichtig ist.
An eine Geschichte kann ich mich aber noch gut erinnern. Sie beginnt im Jahre 83 oder 84 auf einem Bahnsteig mit einem Jungen, dessen brauner Lederaktenkoffer sich öffnet wodurch der Inhalt - ausschließlich Cola-Dosen - über den Bahnsteig rollen. Ein Bild perfekter Hilflosigkeit.
Wir waren auf dem Weg zu unserer Klassenfahrt nach Diez an der Lahn. Schwerlich der Nabel der Welt, aber 13jährige, die in eine Jugendherberge auf einer Burg fahren, sind leicht zufriedenzustellen. Der Klassenverbund war noch recht neu, zwei Klassen wurden in der 7. Klasse nach der Wahl der zweiten Fremdsprache neu zusammengestellt. Ich gehörte der Lateinklasse an.
Auf die Klassenfahrt hatte ich mich sehr gefreut, im Vorfeld war alles geplant gewesen. Ich würde auf ein Zimmer mit Volker, einem Freund aus der Grundschule, Schu, meinem langjährig besten Freund sowie Boris und Matthias, zwei noch recht neuen Freunden, der aus der Klasse kamen, mit der wir zusammengelegt wurden, gehen.
Rennen fand ich damals bereits unschicklich, außerdem war ja alles abgesprochen. Also trottete ich langsam in Richtung des Zimmers, das meine Freunde bereits besetzt hatten. Eigentlich wollte ich meine Sachen jetzt auf das verbliebene Bett werfen, doch da hatte sich bereits der Meier breit gemacht. Ihm waren unsere Absprachen egal und er sah es nicht ein, seinen Platz in dem Zimmer zu räumen. Unserem massigen Mathelehrer, der auch für seinen Körper die Kugel als Idealform auserkoren hatte, war das ebenfalls Latte. "Das Zimmer ist belegt, da hinten ist noch eins frei." Mit diesen Worten landete ich in dem Zimmer der Übriggebliebenen. Derjenigen, die nicht vorher geplant hatten und derjenigen, die, nunja, nicht sonderlich beliebt waren.
Zu Beginn war ich kreuzunglücklich, aber es stellte sich schon sehr bald als ein Glücksgriff raus. In diesem Zimmer lagen neben zwei Außenseitern auch der Junge mit dem Aktenkoffer und Ansgar, ein sportverrückter Wirrkopf mit fantastischem Sinn für Humor und ein späterer langjähriger Freund und Weggefährte. Bei dem Jungen mit dem Aktenkoffer handelte es sich um Hendrik, einem Freund, der mich unter anderem in meinem Musikgeschmack entscheidend geprägt hat.
Ich weiß nicht, wie es in dem anderen Zimmer war, obwohl wir viel mit den Jungs dort unternommen hatten, aber wir hatten jedenfalls eine Menge Spaß in unserem Zimmer!
Der Rest der Klassenfahrt ist Stoff für Mythen. Die Geschichte einer bösen Prinzessin, deren Untertanen die Schnauze voll von ihr hatten, der Spaltung der Klasse an "Gefühlen und Problemen", die Erkenntnisse, dass Jungs nicht weinen und dass der Meier Frank heißt und nicht "Juut", vor allem aber, daß die linken Ideale von globaler Freundschaft bereits in einer Klasse pubertierender Kids an einem Telefonzirkel scheitern.
Über all das könnte man seitenweise schreiben, aber die Essenz dieser Klassenfahrt war die Konstituierung meines ersten langjährigen Freundeskreises - ohne Regeln, festgelegte Telefonzirkel und erzwungenes "ich bin okay, Du bist okay". Wir brauchten niemanden künstlich zu integrieren, wir mochten uns einfach so. Unser Credo war eher:"Ich bin okay, und Du kannst schauen, wo der Pfeffer wächst." Es funktionierte und wir konnnten uns auch immer aufeinander verlassen.
Wir blieben alle noch lange befreundet. Weit über die Schulzeit, über die Uni hinaus, teilweise bis zum heutigen Tage. Wir haben uns nicht ständig gesehen und sind derzeit über die Republik verteilt. Aber immer, wenn wir zusammenkommen, ist es, als wären wir nie getrennt gewesen. Es sind immer noch die alten Geschichten, Zitate und Kabbeleien.
So habe ich mich heute abend auch wahnsinnig gefreut, mit Boris und Hendrik gemeinsam was trinken zu gehen. Hendrik hatte ich ca. 20 Jahre nicht mehr gesehen und es gab eine Menge aufzuholen und der eine Abend reichte sicher nicht aus. Aber es ist faszinierend, dass man nach so langer Zeit immer noch eine Menge zu erzählen und so viel gemeinsam zu lachen hat.
Ich bin stolz auf meine Freunde. Nicht deswegen, weil sie (fast?) alle klüger sind als ich. Nicht deswegen, weil es interessante Personen sind, sondern schlicht und ergreifend deswegen, weil man auch noch nach dreißig Jahren immer noch gemeinsam Spaß haben kann, auch wenn sich so viel im Leben geändert hat.
Sicher ist der eine oder andere auf dem Weg zurückgeblieben, so manche Freundschaft ist auch eingeschlafen. Aber daß es überhaupt Menschen schaffen, so lange beisammen zu bleiben, ist schon ein Verdienst, das so manche Ehe nicht schafft.
In diesem Sinne kann nur empfehlen, seine Freundschaften zu pflegen. sie gehören zu den wenigen Dingen im Leben, die mit der Zeit besser werden. Ich jedenfalls bin dankbar für meine Freunde. Ob sie aus der Zeit in Diez stammen oder ob sie später in mein Leben getreten sind.
Und so beschließe ich den Abend mit einem passenden Zitat:"Noch 'ne Runde Schampus und für die Nutten noch'n Eierlikör!"
(Ansgar, Volker, Ulrike, ich, Schu auf Boris' und
Annettes Hochzeit)
Samstag, 12. Oktober 2013
Just my imagination
Nachdem ich heute aufgewacht bin, weil jemand um Mitternacht an meiner Tür geläutet hat, konnte ich nicht mehr einschlafen. Entertainment war gefragt, also schob ich die BluRay des ersten Teils der "Hobbit"-Verfilmung rein und schaute mir den Rest des Films an, den ich gestern bereits zu sehen begonnen hatte. Der Film ist aufwendig, schnell, bunt, alles, was man möchte. Aber da ich ihn zum zweiten Mal gesehen habe, auch relativ langweilig.
Für diejeningen, die mich nicht kennen, ich schaue Filme gern häufiger. Die Serie "The West Wing" habe ich bestimmt schon 10 Mal gesehen, ohne dass sie mir langweilig wurde. Aber nicht nur beim "Hobbit", auch bei anderen Actionspektakeln, Blockbustern und wie man sie sonst nennen mag, stellt sich einfach recht schnell eine Sättigung bei mir ein.
Das erinnert mich an meine Jugend in den 80ern, als die alten Leute sagten, moderne Filme hätten zu viele "Special Effects" und zu wenig Story. Damals konnte ich sie, wie die meisten Menschen meiner Altersklasse nicht verstehen. Ich liebte "Raiders of the lost ark" und alle anderen Indiana Jones Filme. Heute erscheinen sie mir ebenfalls langweilig - auch wenn ich sie aus sentimentalen Gründen immer noch irgendwie mag.
Nach dem Action-Spektakel gab ich dann meiner Sehnsucht der letzten Tage nach und schaute einen eher leisen Film. "High Fidelity" wollte ich seit Tagen immer mal wieder anschauen. Es ist die Verfilmung eines Nick Hornby Romans. Die Bücher von Hornby, soweit ich sie gelesen habe, laufen alle nach dem gleichen Strickmuster ab. Junge hat eine Jugendobsession, die ihn am Erwachsenwerden hindert. Frau läuft weg, er merkt, wie wichtig sie ihm ist und er durchläuft binnen kurzer Zeit den Erwachsenwerdungsprozess, ohne seine Obsession, die Triebfeder seines Lebens, ganz zu verlieren. In "Fever Pitch" ist es Fußball, in "High Fidelity" ist es Musik. Ich mag Hornbys Geschichten, denn sie geben mir Hoffnung.
An "High Fidelity" erinnere ich mich am besten, weil ich den Film mehrfach gesehen habe. Er erinnert mich ein wenig an meine große Liebe, auch wenn sie nicht wie im Film ein Happy End gefunden hat. Auch kann ich mich mit den musikalischen Snobs der Geschichte sehr gut identifizieren.
Ich habe es geliebt, Mixtapes zu erstellen und ich habe diese Kunst mit religiöser Hingebung betrieben. "Die eigenen Gefühle mit der Poesie eines anderen ausdrücken" nennt John Cusack es in dem Film. Ich glaube, das trifft es ins Schwarze. Ich erinnere mich an gewagte Experimente, wie die Eröffnung mit Beethoven, um dann mit Punkrock, Soul oder Funk weiterzumachen. Den Seitenwechsel zum Beispiel mit George Dukes "The War Fugue Interlude" einzuleiten oder den Beweis zu erbringen, daß sich Edith Piaf und die Sex Pistols oder Sinatra und George Clinton vertragen. Heute mache ich Playlists für iTunes in wenigen Minuten. Kein langes Experimentieren mehr mit dem Plattenspieler, damit die Pause zwischen den Songs nicht zu groß ist, kein Vorhören, ob die beiden Lieder, die einander folgen passen. Aber auch keine Platzprobleme mehr.
Die Obsession ist vorüber. I settle for less. Das soll kein Plädoyer "früher war alles besser" sein.Natürlich könnte ich immer noch meine Playlists mit der gleichen Hingabe erstellen, aber irgendwas ist anders. Vielleicht ist auch einfach die Hingabe geschrumpft. Wer hat heute noch Zeit für sowas?
Ein schönes Beispiel für diese Obsession war das Lied "Just my imagination". Zum ersten Mal hörte ich es auf einem Prince-Bootleg (That's right! Sue me motherfucker!) von einer Aftershow-Party. Ich fand, es sei das schönste Lied aller Zeiten und ich wollte es in einer vernünftigen Version haben. Mir war schon klar, daß es kein originäres Prince-Lied war, also ging ich (pre Internet) auf die Suche. Falls jemand die "Married with children"-Folge kennt, in der Al Bundy ein Lied ("Anna (Go with him)" btw. auch auf dem Beatles Album "Please Please me" vertreten) sucht, weiß, was ich mit "Suche" meine. Die ersten kleinere Erfolge waren deprimierend! Während der Bundeswehrzeit hörte ich eine Version der "Rolling Stones" im Radio, die jedwedes Leben aus dem Song geprügelt hat. Ich mag die Stones, doch deren Version von "Just my imagination" ist das musikalische Äquivalent zu Auschwitz. Jahre später wurde mein Gemüt dann aber beruhigt, als ich es neben zahllosen anderen großartigen Klassikern auf einem "Temptations" -Sampler fand. Auch wenn Princes Version mit dem endlosen Gitarrenintro immer noch einen besonderen Platz in meinem Herzen hat, haben die Temptations natürlich dem Song das Leben wiedergegeben, das Jagger und Konsorten ihm rausgeprügelt hatten.
Uns so geht mir jedes Mal wieder das Herz auf, wenn am Ende von "High Fidelity" Jack Black Marvin Gayes "Let's get it on" singt, obwohl es weit außerhalb seiner Liga ist.
Ich schätze, John Miles hat mir in seiner Schnulze "Music" aus dem Herzen gesprochen, als er sang:"Music was my first love and it will be my last".
Was nun Prince angeht, möchte ich mich für die schönen Jugenderfahrungen bedanken, auf denen mich seine Musik begleitet hat und dafür daß er das "Black Album" doch noch veröffentlicht hat, sowie das Lied "Old friends 4sale", welches ich über alles liebe. Ich gebe die Hoffnung ja nicht auf, dass er irgendwann mal wieder etwas Großartiges veröffentlicht.
Für diejeningen, die mich nicht kennen, ich schaue Filme gern häufiger. Die Serie "The West Wing" habe ich bestimmt schon 10 Mal gesehen, ohne dass sie mir langweilig wurde. Aber nicht nur beim "Hobbit", auch bei anderen Actionspektakeln, Blockbustern und wie man sie sonst nennen mag, stellt sich einfach recht schnell eine Sättigung bei mir ein.
Das erinnert mich an meine Jugend in den 80ern, als die alten Leute sagten, moderne Filme hätten zu viele "Special Effects" und zu wenig Story. Damals konnte ich sie, wie die meisten Menschen meiner Altersklasse nicht verstehen. Ich liebte "Raiders of the lost ark" und alle anderen Indiana Jones Filme. Heute erscheinen sie mir ebenfalls langweilig - auch wenn ich sie aus sentimentalen Gründen immer noch irgendwie mag.
Nach dem Action-Spektakel gab ich dann meiner Sehnsucht der letzten Tage nach und schaute einen eher leisen Film. "High Fidelity" wollte ich seit Tagen immer mal wieder anschauen. Es ist die Verfilmung eines Nick Hornby Romans. Die Bücher von Hornby, soweit ich sie gelesen habe, laufen alle nach dem gleichen Strickmuster ab. Junge hat eine Jugendobsession, die ihn am Erwachsenwerden hindert. Frau läuft weg, er merkt, wie wichtig sie ihm ist und er durchläuft binnen kurzer Zeit den Erwachsenwerdungsprozess, ohne seine Obsession, die Triebfeder seines Lebens, ganz zu verlieren. In "Fever Pitch" ist es Fußball, in "High Fidelity" ist es Musik. Ich mag Hornbys Geschichten, denn sie geben mir Hoffnung.
An "High Fidelity" erinnere ich mich am besten, weil ich den Film mehrfach gesehen habe. Er erinnert mich ein wenig an meine große Liebe, auch wenn sie nicht wie im Film ein Happy End gefunden hat. Auch kann ich mich mit den musikalischen Snobs der Geschichte sehr gut identifizieren.
Ich habe es geliebt, Mixtapes zu erstellen und ich habe diese Kunst mit religiöser Hingebung betrieben. "Die eigenen Gefühle mit der Poesie eines anderen ausdrücken" nennt John Cusack es in dem Film. Ich glaube, das trifft es ins Schwarze. Ich erinnere mich an gewagte Experimente, wie die Eröffnung mit Beethoven, um dann mit Punkrock, Soul oder Funk weiterzumachen. Den Seitenwechsel zum Beispiel mit George Dukes "The War Fugue Interlude" einzuleiten oder den Beweis zu erbringen, daß sich Edith Piaf und die Sex Pistols oder Sinatra und George Clinton vertragen. Heute mache ich Playlists für iTunes in wenigen Minuten. Kein langes Experimentieren mehr mit dem Plattenspieler, damit die Pause zwischen den Songs nicht zu groß ist, kein Vorhören, ob die beiden Lieder, die einander folgen passen. Aber auch keine Platzprobleme mehr.
Die Obsession ist vorüber. I settle for less. Das soll kein Plädoyer "früher war alles besser" sein.Natürlich könnte ich immer noch meine Playlists mit der gleichen Hingabe erstellen, aber irgendwas ist anders. Vielleicht ist auch einfach die Hingabe geschrumpft. Wer hat heute noch Zeit für sowas?
Ein schönes Beispiel für diese Obsession war das Lied "Just my imagination". Zum ersten Mal hörte ich es auf einem Prince-Bootleg (That's right! Sue me motherfucker!) von einer Aftershow-Party. Ich fand, es sei das schönste Lied aller Zeiten und ich wollte es in einer vernünftigen Version haben. Mir war schon klar, daß es kein originäres Prince-Lied war, also ging ich (pre Internet) auf die Suche. Falls jemand die "Married with children"-Folge kennt, in der Al Bundy ein Lied ("Anna (Go with him)" btw. auch auf dem Beatles Album "Please Please me" vertreten) sucht, weiß, was ich mit "Suche" meine. Die ersten kleinere Erfolge waren deprimierend! Während der Bundeswehrzeit hörte ich eine Version der "Rolling Stones" im Radio, die jedwedes Leben aus dem Song geprügelt hat. Ich mag die Stones, doch deren Version von "Just my imagination" ist das musikalische Äquivalent zu Auschwitz. Jahre später wurde mein Gemüt dann aber beruhigt, als ich es neben zahllosen anderen großartigen Klassikern auf einem "Temptations" -Sampler fand. Auch wenn Princes Version mit dem endlosen Gitarrenintro immer noch einen besonderen Platz in meinem Herzen hat, haben die Temptations natürlich dem Song das Leben wiedergegeben, das Jagger und Konsorten ihm rausgeprügelt hatten.
Uns so geht mir jedes Mal wieder das Herz auf, wenn am Ende von "High Fidelity" Jack Black Marvin Gayes "Let's get it on" singt, obwohl es weit außerhalb seiner Liga ist.
Ich schätze, John Miles hat mir in seiner Schnulze "Music" aus dem Herzen gesprochen, als er sang:"Music was my first love and it will be my last".
Was nun Prince angeht, möchte ich mich für die schönen Jugenderfahrungen bedanken, auf denen mich seine Musik begleitet hat und dafür daß er das "Black Album" doch noch veröffentlicht hat, sowie das Lied "Old friends 4sale", welches ich über alles liebe. Ich gebe die Hoffnung ja nicht auf, dass er irgendwann mal wieder etwas Großartiges veröffentlicht.
Freitag, 4. Oktober 2013
The Big One!
Okay, ich gebe zu, mir ist heute absolut nichts eingefallen, das ich hier schreiben könnte. Zu tief bin ich in die äußerst anregende Diskussion zum Thema "freier Wille" verstrickt gewesen. Da aber die "si tacuisse"-Regel tödlich für ein Blog zu sein scheint, drehe ich heute mal den Spieß um und versuche ein paar Kommentare zu locken. Dabei hat mich die ganze amateur-philosophische Fragerei zu einer wirklich wichtigen Frage des Lebens gebracht: Was sind eigentlich die Bausteine zum Glücklichsein? Natürlich ist der Mensch nicht dazu geschaffen, die ganze Zeit über glücklich zu sein, aber was genau macht einen glücklich? Wir scheinen doch alle nach unserem individuellen Glück zu streben und jeder nimmt einen anderen Weg. Der eine mit mehr Erfolg, der andere mit weniger. Mit "Erfolg" meine ich damit nicht materiellen Erfolg, sondern Erfolg in der Jagd nach den meisten oder intensivsten Glücksmomenten, dem glücklichen Leben.
Das trügerische an der Identifikation von "Glücklichsein" ist, daß die Zeit vieles verklärt. Daß man verzückt an eine Zeit zurückdenkt, in der man hatte, was man gegenwärtig am meisten vermißt. Daß dem Glücklichsein andere Faktoren im Wege standen, wird vielfach verdrängt. Gut so, meine ich, denn auf die Art, behält man den Gedanken ans Gute im Leben, die Hoffnung. Doch bevor das hier wie eine Obamarede aus dem ersten Wahlkampf klingt, mahne ich davor, daß diese Verklärung, so schön sie auch sein mag, dem Ziel, die Bausteine des Glückseins zu finden, konträr läuft.
Ich finde es immer wieder interessant, wie viele Anwälte unglücklich sind, obwohl sie einen der für mich erstrebenswertesten Jobs der Welt haben. Natürlich hat das zwei Gründe: erstens muß mein Traum nicht unbedingt deren Traum sein und zweitens weiß ich gar nicht, wie deren Alltag genau aussieht und ob ich da nicht auch frustriert wäre.
Vielfach manifestiert sich "Glücklichsein" in winzigen Momenten. Oft ganz unerwartet. Da ist eine Sekunde der Euphorie mitten in einem Sturm, der das eigene Leben zu zerstören scheint.
Das schönste am Glücklichsein ist, daß es dadurch gesteigert wird, wenn man es teilt. Seit Jahren ist meine schönste Erinnerung die an meinen Urlaub mit Schu und Boris nach Kalifornien (siehe meinen Facebook-Artikel:"Beuddel"). Ich möchte mir nicht anmaßen für andere zu urteilen, zumal nicht für verheiratete, die berechtigterweise einen über den Schädel gebraten bekämen, wenn sie die Frage nach ihren glücklichsten Moment nicht mit der Hochzeit beantworteten, aber ich weiß, daß die beiden auch sehr glücklich auf dieser Reise waren.
Auf eben jener Reise erinnere ich mich an diesen perfekten Moment, als ich zum ersten Mal in den Grand Canon blickte. Eine Kleinigkeit, aber so dermaßen befriedigend, dass ich es mir bis heute nicht erklären kann.
Ähnlich fühle ich mich auch immer, wenn ich bei Olaf im Meer plansche. Das Meer scheint bei mir ein riesiger Faktor zum Glücklichsein zu sein.
Treffen mit alten Freunden ist immer ein Auslöser für Glücklichkeit bei mir; komischerweise sogar mehr, als neue Freunde zu machen. Ich glaube, manche Sachen müssen einfach reifen, um im Wert zu steigen.
Hitzige Diskussionen scheinen mich glücklich zu machen, obwohl ich mi Herzen jemand bin, der nach Harmonie strebt. Aber reine Harmonie bringt mich nicht weiter, da brauche ich die Reibungsenergie eines Streitgesprächs. Bin ich deswegen, weil es mir wichtig ist, weiter zukommen bereits ein Getriebener?
Vielleicht das größte Glück liegt in erwiderter Liebe, aber was weiß ich schon davon? Vielleicht erscheint es mir auch nur deswegen so, weil ich es zu selten erfahren habe.
Glücklich kann mich aber auch Musik machen, wobei es eher emotional, als glücklich ist, denn oftmals versetze ich mich mit Musik auch in einen eher dunklen Bereich. Wer tut das nicht?
Essen ist immer ein Quell der Freude. Wenn es gutes Essen ist, meine ich. Auch hier gilt: sowohl altbekanntes neu entdecken, als auch neues zu finden, kann Freude oder Glücklichsein bei mir auslösen.
Wenn ich mir nun all diese Zutaten fürs Glücklichsein anschaue, müßte ich doch eigentlich ein Rezept finden können. Kann ich aber nicht.
Deswegen hier der Aufruf: Was macht Euch glücklich?
Ach ja: und ich versuche, beim nächsten Mal weniger schwermütig zu schreiben.
Das trügerische an der Identifikation von "Glücklichsein" ist, daß die Zeit vieles verklärt. Daß man verzückt an eine Zeit zurückdenkt, in der man hatte, was man gegenwärtig am meisten vermißt. Daß dem Glücklichsein andere Faktoren im Wege standen, wird vielfach verdrängt. Gut so, meine ich, denn auf die Art, behält man den Gedanken ans Gute im Leben, die Hoffnung. Doch bevor das hier wie eine Obamarede aus dem ersten Wahlkampf klingt, mahne ich davor, daß diese Verklärung, so schön sie auch sein mag, dem Ziel, die Bausteine des Glückseins zu finden, konträr läuft.
Ich finde es immer wieder interessant, wie viele Anwälte unglücklich sind, obwohl sie einen der für mich erstrebenswertesten Jobs der Welt haben. Natürlich hat das zwei Gründe: erstens muß mein Traum nicht unbedingt deren Traum sein und zweitens weiß ich gar nicht, wie deren Alltag genau aussieht und ob ich da nicht auch frustriert wäre.
Vielfach manifestiert sich "Glücklichsein" in winzigen Momenten. Oft ganz unerwartet. Da ist eine Sekunde der Euphorie mitten in einem Sturm, der das eigene Leben zu zerstören scheint.
Das schönste am Glücklichsein ist, daß es dadurch gesteigert wird, wenn man es teilt. Seit Jahren ist meine schönste Erinnerung die an meinen Urlaub mit Schu und Boris nach Kalifornien (siehe meinen Facebook-Artikel:"Beuddel"). Ich möchte mir nicht anmaßen für andere zu urteilen, zumal nicht für verheiratete, die berechtigterweise einen über den Schädel gebraten bekämen, wenn sie die Frage nach ihren glücklichsten Moment nicht mit der Hochzeit beantworteten, aber ich weiß, daß die beiden auch sehr glücklich auf dieser Reise waren.
Auf eben jener Reise erinnere ich mich an diesen perfekten Moment, als ich zum ersten Mal in den Grand Canon blickte. Eine Kleinigkeit, aber so dermaßen befriedigend, dass ich es mir bis heute nicht erklären kann.
Ähnlich fühle ich mich auch immer, wenn ich bei Olaf im Meer plansche. Das Meer scheint bei mir ein riesiger Faktor zum Glücklichsein zu sein.
Treffen mit alten Freunden ist immer ein Auslöser für Glücklichkeit bei mir; komischerweise sogar mehr, als neue Freunde zu machen. Ich glaube, manche Sachen müssen einfach reifen, um im Wert zu steigen.
Hitzige Diskussionen scheinen mich glücklich zu machen, obwohl ich mi Herzen jemand bin, der nach Harmonie strebt. Aber reine Harmonie bringt mich nicht weiter, da brauche ich die Reibungsenergie eines Streitgesprächs. Bin ich deswegen, weil es mir wichtig ist, weiter zukommen bereits ein Getriebener?
Vielleicht das größte Glück liegt in erwiderter Liebe, aber was weiß ich schon davon? Vielleicht erscheint es mir auch nur deswegen so, weil ich es zu selten erfahren habe.
Glücklich kann mich aber auch Musik machen, wobei es eher emotional, als glücklich ist, denn oftmals versetze ich mich mit Musik auch in einen eher dunklen Bereich. Wer tut das nicht?
Essen ist immer ein Quell der Freude. Wenn es gutes Essen ist, meine ich. Auch hier gilt: sowohl altbekanntes neu entdecken, als auch neues zu finden, kann Freude oder Glücklichsein bei mir auslösen.
Wenn ich mir nun all diese Zutaten fürs Glücklichsein anschaue, müßte ich doch eigentlich ein Rezept finden können. Kann ich aber nicht.
Deswegen hier der Aufruf: Was macht Euch glücklich?
Ach ja: und ich versuche, beim nächsten Mal weniger schwermütig zu schreiben.
Donnerstag, 3. Oktober 2013
Die Mär vom "freien Willen"
Eigentlich sollte ich ja heute etwas zum Tag der deutschen Einheit schreiben. Aber Fakt ist, daß es mich unendlich langweilt, eine vierte Strophe des Lieds der Deutschen zu schreiben oder über die andauernden Unterschiede zwischen Ost und West zu lamentieren.
Also ist mir mal wieder nichts eingefallen, was ich der geneigten Leserschaft heute präsentieren kann - und dann kamen Hendrik und Olaf! Hendrik zitierte auf meiner Facebook-Seite Nietzsches "Jenseits von Gut und Böse" und die Tatsache, daß dort der freie Wille als "hundertfach widerlegte Theorie" bezeichnet wurde, reicht nun aus, um Friedrich Nietzsche von Olafs Leseliste zu verbannen.
Ah, der freie Wille! Es ist schon komisch, daß es grade die Leute sind, die an ihn glauben, die es in ihrem Leben zu etwas gebracht haben. Der Sieg über die Widrigkeiten des Lebens scheint also nur süß zu sein, wenn man ihn sich selbst, seinem stählernen Willen zuschreiben kann. Kritiker könnten jetzt einwerfen, daß es grade die Tramps sind, die die Existenz des freien Willens ignorieren und ihren freien Willen gradezu daran verschwenden, alles und jeden dafür verantwortlich zu machen, daß sie es nicht so weit gebracht haben.
Ich streife dieses Argument nur leicht mit dem Verweis, daß viele erfolgreiche Menschen den Gegenbeweis zur Existenz des freien Willens geführt haben, ohne sich darüber zu beklagen.
Dann komme ich zu meinem Hauptpunkt. Woher stammt der Wille überhaupt? Ist es ein angeborenes Werkzeug, mit dem wir unseren eigenen Erfolg zimmern können? Nein, der Wille entwickelt sich aus unseren Bedürfnissen, genau genommen aus dem Begehren. Wir begehren das, was wir sehen und erleben. "Das möchte ich auch haben/sein" ist sowohl Ziel, als auch Nährboden. Druch eine selektive Wahrnehmung könnten wir natürlich unseren Willen gezielt steuern. So will der eine einen Nobelpreis haben, der andere reich und berühmt sein und wieder ein anderer einfach nur unwiderstehlich schön sein. Die Endziele, Anerkennung und materielle Sicherheit sind dabei gleich.
Wenn wir also annehmen, daß sich unser Wille aus unseren Bedürnissen herleitet, dann sollten wir zunächst einmal fragen, welche Bedürfnisse haben wir denn und dann: wie sind sie gewichtet. Würden die Bedürfnisse gleichberechtigt nebeneinander existieren, wäre der Wille zumindest insofern frei, als daß der Mensch sich aussuchen kann, welche Bedürfnisse er zuvorderst befriedigt.
Hier kommt die inzwischen umstrittene Bedürfnistheorie nach Maslow ins Spiel. Demnach sind die Bedürfnisse wie Etagen einer Pyramide angeordnet und erst wenn die unteren Bedürfnisse befriedigt sind, werden die nächsten aktiviert. Das würde aber wiederum bedeuten, daß der Wille sich danach richtet, welche Ebene der Bedürfnispyramide man erreicht hat. Das Trust-Fund-Baby braucht sich keine Sorgen mehr um die existenziellen Bedürfnisse wie Essen, Trinken zu machen. Auch die Sicherheit, Krankenversicherung, Dach überm Kopf, etc. sind für ihn kein Problem, aber auch kein Ziel mehr. In einem hat Maslow auf jeden Fall recht und das wird auch meines Wissens nicht bestritten - eine Überbefriedigung der Bedürfnisse macht keinen Sinn!
Allein an diesem Punkt ist die Freiheit des Willens bereits beschnitten. Der Gedanke des "freien Willens ist aber auch extrem rassistisch. Bedeutet er doch, daß die Kinder, die in Krisengebieten verhungern einfach keinen Willen haben der stark genug sei, sie aus dem Mißstand zu erlösen. Derart sozialdarwinistische Ansätze sind, laut ausgesprochen mit den Nazis verschwunden, doch wie so manches Gedankengut der braunen Verführer hat es sich auch in die Gedankenwelt der "Guten Bürger" eingeschlichen.
Man mag Maslow kritisieren, was ich durchaus tue. Aber auch nachfolgende Bedürfnistheorien, wie z.B. ERG (Existence, Relatedness, Growth) haben diesen Gedanken eher verfeinert, als widerlegt. Die größte Kritik liegt dabei in der Absolutheit der Stufen der Pyramide. Ich denke, die Persönlichkeit kommt da mit ins Spiel, wo man sich im mittleren Teil befindet. So manch einem mag die soziale Akzeptanz nahezu gänzlich unwichtig erscheinen, die Selbstverwirklichung um so wichtiger. Aber auch hier sollte man vorsichtig sein, denn zur sozialen Akzeptanz gehört auch bereits, daß man sich innerhalb des Rechtssystems bewegt. Aber ist das schon "freier Wille", wenn ich mich entscheiden kann, ob ich mehr an meiner Selbstverwirklichung arbeite oder an meiner Beliebtheit? Wenn ja: wer entscheidet, was ich wähle? Ist der Wille gleichzeitig ein Kontrollinstrument, unser innerer Moralrichter? Die Entscheidung, welchen Weg wir einschlagen wird oft von der Intensität unserer Bedürfnisse völlig frei von Moral getroffen. Manchmal auch anhand dessen, wie man glaubt, das nächste Bedürfnis zu befriedigen, was der ökonomischste Weg ist. Auch hier treiben uns also unsere Bedürfnisse. So sehen viele Menschen (vor allem solche, beidenen die unteren beiden Bedürfnisse noch nicht befriedigt wurden) Geld als Allheilmittel an. Hat man genug Geld, kauft man damit nicht nur die Befriedigung der physischen Bedürfnisse, durch den richtigen Einsatz des Geldes schafft man auch soziale Akzeptanz (Bono). Kurz: Geld macht satt, sicher und beliebt. So manch einer glaubt sogar, daß er mit Geld Selbstverwirklichung erreichen kann, wenn er darunter versteht, die ganze Welt vom buddhistischen Tempel zur nächsten Bungee-Stelle abzusuchen.
Haben diese Leute ihren freien Willen eingesetzt? Ist es nicht vielmehr so, daß ihre mangelnde Lebenserfahrung und Bildung nicht viel mehr die Willensausübung auf null reduziert?
Die Menschen handeln nicht so, weil sie sich bewußt dafür entschieden haben, sondern weil sie keinen anderern Weg kennen!
Ich bestreite nicht die Existenz des Willens, aber seine Freiheit durchaus! Der Wille kann den Unterschied machen zwischen Erfolg und Mißerfolg. Aber worauf er sich letztendlich richtet, ist alles andere als frei, sondern ist bestimmt durch verschiedene Einflüsse, die eigenen Talente (Genetik?), Sozialisierung (äußere Einflüsse), Bildung (Alternativen kennen und erkennen) sowie die Gesundheit. In dem eng gestecken Rahmen dieser Voraussetzungen kann der Wille den Unterschied machen. Er kann dafür sorgen, daß sich die Pyramidenstufen überlappen, wie beim Künstler, der seine physiologischen Bedürfnisse zurückstellt und statt Nahrung Farben kauft, weil er den Drang verspürt, sich in einem Bild auszudrücken. Aber das funktioniert nicht unendlich, denn sonst ist er verhungert. Oder einfacher ausgedrückt: mein Körper sagt mir, daß ich ins Bett sollte, um mich endlich auszukurieren. Mein Wille stimmt zu, aber trotzdem sitze ich hier und schreibe etwas, das aus mir raus will.
Der Wille kann auch den Unterschied machen, ob man ein Ziel endgültig erreicht oder ob man daran scheitert. Aber das ist eher eine Disziplinfrage, als eine des Willens. Ich stelle meine Bedürfnisse, die von meinem Willen getragen werden, zurück, um ein entfernteres, vermeindlich lohnenderes Ziel zu erreichen. Aber auch hier gilt: Was lohnender ist, entscheiden andere Faktoren. Der Wille ist nur der Hammer und niemand würde auf die Idee kommen, einen Hammer frei zu nennen.
Interessanterweise gibt es auch ähnliche Stömungen der Politik in Staaten, die den freien Willen propagieren, Sie alle versuchen mehr oder weniger die physiologischen Bedürfnisse zu egalisieren. Niemand muß bei uns verhungern oder verdursten und damit bleibt nur noch der freie Wille als Entscheidungsgut zurück. Als hätte der Obdachlose seine Freiheit bewußt gewählt und nur seine Wahl hat ihn zuletzt im Winter erfrieren lassen. Wer würde hier behaupten, er wäre für etwas gestorben, was er geliebt hat?
Den freien Willen gibt es also nicht. Aber den unheimlich erfolgreichen Menschen und den Dummköpfen, die immer noch FDP wählen, weil sie zu ungebildet sind, sich mit dem "freien Willen" auseinanderzusetzen sei beruhigend gesagt: Ihr habt uns Normalsterblichen etwas voraus: Disziplin, Stärke, Intelligenz, Bildung, Imagination etc. Das Trust-Fund-Baby wird nie materielle Bdürfnisse kennenlernen, wenn der Trust Fund nur groß genug ist, aber es wird auch nicht die Anerkennung der Gesellschaft ernten. Es ist nichts Schlimmes dabei, zu verstehen, daß der "Freie Wille" gar nicht frei ist. Denn wäre er es, hätte ich längst meinen Bestseller geschrieben und wäre auf dem Weg in den Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM nächstes Jahr. Kaum etwas erscheint mir persönlich reizvoller, aber mit 42 Jahren sind da meinem Willen Grenzen gesetzt, oder Herr Löw?
Also ist mir mal wieder nichts eingefallen, was ich der geneigten Leserschaft heute präsentieren kann - und dann kamen Hendrik und Olaf! Hendrik zitierte auf meiner Facebook-Seite Nietzsches "Jenseits von Gut und Böse" und die Tatsache, daß dort der freie Wille als "hundertfach widerlegte Theorie" bezeichnet wurde, reicht nun aus, um Friedrich Nietzsche von Olafs Leseliste zu verbannen.
Ah, der freie Wille! Es ist schon komisch, daß es grade die Leute sind, die an ihn glauben, die es in ihrem Leben zu etwas gebracht haben. Der Sieg über die Widrigkeiten des Lebens scheint also nur süß zu sein, wenn man ihn sich selbst, seinem stählernen Willen zuschreiben kann. Kritiker könnten jetzt einwerfen, daß es grade die Tramps sind, die die Existenz des freien Willens ignorieren und ihren freien Willen gradezu daran verschwenden, alles und jeden dafür verantwortlich zu machen, daß sie es nicht so weit gebracht haben.
Ich streife dieses Argument nur leicht mit dem Verweis, daß viele erfolgreiche Menschen den Gegenbeweis zur Existenz des freien Willens geführt haben, ohne sich darüber zu beklagen.
Dann komme ich zu meinem Hauptpunkt. Woher stammt der Wille überhaupt? Ist es ein angeborenes Werkzeug, mit dem wir unseren eigenen Erfolg zimmern können? Nein, der Wille entwickelt sich aus unseren Bedürfnissen, genau genommen aus dem Begehren. Wir begehren das, was wir sehen und erleben. "Das möchte ich auch haben/sein" ist sowohl Ziel, als auch Nährboden. Druch eine selektive Wahrnehmung könnten wir natürlich unseren Willen gezielt steuern. So will der eine einen Nobelpreis haben, der andere reich und berühmt sein und wieder ein anderer einfach nur unwiderstehlich schön sein. Die Endziele, Anerkennung und materielle Sicherheit sind dabei gleich.
Wenn wir also annehmen, daß sich unser Wille aus unseren Bedürnissen herleitet, dann sollten wir zunächst einmal fragen, welche Bedürfnisse haben wir denn und dann: wie sind sie gewichtet. Würden die Bedürfnisse gleichberechtigt nebeneinander existieren, wäre der Wille zumindest insofern frei, als daß der Mensch sich aussuchen kann, welche Bedürfnisse er zuvorderst befriedigt.
Hier kommt die inzwischen umstrittene Bedürfnistheorie nach Maslow ins Spiel. Demnach sind die Bedürfnisse wie Etagen einer Pyramide angeordnet und erst wenn die unteren Bedürfnisse befriedigt sind, werden die nächsten aktiviert. Das würde aber wiederum bedeuten, daß der Wille sich danach richtet, welche Ebene der Bedürfnispyramide man erreicht hat. Das Trust-Fund-Baby braucht sich keine Sorgen mehr um die existenziellen Bedürfnisse wie Essen, Trinken zu machen. Auch die Sicherheit, Krankenversicherung, Dach überm Kopf, etc. sind für ihn kein Problem, aber auch kein Ziel mehr. In einem hat Maslow auf jeden Fall recht und das wird auch meines Wissens nicht bestritten - eine Überbefriedigung der Bedürfnisse macht keinen Sinn!
Allein an diesem Punkt ist die Freiheit des Willens bereits beschnitten. Der Gedanke des "freien Willens ist aber auch extrem rassistisch. Bedeutet er doch, daß die Kinder, die in Krisengebieten verhungern einfach keinen Willen haben der stark genug sei, sie aus dem Mißstand zu erlösen. Derart sozialdarwinistische Ansätze sind, laut ausgesprochen mit den Nazis verschwunden, doch wie so manches Gedankengut der braunen Verführer hat es sich auch in die Gedankenwelt der "Guten Bürger" eingeschlichen.
Man mag Maslow kritisieren, was ich durchaus tue. Aber auch nachfolgende Bedürfnistheorien, wie z.B. ERG (Existence, Relatedness, Growth) haben diesen Gedanken eher verfeinert, als widerlegt. Die größte Kritik liegt dabei in der Absolutheit der Stufen der Pyramide. Ich denke, die Persönlichkeit kommt da mit ins Spiel, wo man sich im mittleren Teil befindet. So manch einem mag die soziale Akzeptanz nahezu gänzlich unwichtig erscheinen, die Selbstverwirklichung um so wichtiger. Aber auch hier sollte man vorsichtig sein, denn zur sozialen Akzeptanz gehört auch bereits, daß man sich innerhalb des Rechtssystems bewegt. Aber ist das schon "freier Wille", wenn ich mich entscheiden kann, ob ich mehr an meiner Selbstverwirklichung arbeite oder an meiner Beliebtheit? Wenn ja: wer entscheidet, was ich wähle? Ist der Wille gleichzeitig ein Kontrollinstrument, unser innerer Moralrichter? Die Entscheidung, welchen Weg wir einschlagen wird oft von der Intensität unserer Bedürfnisse völlig frei von Moral getroffen. Manchmal auch anhand dessen, wie man glaubt, das nächste Bedürfnis zu befriedigen, was der ökonomischste Weg ist. Auch hier treiben uns also unsere Bedürfnisse. So sehen viele Menschen (vor allem solche, beidenen die unteren beiden Bedürfnisse noch nicht befriedigt wurden) Geld als Allheilmittel an. Hat man genug Geld, kauft man damit nicht nur die Befriedigung der physischen Bedürfnisse, durch den richtigen Einsatz des Geldes schafft man auch soziale Akzeptanz (Bono). Kurz: Geld macht satt, sicher und beliebt. So manch einer glaubt sogar, daß er mit Geld Selbstverwirklichung erreichen kann, wenn er darunter versteht, die ganze Welt vom buddhistischen Tempel zur nächsten Bungee-Stelle abzusuchen.
Haben diese Leute ihren freien Willen eingesetzt? Ist es nicht vielmehr so, daß ihre mangelnde Lebenserfahrung und Bildung nicht viel mehr die Willensausübung auf null reduziert?
Die Menschen handeln nicht so, weil sie sich bewußt dafür entschieden haben, sondern weil sie keinen anderern Weg kennen!
Ich bestreite nicht die Existenz des Willens, aber seine Freiheit durchaus! Der Wille kann den Unterschied machen zwischen Erfolg und Mißerfolg. Aber worauf er sich letztendlich richtet, ist alles andere als frei, sondern ist bestimmt durch verschiedene Einflüsse, die eigenen Talente (Genetik?), Sozialisierung (äußere Einflüsse), Bildung (Alternativen kennen und erkennen) sowie die Gesundheit. In dem eng gestecken Rahmen dieser Voraussetzungen kann der Wille den Unterschied machen. Er kann dafür sorgen, daß sich die Pyramidenstufen überlappen, wie beim Künstler, der seine physiologischen Bedürfnisse zurückstellt und statt Nahrung Farben kauft, weil er den Drang verspürt, sich in einem Bild auszudrücken. Aber das funktioniert nicht unendlich, denn sonst ist er verhungert. Oder einfacher ausgedrückt: mein Körper sagt mir, daß ich ins Bett sollte, um mich endlich auszukurieren. Mein Wille stimmt zu, aber trotzdem sitze ich hier und schreibe etwas, das aus mir raus will.
Der Wille kann auch den Unterschied machen, ob man ein Ziel endgültig erreicht oder ob man daran scheitert. Aber das ist eher eine Disziplinfrage, als eine des Willens. Ich stelle meine Bedürfnisse, die von meinem Willen getragen werden, zurück, um ein entfernteres, vermeindlich lohnenderes Ziel zu erreichen. Aber auch hier gilt: Was lohnender ist, entscheiden andere Faktoren. Der Wille ist nur der Hammer und niemand würde auf die Idee kommen, einen Hammer frei zu nennen.
Interessanterweise gibt es auch ähnliche Stömungen der Politik in Staaten, die den freien Willen propagieren, Sie alle versuchen mehr oder weniger die physiologischen Bedürfnisse zu egalisieren. Niemand muß bei uns verhungern oder verdursten und damit bleibt nur noch der freie Wille als Entscheidungsgut zurück. Als hätte der Obdachlose seine Freiheit bewußt gewählt und nur seine Wahl hat ihn zuletzt im Winter erfrieren lassen. Wer würde hier behaupten, er wäre für etwas gestorben, was er geliebt hat?
Den freien Willen gibt es also nicht. Aber den unheimlich erfolgreichen Menschen und den Dummköpfen, die immer noch FDP wählen, weil sie zu ungebildet sind, sich mit dem "freien Willen" auseinanderzusetzen sei beruhigend gesagt: Ihr habt uns Normalsterblichen etwas voraus: Disziplin, Stärke, Intelligenz, Bildung, Imagination etc. Das Trust-Fund-Baby wird nie materielle Bdürfnisse kennenlernen, wenn der Trust Fund nur groß genug ist, aber es wird auch nicht die Anerkennung der Gesellschaft ernten. Es ist nichts Schlimmes dabei, zu verstehen, daß der "Freie Wille" gar nicht frei ist. Denn wäre er es, hätte ich längst meinen Bestseller geschrieben und wäre auf dem Weg in den Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM nächstes Jahr. Kaum etwas erscheint mir persönlich reizvoller, aber mit 42 Jahren sind da meinem Willen Grenzen gesetzt, oder Herr Löw?
Dienstag, 1. Oktober 2013
We are stardust....
Eigentlich ist heute ein ganz normaler Tag. Abgesehen davon, daß meine Mandeln die Größe von Tennisbällen haben und ich ein leichtes Fieber schiebe. Was macht man also wenn man bereits 16 Stunden von 19 des Tages geschlafen hat und man nicht arbeiten kann? Richtig! Man hängt seinen Träumen nach! Keine Sorge, ich veröffentliche hier keine Geschichten von chirurgisch modifizierten Blondinen, die zu arm sind, sich etwas zum anziehen zu kaufen und dringend eine Position als Sklavin suchen. Für Agneta ist das Forum dann doch ein wenig zu öffentlich.
Was gibt es sonst noch für Träume im Leben eines Mannes mittleren Alters? Daß der FC wieder Meister wird? So hoch ist mein Fieber dann doch nicht! Mit Chaka Khan in Las Vegas ein Programm mit Marvin Gaye-Duetten bestreiten? Ich bin doch nicht lebensmüde! Weltherrschaft? Wer will diesen Streß in meinem Alter noch?
Dann doch eher Autos! Ich lehne mich also genüßlich zurück, stelle mir vor, mein direktgepreßter Blutorangensaft sei ein exotischer Cocktail (hey, ich bin krank, da gibt's keinen echten Alkohol!) und browse die Website von Aston Martin.
Meine leisen, sehnsüchtigen Sufzer werden durch das Gebimmel von Facebook jäh unterbrochen. Eine neue Nachricht! Menschlicher Kontakt in meiner Virenisolation!
Eine spirituell eingestellte Freundin teilt mir mit, sie fabriziere grade ein "Vision Board". das sei eine Collage von Dingen, die man sich manifestieren möchte. Ich behaupte nicht, das auch nur ansatzweise verstanden zu haben, aber es scheint etwas damit zu tun zu haben, daß Dinge zu einem kommen, wenn man sie sich nur stark genug wünscht und darauf seine Energien in Richtung Kosmos bündelt.
Klingt gut. In meiner Vorabizeit habe ich auch behauptet, alles zu bekommen, was ich mir wirklich wünsche und es hat sogar bis zu einem gewissen Grad geklappt. Außerdem hat es Vorteile, seine Wünsche spirituell in den Kosmos zu feuern, denn mir als Christ würde es nie einfallen, für eine Luxusschleuder, ein Beachhouse und einen Tieflader voll Cash zu beten. Nicht mit all den hungernden Kindern in Afrika und so'n Zeuchs jedenfalls.
Aber ich finde, daß auch ich ein Anrecht auf eine Midlife-Crisis habe! Zudem, liebes Universum, ich habe auch ein passendes Auto ausgesucht! Es ist ja nicht so, daß ich mir einen Ferrari gewünscht hätte, der eher zu einem winzigen Italiener mit zu viel Pomade und zu wenig Penis paßt! Ach, wo wir grade bei dem Thema sind, noch so ein Wunsch an das Universum (oder den Absender des Spam:) Ich bin mit der Größe meines Penis zufrieden. Er mag nicht riesig sein, aber ich habe auch nicht vor, etwas gegen das Walsterben zu tun. Also bitte schickt mir keine Emails mehr mit neuen, revolutionären Techniken oder Schwedischen Penis-Pumpen! Aber ich schweife ab. Wie gesagt, kein Ferrari, sondern ein kultiviertes Sportauto unter dem Oberbegriff "Gran Turismo". Ein Auto, in das ich mit Bauch und voller Körperlänge reinpasse, wo ich auch mal eine Tasche mittransportieren kann und das sich, wie man bei James Bond regelmäßig sehen kann, auch mit 5 Wodka Martini intus noch prima fahren läßt. Ein Auto, in das man Maschinengewehre für den alltäglichen Stau einbauen kann und der einen Schleudersitz für nervige Beifahrer hat! Kurz: ein Auto, das wirklich zu mir paßt und wo das Universum keinen Knoten ins Raum-Zeit-Kontinuum macht!
Da seufze ich schon wieder! Liebes Universum, Du kannst es Dir gerne ansehen, das Auto würde wirklich prima zu mir passen! Da ich selbst aber nun einmal nicht der spirituellste Mensch auf der Welt bin, wohl aber ein Weltklasse-Pragmatiker Erinnere ich die Freundin an meinen Geburtstag (und falls Dr. Ulrich Bez, der CEO von Aston Martin das liest und mir eine Freude machen will, er ist am 14. Februar, also Valentinstag) und bitte sie doch sich direkt als Geburtstagsgeschenk für mich einen beliebigen Aston Martin für mich zu manifestieren. Wie gesagt, ich respektiere das Universum und habe deswegen extra ein Auto ausgesucht, das zu mir paßt!
Aber alles, was ich ernte ist ein "Du mußt noch viel lernen!" Wäre hierauf noch ein "junger Padawan" gefolgt, hätte ich mich endgültig wie Obi Wan in Episode 1 gefühlt. Aber ich will doch gar nichts lernen, sondern nur eine passende Midlife-Crisis-Schleuder für mich haben! Ich verspreche auch noch mal Fahrstunden zu nehmen und ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren!
Aber es ist schon richtig, daß ich noch eine Menge zu lernen habe. Es reicht eben nicht aus, sich Joni Mitchells Gejodele in "Woodstock" anzuhören und mit voller Inbrunst zu singen:"We are stardust". Das wurde mir spätetens in dem Augenblick klar, als ich als eine Art Mantra Janis Joplins "Mercedes Benz" empfohlen habe. "counter productive" habe ich dafür geerntet! Also ich und Bobby McGee finden, daß Janis niemals kontraproduktiv ist, wenn auch vielleicht tot. Und so schaue ich dann in den Sternenhimmel, wie einst David Bowies "Major Tom" (Himmel, wäre das eine Beförderung, vom Gefreiten zum Major!) und bete zum Herrgott, er möge mir die Weisheit schenken, mir auch Dinge manifestieren zu können. Aber ich habe Angst, daß er mir in einem Glitzeranzug erscheint und "Cars and Girls" vom One-Hit-Wonder "Prefab Sprouts" singt. Ich kann mir den Backup-Chor schon bildlich vorstellen: Sinatra, Elvis und Nina Simone mit Engelsflügeln...
In diesem Sinne, my sweet lord: Grüße an Marvin, Otis, John, George, Jimi und Janis. Und solltest Du doch auf ihr Gebet hören und das Auto bei mir abliefern: Ich hätte gern einen SL oder SLR von Mercedes.
Und nun zurück ins Bett! Agneta?
Was gibt es sonst noch für Träume im Leben eines Mannes mittleren Alters? Daß der FC wieder Meister wird? So hoch ist mein Fieber dann doch nicht! Mit Chaka Khan in Las Vegas ein Programm mit Marvin Gaye-Duetten bestreiten? Ich bin doch nicht lebensmüde! Weltherrschaft? Wer will diesen Streß in meinem Alter noch?
Dann doch eher Autos! Ich lehne mich also genüßlich zurück, stelle mir vor, mein direktgepreßter Blutorangensaft sei ein exotischer Cocktail (hey, ich bin krank, da gibt's keinen echten Alkohol!) und browse die Website von Aston Martin.
Meine leisen, sehnsüchtigen Sufzer werden durch das Gebimmel von Facebook jäh unterbrochen. Eine neue Nachricht! Menschlicher Kontakt in meiner Virenisolation!
Eine spirituell eingestellte Freundin teilt mir mit, sie fabriziere grade ein "Vision Board". das sei eine Collage von Dingen, die man sich manifestieren möchte. Ich behaupte nicht, das auch nur ansatzweise verstanden zu haben, aber es scheint etwas damit zu tun zu haben, daß Dinge zu einem kommen, wenn man sie sich nur stark genug wünscht und darauf seine Energien in Richtung Kosmos bündelt.
Klingt gut. In meiner Vorabizeit habe ich auch behauptet, alles zu bekommen, was ich mir wirklich wünsche und es hat sogar bis zu einem gewissen Grad geklappt. Außerdem hat es Vorteile, seine Wünsche spirituell in den Kosmos zu feuern, denn mir als Christ würde es nie einfallen, für eine Luxusschleuder, ein Beachhouse und einen Tieflader voll Cash zu beten. Nicht mit all den hungernden Kindern in Afrika und so'n Zeuchs jedenfalls.
Aber ich finde, daß auch ich ein Anrecht auf eine Midlife-Crisis habe! Zudem, liebes Universum, ich habe auch ein passendes Auto ausgesucht! Es ist ja nicht so, daß ich mir einen Ferrari gewünscht hätte, der eher zu einem winzigen Italiener mit zu viel Pomade und zu wenig Penis paßt! Ach, wo wir grade bei dem Thema sind, noch so ein Wunsch an das Universum (oder den Absender des Spam:) Ich bin mit der Größe meines Penis zufrieden. Er mag nicht riesig sein, aber ich habe auch nicht vor, etwas gegen das Walsterben zu tun. Also bitte schickt mir keine Emails mehr mit neuen, revolutionären Techniken oder Schwedischen Penis-Pumpen! Aber ich schweife ab. Wie gesagt, kein Ferrari, sondern ein kultiviertes Sportauto unter dem Oberbegriff "Gran Turismo". Ein Auto, in das ich mit Bauch und voller Körperlänge reinpasse, wo ich auch mal eine Tasche mittransportieren kann und das sich, wie man bei James Bond regelmäßig sehen kann, auch mit 5 Wodka Martini intus noch prima fahren läßt. Ein Auto, in das man Maschinengewehre für den alltäglichen Stau einbauen kann und der einen Schleudersitz für nervige Beifahrer hat! Kurz: ein Auto, das wirklich zu mir paßt und wo das Universum keinen Knoten ins Raum-Zeit-Kontinuum macht!
Da seufze ich schon wieder! Liebes Universum, Du kannst es Dir gerne ansehen, das Auto würde wirklich prima zu mir passen! Da ich selbst aber nun einmal nicht der spirituellste Mensch auf der Welt bin, wohl aber ein Weltklasse-Pragmatiker Erinnere ich die Freundin an meinen Geburtstag (und falls Dr. Ulrich Bez, der CEO von Aston Martin das liest und mir eine Freude machen will, er ist am 14. Februar, also Valentinstag) und bitte sie doch sich direkt als Geburtstagsgeschenk für mich einen beliebigen Aston Martin für mich zu manifestieren. Wie gesagt, ich respektiere das Universum und habe deswegen extra ein Auto ausgesucht, das zu mir paßt!
Aber alles, was ich ernte ist ein "Du mußt noch viel lernen!" Wäre hierauf noch ein "junger Padawan" gefolgt, hätte ich mich endgültig wie Obi Wan in Episode 1 gefühlt. Aber ich will doch gar nichts lernen, sondern nur eine passende Midlife-Crisis-Schleuder für mich haben! Ich verspreche auch noch mal Fahrstunden zu nehmen und ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren!
Aber es ist schon richtig, daß ich noch eine Menge zu lernen habe. Es reicht eben nicht aus, sich Joni Mitchells Gejodele in "Woodstock" anzuhören und mit voller Inbrunst zu singen:"We are stardust". Das wurde mir spätetens in dem Augenblick klar, als ich als eine Art Mantra Janis Joplins "Mercedes Benz" empfohlen habe. "counter productive" habe ich dafür geerntet! Also ich und Bobby McGee finden, daß Janis niemals kontraproduktiv ist, wenn auch vielleicht tot. Und so schaue ich dann in den Sternenhimmel, wie einst David Bowies "Major Tom" (Himmel, wäre das eine Beförderung, vom Gefreiten zum Major!) und bete zum Herrgott, er möge mir die Weisheit schenken, mir auch Dinge manifestieren zu können. Aber ich habe Angst, daß er mir in einem Glitzeranzug erscheint und "Cars and Girls" vom One-Hit-Wonder "Prefab Sprouts" singt. Ich kann mir den Backup-Chor schon bildlich vorstellen: Sinatra, Elvis und Nina Simone mit Engelsflügeln...
In diesem Sinne, my sweet lord: Grüße an Marvin, Otis, John, George, Jimi und Janis. Und solltest Du doch auf ihr Gebet hören und das Auto bei mir abliefern: Ich hätte gern einen SL oder SLR von Mercedes.
Und nun zurück ins Bett! Agneta?
Was ist bloß in deren Tee?
In den USA ist es schwer bis unmöglich, eine neue Partei zu gründen. Deswegen brüsten sich die arrivierten Parteien damit, ein "großes Zelt" für vielerlei Ideen zu sein. Ich könnte jetzt lang und breit darüber referieren, warum ich das dortige Mehrheitswahlrecht für problematisch halte, könnte darauf verweisen, wie langsam sich neue politische Ideen in den USA durchsetzen, weil frische Minderheitsmeinungen kein Gehör finden, weil ihre Verfechter nicht ins Parlament gewählt werden. Das sieht man zum Beispiel bei der Umweltpolitik und erneuerbaren Energien.
Doch darum geht es mir hier nicht. Vielmehr geht es mir um die Partei in der Partei, die Tea Party Bewegung. Begrifflich assoziiert sich diese Bewegung mit der "Boston Tea Party", der Steuerrevolte gegen den englischen König, die dann zur Unabhängigkeit wurde. So sehen sich die Tea Party Anhänger auch heute noch. Es geht nicht mehr gegen die Rotröcke, sondern gegen "corruption and gridlock in Washington". Die Idee ist simpel, ja sogar in Einklang mit dem Grundgedanken der Republikanischen Partei, deren vereiterten Wurmfortsatz die Tea Party bildet.
Die GOP jedoch auf eine Steuerverweigerungspartei zu reduzieren, wie es die Tea Party versucht, ist jedoch erst eine Deutung der neueren Zeit. Der republikanische Supreme Court Justice Oliver Wendell Holmes jr. prägte den Spruch:"Taxes are the price we pay for a civilized society." Was man nun unter einer "civilized society" versteht, unterliegt sowohl dem Wandel der Zeit, als auch dem geographischen Standpunkt. In Europa beispielsweise finden wir es barbarisch, Menschen sterben zu lassen oder sie Opfer einer heilbaren Krankheit werden zu lassen. Deswegen gibt es bei uns eine Pflicht zur Krankenversicherung. In den USA wird das "socialized medizine" genannt. Da sich das wie "socialist" anhört, ist es natürlich verpöhnt. Zu Oliver Wendell Holmes Zeiten, das wäre die vorletzte Jahrhundertwende, gehörte das auch nicht zum Standardrepertoire europäischer Staaten. Aber die Zeiten haben sich geändert. Die Menschenrechte haben mehr Bedeutung erlangt. Grade vor dem Hintergrund aussterbender Zivilisationen erscheint ein Menschenleben - und sei es nur als Arbeitskraft - immer wertvoller.
Doch diese Sichtweise ist in den Augen der Tea Party breits Bevormundung und exzessives Besteuern. Sie fürchtet um die Leistungsfähigkeit, kleiner und mittelständischer Unternehmen wegen "Obamacare", der von Präsident Obama hervorgebrachten Reform im Gesundheitswesen.
Betrachtet man nur die Krankenversicherungszahlen der USA aus schwedischer Sicht, so könnte man immer noch glauben, man betrachte Kenia oder Nigeria. Aber selbst das ist der Tea Party zu viel.
Sie haben gegen das Gesetzt geklagt und haben vor dem eigentlich noch recht republikanisch eingestellten Supreme Court verloren. Sie sind zur Wahl angetreten und haben bei aller berechtigen Kritik an Präsident Obama verloren. Nun halten sie durch ihren Einfluß auf die Grand Old Party, die immer noch die Mehrheit im Repräsentantenhaus stellen, das Volk als Geisel. Sie haben den Haushaltsplan Präsident Obamas mal wieder abgelehnt. Seit heute Mitternacht sind die USA damit zahlungsunfähig, was bedeutet, das nicht-existenzielle Staatsbeamte in unbezahlten Urlaub geschickt werden. Sämtliche Vermittlungsversuche der Republikaner enthielten Attacken auf "Obamacare" und forderten deren Rückzug.
Wenn man nichts anderes sagen möchte, so muß man zumindest attestieren, daß die Tea Party ein schlechter Verlierer ist. Der in mehreren Wahlen ausgedrückte Wählerwille ist ihnen egal. Allein dafür gehören sie schon geteert und gefedert.
Daß sie in so rücksichtsloser Weise hunderttausende von Angestellten ihren Lohn vorenthält, ist einfach eine Sauerei. Von den Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Zahlungsfähigkeit der USA mal ganz zu schweigen.
In der zweiten Oktoberhälfte, vermutlich am 17.10. wird eine erneute Debatte über die Schuldensituation der USA fällig werden. Ein weiterer Profilierungsspielplatz der Tea Party. Dann halten sie nicht nur die USA, sondern die Weltwirtschaft als Geisel.
Man muß sich also fragen, wer sind diese Leute, die sich nur zu gern als "wahre Amerikaner" bezeichnen und die Andersdenken gern mal den Patriotismus absprechen. Es sind nicht die klügsten Köpfe der republikanischen Partei. Es sind die Sarah Palins und Michelle Bachmanns. Politiker, über die in beiden Lagern wegen ihrer Unfähigkeit gelacht wird und die nur deswegen Erfolg haben, weil sie "folksy" rüberkommen. Was immer das genau heißen mag.
Ich frage mich, was genau und wie viel davon in deren "Tee" ist. Rum oder Haschisch sind da noch die harmloseren Vermutungen, denn so realitätsfern wird man selbst unter diesen Drogen nicht.
Sie sind ein Geschwür, das an der amerikanischen Seele nagt. Sie nähren sich von der Angst des wegbrechenden Mittelstandes und glauben, daß der Staat sich aus dem Leben seiner Bürger raushalten soll. Ein starkes Militär ist alles, was sie brauchen. Polizei? Hey, wir haben den 2. Verfassungszusatz! Außenpolitik? Wir sind die höchst entwickelten Menschen, warum sollen wir uns mit anderen Ländern abgeben, die entder Barbaren sind oder gern Amerikaner wären? Sozialsysteme? Anreiz zur Faulheit! Bildung? Es hat mir auch nicht geschadet, daß ich mich durch Harvard oder sonst eine Eliteschule gesoffen habe!
Es sind nicht die klügsten Elemente der republikanischen Partei, aber es sind die hartnäckigsten.
Dabei zeigt spätestens die letzte Präsidentschaftswahl, daß die Tea Party die GOP zerstört. So sehr die Bewegung behauptet "real America" zu vrekörpern, so stark wird sie doch von der Mehrheit abgelehnt. Es sind Extremisten.Ohne das Mäntelchen der GOP würden sie wahrscheinlich gar keine verwertbaren Stimmen bekommen.
Aber sie zerfressen die Partei, deren Präsident einstmals die Sklaverei abgeschafft hat, bis zur Unkenntlichkeit.
Den aufrechten Republikanern bleibt nur noch übrig, mit unterzugehen oder sich bis zum Parteiausschluß gegen diese Spalter zu wehren. Doch das scheint schwierig, da sie einen großen Teil der jüngeren Aktivisten für sich beanspruchen und in manchen Regionen erfolgreich sind.
National jedoch schadet die Tea Party der GOP drastisch. Die Frage ist, wie lange sie so noch das Repräsentantenhaus dominieren. Man mag von den Republikanern halten, was man will, aber dass Washington eine funktionierende Opposition benötigt, sieht man nicht erst seit dem Prism-Skandal.
Doch darum geht es mir hier nicht. Vielmehr geht es mir um die Partei in der Partei, die Tea Party Bewegung. Begrifflich assoziiert sich diese Bewegung mit der "Boston Tea Party", der Steuerrevolte gegen den englischen König, die dann zur Unabhängigkeit wurde. So sehen sich die Tea Party Anhänger auch heute noch. Es geht nicht mehr gegen die Rotröcke, sondern gegen "corruption and gridlock in Washington". Die Idee ist simpel, ja sogar in Einklang mit dem Grundgedanken der Republikanischen Partei, deren vereiterten Wurmfortsatz die Tea Party bildet.
Die GOP jedoch auf eine Steuerverweigerungspartei zu reduzieren, wie es die Tea Party versucht, ist jedoch erst eine Deutung der neueren Zeit. Der republikanische Supreme Court Justice Oliver Wendell Holmes jr. prägte den Spruch:"Taxes are the price we pay for a civilized society." Was man nun unter einer "civilized society" versteht, unterliegt sowohl dem Wandel der Zeit, als auch dem geographischen Standpunkt. In Europa beispielsweise finden wir es barbarisch, Menschen sterben zu lassen oder sie Opfer einer heilbaren Krankheit werden zu lassen. Deswegen gibt es bei uns eine Pflicht zur Krankenversicherung. In den USA wird das "socialized medizine" genannt. Da sich das wie "socialist" anhört, ist es natürlich verpöhnt. Zu Oliver Wendell Holmes Zeiten, das wäre die vorletzte Jahrhundertwende, gehörte das auch nicht zum Standardrepertoire europäischer Staaten. Aber die Zeiten haben sich geändert. Die Menschenrechte haben mehr Bedeutung erlangt. Grade vor dem Hintergrund aussterbender Zivilisationen erscheint ein Menschenleben - und sei es nur als Arbeitskraft - immer wertvoller.
Doch diese Sichtweise ist in den Augen der Tea Party breits Bevormundung und exzessives Besteuern. Sie fürchtet um die Leistungsfähigkeit, kleiner und mittelständischer Unternehmen wegen "Obamacare", der von Präsident Obama hervorgebrachten Reform im Gesundheitswesen.
Betrachtet man nur die Krankenversicherungszahlen der USA aus schwedischer Sicht, so könnte man immer noch glauben, man betrachte Kenia oder Nigeria. Aber selbst das ist der Tea Party zu viel.
Sie haben gegen das Gesetzt geklagt und haben vor dem eigentlich noch recht republikanisch eingestellten Supreme Court verloren. Sie sind zur Wahl angetreten und haben bei aller berechtigen Kritik an Präsident Obama verloren. Nun halten sie durch ihren Einfluß auf die Grand Old Party, die immer noch die Mehrheit im Repräsentantenhaus stellen, das Volk als Geisel. Sie haben den Haushaltsplan Präsident Obamas mal wieder abgelehnt. Seit heute Mitternacht sind die USA damit zahlungsunfähig, was bedeutet, das nicht-existenzielle Staatsbeamte in unbezahlten Urlaub geschickt werden. Sämtliche Vermittlungsversuche der Republikaner enthielten Attacken auf "Obamacare" und forderten deren Rückzug.
Wenn man nichts anderes sagen möchte, so muß man zumindest attestieren, daß die Tea Party ein schlechter Verlierer ist. Der in mehreren Wahlen ausgedrückte Wählerwille ist ihnen egal. Allein dafür gehören sie schon geteert und gefedert.
Daß sie in so rücksichtsloser Weise hunderttausende von Angestellten ihren Lohn vorenthält, ist einfach eine Sauerei. Von den Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Zahlungsfähigkeit der USA mal ganz zu schweigen.
In der zweiten Oktoberhälfte, vermutlich am 17.10. wird eine erneute Debatte über die Schuldensituation der USA fällig werden. Ein weiterer Profilierungsspielplatz der Tea Party. Dann halten sie nicht nur die USA, sondern die Weltwirtschaft als Geisel.
Man muß sich also fragen, wer sind diese Leute, die sich nur zu gern als "wahre Amerikaner" bezeichnen und die Andersdenken gern mal den Patriotismus absprechen. Es sind nicht die klügsten Köpfe der republikanischen Partei. Es sind die Sarah Palins und Michelle Bachmanns. Politiker, über die in beiden Lagern wegen ihrer Unfähigkeit gelacht wird und die nur deswegen Erfolg haben, weil sie "folksy" rüberkommen. Was immer das genau heißen mag.
Ich frage mich, was genau und wie viel davon in deren "Tee" ist. Rum oder Haschisch sind da noch die harmloseren Vermutungen, denn so realitätsfern wird man selbst unter diesen Drogen nicht.
Sie sind ein Geschwür, das an der amerikanischen Seele nagt. Sie nähren sich von der Angst des wegbrechenden Mittelstandes und glauben, daß der Staat sich aus dem Leben seiner Bürger raushalten soll. Ein starkes Militär ist alles, was sie brauchen. Polizei? Hey, wir haben den 2. Verfassungszusatz! Außenpolitik? Wir sind die höchst entwickelten Menschen, warum sollen wir uns mit anderen Ländern abgeben, die entder Barbaren sind oder gern Amerikaner wären? Sozialsysteme? Anreiz zur Faulheit! Bildung? Es hat mir auch nicht geschadet, daß ich mich durch Harvard oder sonst eine Eliteschule gesoffen habe!
Es sind nicht die klügsten Elemente der republikanischen Partei, aber es sind die hartnäckigsten.
Dabei zeigt spätestens die letzte Präsidentschaftswahl, daß die Tea Party die GOP zerstört. So sehr die Bewegung behauptet "real America" zu vrekörpern, so stark wird sie doch von der Mehrheit abgelehnt. Es sind Extremisten.Ohne das Mäntelchen der GOP würden sie wahrscheinlich gar keine verwertbaren Stimmen bekommen.
Aber sie zerfressen die Partei, deren Präsident einstmals die Sklaverei abgeschafft hat, bis zur Unkenntlichkeit.
Den aufrechten Republikanern bleibt nur noch übrig, mit unterzugehen oder sich bis zum Parteiausschluß gegen diese Spalter zu wehren. Doch das scheint schwierig, da sie einen großen Teil der jüngeren Aktivisten für sich beanspruchen und in manchen Regionen erfolgreich sind.
National jedoch schadet die Tea Party der GOP drastisch. Die Frage ist, wie lange sie so noch das Repräsentantenhaus dominieren. Man mag von den Republikanern halten, was man will, aber dass Washington eine funktionierende Opposition benötigt, sieht man nicht erst seit dem Prism-Skandal.
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